Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hält nicht um jeden Preis an der geplanten höheren Beimischung von Biokraftstoffen zum Benzin fest. Die Verordnung werde nicht in Kraft gesetzt, sollte mehr als eine Million Autos das neue Gemisch nicht vertragen.
Höhere Biosprit-Beimischung bleibt fraglich
Erst müssten aber die Zahlen der Hersteller abgewartet werden. Laut Ministerium und Herstellerverbänden sollen die ursprünglich für Ende März avisierten Zahlen nun bis Mitte April vorliegen. Während der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) einem Sprecher zufolge seine Verträglichkeitszahlen bereits für das Ministerium aufbereitet hat, liegen vom Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) nach dessen Angaben noch keine endgültigen Daten vor.
Laut VDA können ungefähr 375.000 Fahrzeuge deutscher Hersteller nicht mit einer erhöhten Ethanolbeimischung (E10) fahren. Nach Verbandsangaben haben die deutschen Autokonzerne auf dem heimatlichen Pkw-Markt mit rund 41 Millionen Fahrzeugen einen Marktanteil von rund 70 Prozent. Experten zufolge lässt sich daraus aber nicht auf die Verträglichkeit ausländischer Autos schließen, da deren Hersteller oft nicht über so fundierte Erfahrungen mit der Biospritbeimischung wie die deutschen Unternehmen verfügten. Nach Schätzungen des ADAC könnten insgesamt mehr als drei Millionen Fahrzeuge betroffen sein. Die Bundesregierung will den Bioethanolanteil im Benzin 2009 von fünf auf zehn Prozent erhöhen.
Der umweltorientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) forderte die Bundesregierung am Mittwoch auf, sich jetzt von der sogenannten Biokraftstoffstrategie zu verabschieden. "Es sind viel zu viele Minus- und Fragezeichen, die sich um den Treibstoff vom Acker sammeln", sagte Hermann-Josef Vogt vom VCD-Bundesvorstand. Er verwies auf "ökologische und soziale Folgeprobleme bei der Produktion, meist nur geringe Vorteile in der Klimabilanz gegenüber herkömmlichem Kraftstoff und keine klaren Aussagen der Autoindustrie über die Verträglichkeit von Ethanol in älteren Fahrzeugen".
Aus der Sicht der Umweltschutzorganisation Greenpeace ist Biosprit "ein Irrweg". Greenpeace-Agrarexperte Alexander Hissting sagte dem Nachrichtensender n-tv: "Der Autofahrer muss draufzahlen. Sehr viele Fahrzeuge vertragen den Sprit nicht und zusätzlich gefährden wir die letzten Urwälder in Südostasien oder auch in Südamerika." Es gehe nicht nur um die Erhöhung, sondern generell um die Beimischungsquote. "Das ist eine verkehrte Verkehrs- und eine verkehrte Umweltpolitik", sagte Hissting.
Kritik an den Plänen des Umweltministeriums kam auch von der FDP. Er reagierte auf einen Bericht des ZDF-Magazins "Frontal21", demnach die Fahrzeughersteller Angaben zur E10-Tauglichkeit ihrer Fahrzeuge nur "ohne Gewähr" geben. Der FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring sagte, die Beimischungspflicht dürfe es nur geben, "wenn die Fahrzeughersteller ganz klare Garantien abgeben und die Zahl der Fahrzeuge, die für den neuen Kraftstoff nicht geeignet sind, in halbwegs erträglichen Grenzen bleibt".
ddp
