Reise Spezail: Südtirol Hoch gewandert und eingekehrt

Bei Wanderungen im Villnösstal finden Besucher glitzernde Geheimnisse und seltene Schafe. In der bäuerlich geprägten Tradition haben Volksfeste ihren festen Platz.

Christina Geimer

Im Villnösstal blickt der Wanderer auf die Geisler Gruppe. - © Clemens Zahn/Südtirol Marketing

Die Spitzen der Geisler-Gruppe ragen hoch in den Himmel über den sanften Almwiesen im Südtiroler Villnösstal. Ein idealer Ausgangspunkt für eine sportliche Wanderung. Hier bietet sich St. Magdalena an, "das letzte Dorf im Villnösser Tal".

Einsteiger finden im Fitnesspark von St. Magdalena vier Nordic-Walking-Trails und zwei Laufstrecken mit einem Leitsystem. Auf dem drei Kilometer langen Panoramawanderweg haben Besucher schon auf kurzer Wegstrecke schöne Ausblicke.

Das Tal aus dem Reinhold Messner stammt

Die Region bietet leichte und anspruchsvolle Wanderwege und Kletterrouten. Der Wanderer wird hier nicht überfordert – auch wenn der Bergsteiger Reinhold Messner übrigens aus dem Tal stammt.

Auf den Spuren der bäuerlichen Tradition können Besucher über einen gepflasterten Steinweg vom Zentrum des nächsten Ortes St. Peter aus loswandern. Erstes Ziel der dreieinhalbstündigen Tour ist der Keller des Gsoihof, der 1288 erstmals urkundlich erwähnt wurde. In der Winterzeit bahrten die Bauern ihre Toten im Gsoier-Keller auf, bis der Weg zum Friedhof in Albeins wieder begehbar wurde. Der Keller ist heute noch so wie vor Hunderten Jahren. Vorbei am Biotop Veltierer Zente führt die Route zum Feldthunhof auf 1.564 Meter Höhe. Ein Teil des Wohnturmes stammt aus dem 15. Jahrhundert.

An der Westfassade ist ein Fresko mit den heiligen Johannes von Nepomuk, Florian und Antonius von Padua erhalten. Der Rundweg führt zum Schluss noch über den Sunnseitenweg zum Bildstock auf 1.266 Meter.

Der "Wanderbus" fährt

Für längere Wanderungen können sich ortsunkundige Besucher auch einer geführten Tour oder dem wöchentlich zu verschiedenen Startpunkten fahrenden Wanderbus anschließen.

Nach einer langen Wanderung kann der Sonnenuntergang zum Beispiel von der Gampenalm aus beobachtet werden. Auch im Dunkeln ist noch eine Rückkehr zum Parkplatz an der Zanser Alm in der Nähe von St. Magdalena möglich. Wanderer begegnen auf ihrem Weg vielleicht auch einem Tier mit dicken schwarzen Augenringen: das Villnösser Brillenschaf. Es hat charakteristische schwarze Farbzeichnungen um Augen und Ohren. Seit vier Jahrtausenden ist diese Schafrasse hier auf den Almen zu Hause und wird auch heute noch gezüchtet. Die Verarbeitung der Schafwolle nach traditioneller Handwerkskunst kann zum Beispiel beim Betrieb Naturwoll in Villnöss besichtigt werden. Das Fleisch des Lamms ist nicht die einzige kulinarische Spezialität.

Ran an den Speck

Leicht geräuchert und an der Luft gereift ist der Südtiroler Speck die Verbindung von der nördlichen und südlichen Konservierungsmethode. Die Südtiroler Fleischer lassen den Speck – nach der Metzger-Ordnung anno 1200 – reifen wie den Rohschinken im Mittelmeerraum und sie räuchern ihn, wie es in Nordeuropa üblich ist. Beim Südtiroler Speckfest in Villnöss Ende September wird diese Tradition mit einem Bauernmarkt und Volksmusik gefeiert.

Tiefer in die Schätze der Bergwelt können Besucher im Mineralienmuseum Teis, rund 18 Kilometer von St. Magdalena eintauchen. Der einheimische Mineraliensammler Paul Fischnaller hat seine Fundstücke in dem Museum ausgestellt. Die „Teiser Kugeln“ sind hohle Mineralien mit lilafarbenen Amethysteinschlüssen.

Zu sehen sind nicht nur glänzende Funde aus der Mineralienfundstelle in Teis, sondern auch aus anderen alpinen Regionen wie der Schweiz, dem Aostatal und dem Mont-Blanc-Gebiet.

Informationen zu Wanderungen in der Region bieten folgende Stellen:

Auch kulturell bietet Südtirol einige Spezialitäten:

  • Ein vom Aussterben bedrohtes Tier ist das Vilnösser Brillenschaf. Die Wolle wird in der Region nach traditioneller Handwerkskunst verarbeitet: villnoesser-brillenschaf.eu und naturwoll.com

  • Neben Schaffleisch ist der Speck eine Spezialität nach ungewöhnlicher Zubereitung: speckfest.it

  • Eine Einführung in den Mineralienschatz der Gebirge zeigt Dienstag bis Freitag von 10:00 bis 12:00 Uhr und 14:00 bis 16:00 Uhr: mineralienmuseum-teis.it