Eigentlich bleibt zwischen den steilen Berghängen und dem Seeufer viel zu wenig Platz für eine Siedlung. Gerade aus dieser Enge aber bezieht Hallstatt im Salzkammergut seine Anziehungskraft als Urlaubsidyll. Hallstatt im Salzkammergut hat mehr zu bieten als seine idyllische Lage. Von Ulrich Steudel
Hinter der Postkartenromantik
Wer mit dem Auto in den historischen Ortskern fahren will, findet sich vor einer geschlossenen Schranke wieder. Vor allem im Sommer wird der zum Weltkulturerbe zählende Ort von derart vielen Touristen bevölkert, dass in den schmalen Straßen Durchgangsverkehr unmöglich wird. Nur für das Ausladen des Gepäcks am Hotel öffnet sich kurz die Barriere, um im Schritttempo der vielen Tagesgäste das Domizil und danach einen Parkplatz außerhalb der gesperrten Zone anzusteuern.
Eintauchen in die Hallstattzeit
Dass Hallstatt zwischen Mai und Oktober mehr als 400.000 Tagesgäste zählt, aber nur 60.000 Nächtigungen, bleibt vor allem dem an Geschichte interessierten Besucher unverständlich. Denn wer seine Augen nicht nur auf die Postkartenromantik konzentriert, stößt auf die Spuren einer 7.000-jährigen Besiedelungsgeschichte, die zu erkunden mit einem Tagesbesuch bei Weitem nicht ausreicht.
Immerhin hat Hallstatt der älteren Eisenzeit (800 bis 500 v. Chr.) seinen Namen gegeben. Der Begriff der Hallstattzeit geht auf das Gräberfeld am Salzberg oberhalb des Ortes zurück, das Mitte des 19. Jahrhunderts vom Bergmeister Johann Georg Ramsauer entdeckt und erforscht wurde.
Und wer besonderes Glück hat, der wird wie zur prähistorischen Führung am 6. August Zeuge eines "wahrhaft sensationellen Fundes“, wie die Archäologen vom Naturhistorischen Museum Wien ihre diesjährige Entdeckung bejubeln. Nur wenige Meter vom Eingang des Besucherbergwerks entfernt haben junge Wissenschaftler das Skelett eines älteren Mannes freigelegt, an dessen Kopf und Füßen Reste von Bärenkrallen gefunden wurden.
Als bedeutsameren Fund sehen die Archäologen freilich eine der Grabbeigaben. Ein solches Schöpfgefäß aus Bronze mit einem Henkel in Form einer Rinderfigur und eines Kälbchens war schon vor 158 Jahren von Ramsauer gefunden worden und galt seither als Unikat und eines der außergewöhnlichsten Gefäße der Hallstattkultur.
Archäologie im Sportgeschäft
In die Vergangenheit eintauchen kann der Gast aber auch in Hallstatt selbst. Im Keller des Sportgeschäftes Janu lässt sich die Geschichte des Ortes von der Jungsteinzeit (5000 bis 2000 v. Chr.) bis in die Neuzeit verfolgen. Eigentlich wollte Fritz Janu 1988 nur einen neun Quadratmeter großen Heizungsraum bauen.
Doch daraus entwickelte sich eine historische Ausgrabung von 300 Quadratmeter, bei der Archäologiestudenten der Universität Wien und die Familie Janu tausende Fundstücke sichergestellt haben – die ältesten Keramikscherben werden der Vasi-a-bocca-quadrata-Kultur aus dem 5. Jahrtausend v. Chr. zugeschrieben.
Musealer Unterbau
Aber auch Kelten, Römer und Habsburger haben hier ihre Spuren hinterlassen. "Es war meine Neugier, durch die meine Familie und ich nach den ersten Funden in dieses damals nicht abschätzbare Abenteuer hineingeschlittert sind“, sagt Fritz Janu, der bis auf die wissenschaftlichen Arbeiten die Grabung selbst finanziert und später kostenlos der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.
Inzwischen hat der museale Unterbau des Sportgeschäftes sogar einen Platz in den verschiedensprachigsten Austria-Reiseführern dieser Welt erobert und die vielen Besucher aus Asien oder Amerika können eine Etage höher nicht nur ihre Bergsportausrüstung vervollständigen, sondern auch schöne Postkarten vom romantischen Hallstatt erwerben, die von Familie Janu im Eigenverlag produziert werden.
Weitere Informationen unter hallstatt.at , salzwelten.at , dachsteinsport.at