Müllerin, Meisterin, Mehlkönigin Hier schleppt die Königin die Mehlsäcke noch selbst

Ob Krone oder Mehlstaub: Luisa Winkler packt an. Die amtierende Mehlkönigin schultert in der traditionsreichen Familienmühle ebenso selbstverständlich Mehlsäcke, wie sie das Müllerhandwerk auf großen Messen repräsentiert.

Müllerin Luisa Winkler
Luisa Winkler, Mehlkönigin und Müllermeisterin der Winklermühle, liebt an ihrem Beruf auch, dass sie jeden Tag sehen, riechen und vor allem anfassen kann, was sie leistet. Foto: Handwerkskammer für Mittelfranken - © Handwerkskammer für Mittelfranken

Man muss keinen Hofknicks machen und eine Verbeugung verlangt sie auch nicht, wenn man sie trifft: Königin Luisa I. Die 24-Jährige ist eine nahbare Königin. Genauer gesagt: eine Mehlkönigin. "Aus Spaß mache ich aber manchmal das königliche Winken, wenn ich vorbeilaufe", verrät die Müllermeisterin lachend. Im Oktober 2025 wurde sie von ihrem Landesverband zur Mehlkönigin für zwei Jahre gekrönt. Jetzt darf sie Krone und Schärpe tragen und dieses wichtige Lebensmittel auf Veranstaltungen, wie zum Beispiel der Consumenta oder der Grünen Woche in Berlin, nach außen vertreten.

Geschichte der Familienmühle reicht weit zurück

Tatsächlich hat der Alltag von Luisa Winkler in ihrer Mühle zwar viel Erhebendes, aber wenig Königliches. "Hier schleppt die Königin die Säcke noch selbst", scherzt sie – auch, wenn Papa Stefan manchmal versucht, dazwischenzugehen: "Das ist zu schwer für dich, Lui", sagt er. Doch sie winkt ab: "Ich liebe das Absacken. Da lasse ich mich nicht bremsen. Für mich gehört das einfach zu meinem Beruf dazu. "

Und den liebt sie. Genau wie ihre Familienmühle, deren erste urkundliche Erwähnung auf das Jahr 1316 zurückgeht. Dieser langen Geschichte ist sie sich bewusst, auch wenn die Familie Winkler selbst die Mühle erst 1920 übernommen hat. Heute drehen sich dort auch keine schweren Mühlsteine mehr gegeneinander. Stattdessen brechen und zerreiben rotierende Walzen das Korn, das dann mit Luftströmen in Metallrohren von einem Verarbeitungsschritt zum nächsten transportiert wird.

Leiser als im Mittelalter geht es deswegen aber nicht zu. Wummernd flitzen die Riemen über die Räder und treiben die Walzen an, auf denen klappernd das Korn springt. Die Luft dröhnt in den Rohren und in der Sonne glitzert der umherfliegende Staub. Will man reden, muss man rufen. Doch hier weiß ohnehin jeder, was zu tun ist.

Produktion wie vor 80 Jahren

Und auch außerhalb der Produktionsräume herrscht reger Betrieb: Im Hof parken zahlreiche Autos. Ihre Fahrerinnen und Fahrer flanieren durch den großen Hofladen oder sitzen im Café und werfen durch die gläsernen Scheiben einen Blick auf die brummende Mühle, in deren Verästelungen das Mehl verschiedener Mahlgrade von einem Verarbeitungsschritt zum nächsten saust.

Luisa Winkler beim Absacken
"Ich liebe das Absacken. Da lasse ich mich nicht bremsen," erzählt Luisa Winkler beim Sackwechsel des Filtermehls. - © Handwerkskammer für Mittelfranken

Den Blicken der sich unterhaltenden Café-Gästen entzogen, ruckelt im ersten Stock ein riesiger Kasten. In ihm befinden sich Dutzende kleine Siebe unterschiedlicher Bespannung, die das Mehl sieben und erst, wenn es ganz fein ist, zur Absack-Station weiterleiten, wo es von Luisa Winkler schon erwartet wird – unter den skeptischen Blicken von Papa Stefan.

Handarbeit statt Hightech

Zwischendrin läuft die 24-Jährige immer mal wieder durch die Mühle und kontrolliert, ob zum Beispiel "kein Strang abgesoffen ist" – also die Luft mal irgendwo ausgefallen ist und es zum Stau kommt. "Unsere Mühle ist aus den 40er-Jahren. Wir steuern die Produktion nicht über den Laptop oder das Handy. Ich sehe, wo das Korn reingeht, wo es langläuft und wo das Mehl rauskommt. Und wenn etwas kaputt ist, öffne ich die Klappe und lange rein und repariere es selbst", berichtet die Müllerin. Das ist genau das, was sie mag. "Wir sind eine Handwerksmühle und ich fühle, höre, sehe und rieche, was ich arbeite."

Zur Qualitätsprüfung geht es ins Labor

Fünf Getreidesorten werden in der Winklermühle in Gustenfelden angenommen: Emmer, Dinkel, Weizen, Roggen und Hafer. "Die Bauern kommen mit dem Traktor und dem Kippanhänger auf den Hof", berichtet Luisa Winkler. Ihre Familie nimmt auch kleine Mengen ab: "Aus der Region, für die Region" lautet das Motto. Man kennt sich persönlich und unterhält sich auch gerne, während das Getreide vom Hänger rieselt.

Doch es landet nicht gleich in einem der 26 Silos der Winklermühle. Denn die Müllerin muss nicht nur wissen, ob sie Weizen oder Dinkel vor sich hat, sondern auch, welche Qualität das Korn hat. Das findet sie im Labor heraus. Dort untersucht sie das Getreide auf Fallzahl, Protein und Sedi. "Da sind dann auch mal Reagenzgläser im Spiel", scherzt sie.

Mehlkönigin Luisa Winkler im königlichen Gewand
In ihrem königlichen Gewand ist Luisa selten in der Mühle, sondern eher auf Messen oder Ähnlichen anzutreffen. - © Bayerischer Müllerbund e.V.

Dann wird es in eine Qualitätsstufe eingeteilt. "Wir nehmen Qualitätsweizen der Kategorien E, A und B oder Futterweizen." E beispielsweise steht für Elite. Eliteweizen zeichnet sich durch einen sehr hohen Rohproteingehalt (mindestens 14 Prozent), einen hohen Sedimentationswert (nicht unter 50 ml) und eine hohe Fallzahl (nicht unter 250 s) aus. "Diese Qualität erreichen aber nur wenige Lieferungen. In die Mühle kommt der Weizen generell erst ab 11 Prozent Proteingehalt." 14 verschiedene Typenmehle hat die Winklermühle im Angebot, die dann an Endverbraucher und Supermärkte verkauft werden.

Nicht nur Beruf, sondern große Leidenschaft

Wenn Luisa Winkler von ihrer täglichen Arbeit berichtet, leuchten ihre Augen. Fragt man sie, was sie an ihrem Beruf besonders liebt, kann sie sich gar nicht entscheiden. "Es ist einfach alles", schwärmt sie. Vor allem die Sinnhaftigkeit, die ihrer täglichen Arbeit Bedeutung gibt, schätzt sie: "Ich stelle ein wichtiges Lebensmittel her. Ohne Müller gäbe es keine Pizza, keinen Griesbrei, kein Brot." Sie mag es, mit einem Naturprodukt zu arbeiten: "Schon, wenn der Bauer das Korn bringt, fasse ich es an und weiß, was ich daraus machen möchte. Und dann begleite ich es auf allen Schritten, bis es uns letztendlich als Mehl in der Tüte wieder verlässt. Außerdem mag ich es, mit den Erzeugern, die ich oft schon seit meiner Kindheit kenne, oder mit den Kunden zu reden." Und last, but not least: "Wir sind eine Familienmühle. Ich habe mich für diesen Beruf entschieden, weil ich die Tradition meiner Eltern fortführen möchte. Deshalb gebe ich jeden Tag mein Bestes." Sie überlegt ein wenig und setzt dann nach: "Es ist irgendwie auch meins. Ich identifiziere mich damit und weiß, wofür ich arbeite. Wenn ich über den Hof gehe, dann bin ich Luisa Winkler von der Winklermühle." Und das ist doch auch ein schöner Titel: Luisa I. von Winkler, Königin des Mehls und Müllermeisterin der Winklermühle.