Sommerpause in den deutschen Theatern. Doch auf den Brettern, die die Welt bedeuten haben Handwerker jetzt Hochsaison. Damit die Bühnenstars auch im Herbst wieder übers Parkett gleiten können, sorgen Schreiner und Bodenleger nun für Ausbesserungen. Vom finnischen Nationaltheater bis zu den Bayreuther Festspielen hat das baden-württembergische Unternehmen Bühnenbau Wertheim schon viele Bühnen bearbeitet.

Das schrille Geräusch einer Säge erfüllt die Halle. Männer mit Ohrenschützern eilen zwischen aufgestapelten Holzlatten umher. Es ist Sommeranfang, Hochsaison bei Bühnenbau Wertheim. Der 30-Mann-Betrieb aus Wertheim bei Würzburg stattet vor allem Bühnen in Europa aus, die Wert auf Langlebigkeit legen. Denn der Belag muss beim Umbau des Bühnenbildes viel aushalten. "Er ist nicht nur als Fußboden da, sondern er dient dem Bühnentechniker als Werkbank", sagt Geschäftsführer Kai-Uwe Patz. Trotzdem bestehen seine Böden bis zu zehn Jahre.

Dreischicht-Prinzip für Stabilität
Dafür verlegt Patz fast nur noch Dreischicht-Platten, statt Dielen. "Wenn Sie über eine Diele mit einem Stapler fahren, bricht die weg", sagt Patz. Dagegen hielten die Dreischicht-Platten punktuell Lasten bis zu einer Tonne aus. Der Vorteil der drei unterschiedlich dichten Schichten Holz, sei auch die größere Materialausbeute.
Nur das dichteste Holz verwenden die Schreiner und Bodenleger für die oberste Schicht. Darunter kommen Sperrholzplatten.
In der eigenen Fertigung der Platten verwendet Bühnenbau Wertheim die Holzarten Oregon von der nordamerikanischen Westküste und Pitch Pine aus Honduras. Denn die Baumstämme müssen nicht nur robust, sondern auch lang und astfrei sein.

Nach dem Fällen wird das Holz erhitzt, damit keine Schädlinge eingeschleppt werden. In Wertheim angekommen legen die Handwerker es zunächst an die Luft und anschließend in eine Kammer zum Trocknen.
Danach machen sich die Mitarbeiter an die computergestützte Qualitätsmessung: Die Dichte der Hölzer entscheidet, ob sie als Oberflächenmaterial verwendet werden können oder nur für eine der unteren beiden Schichten geeignet sind. Wie der Bühnenbauer arbeitet zeigt der Imagefilm des Unternehmens.
Der Boden wird nicht weggespart
Mit den Böden hat Bühnenbau Wertheim ein relativ krisensicheres Geschäft. Denn auch wenn bei den klammen öffentlichen Haushalten an der Kultur gespart wird, die Bühnen müssen in Stand gehalten werden. "Sie können notfalls die Technik weglassen, die Podien weglassen, aber den Boden brauchen sie letztendlich", sagt Patz, der einen Umsatz von knapp vier Millionen Euro pro Jahr erwirtschaftet. Der 46-Jährige führt den Betrieb gemeinsam mit seinem 73-jährigen Vater Hermann Patz.
Hermann Patz gründete das Unternehmen 1984, nachdem sein früherer Arbeitgeber, ein Spezialist für Innenausbau mit Holz in Konkurs ging. Heute fertigt das Unternehmen neben Bühnen auch Konzertmuscheln, Deckensegel und weitere Holzartikel wie Schminktische. cg/dapd