Der Staat schützt die Marktwirtschaft auch durch seine Zuversicht
Von Roman Leuthner
Hochkonjunktur für Schwarzmaler
Wenn die These Ludwig Erhards richtig ist, dass sich „gut die Hälfte“ der Wirtschaft nach den Grundsätzen der Psychologie und nicht nach den Prinzipien der Ökonomie richtet – und die vergangenen Jahrzehnte deuten darauf hin, dass die These richtig ist –, dann war die öffentliche Debatte der vergangenen Wochen über den zu erwartenden konjunkturellen Abschwung im kommenden Jahr pures Gift für die Wirtschaft. Wir können die Augen nicht davor verschließen, dass Deutschland in eine Rezession schlittert, das ist klar. Minus zwei Prozent: So lautet die Vorhersage des aktuellen Jahreswirtschaftsberichts.
Zuvor jedoch hatten sich verschiedene Wirtschaftsforschungsinstitute in einem unheilvollen Wettbewerb um die jeweils düsterste Prophezeiung überboten, und man konnte sich manchmal nicht des Verdachts erwehren, dass Kaffeesatz und Glaskugeln wissenschaftliche Grundlagen ersetzten. Dieselben übrigens, die noch Anfang bis Mitte des Jahres daran zweifelten, dass die Finanzkrise überhaupt auf die Realwirtschaft durchschlagen werde, schraubten ihre Vorhersagen jeweils noch eine weitere Drehung pessimistischer nach oben.
Die Bundesregierung hingegen blieb lange Zeit bei ihrer bescheidenen Wachstumsprognose von 0,2 Prozent für 2009. Mehr noch: Sie hielt hartnäckig daran fest, selbst als lange zu vermuten war, dass der deutschen Wirtschaft weit größeres Ungemach droht. Daran hat sie richtig getan, da es fatal gewesen wäre, wenn auch sie sich am Wettbewerb der Schwarzmaler beteiligt und Unternehmen und Bürger zusätzlich verunsichert hätte.
Ludwig Erhard, mit Alfred Müller-Armack einer der Begründer der freien und sozialen Marktwirtschaft, gehörte zu den „Ordoliberalen“, die davon überzeugt waren, dass das marktwirtschaftliche System vom Staat geschützt werden müsse. Ein Rahmen sei nötig, innerhalb dessen sich die Wirtschaft frei entfalten könne, so wie die Politik innerhalb des demokratischen Systems. Für die Stabilität dieses Rahmens jedoch sei der Staat verantwortlich. Genau diese Einsicht ist 2009 wieder erforderlich.