Seit September ist Daniel Föst neuer Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima. Im Gespräch mit der Deutschen Handwerks Zeitung erklärt der frühere Bundestagsabgeordnete, warum die Heizungsgesetz-Debatte so katastrophal verlief, was sich in Berlin ändern muss und warum die Branche vor einem Umbruch steht.
Herr Föst, Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Bundesbauministerin Verena Hubertz hatten ihren Besuch bei der Deutschen Wärmekonferenz kurzfristig abgesagt. Wie kam das bei Ihnen an?
Daniel Föst: Ich muss offen sagen: Das war eine herbe Enttäuschung. Die gesamte Branche war versammelt, die Wärmekonferenz bis auf den letzten Platz ausverkauft. Und wir brauchen Antworten. Deswegen war die Erwartung sehr hoch an die beiden Ministerinnen. Beide haben abgesagt. Frau Reiche noch etwas kurzfristiger. Das hat tatsächlich zu viel Gesprächsstoff auf der Konferenz geführt. Wenn sich diese Hängepartie fortsetzt beim Heizungsgesetz, wird aus schlechter Stimmung schlechter Umsatz und wir verlieren Arbeitsplätze und Produktivität.
Es geht um die Energiepreise, es geht um die Frage der Energieversorgung insgesamt, es geht um die Wärmewende. All diese Fragen sind ja ungeheuer wichtig. Unterschätzt die Politik immer noch die Bedeutung der Branche?
Wegen der Erfahrungen, die die Ampel mit diesem Thema gemacht hat, ist die Politik zurückhaltend. Ich vermute, in der Politik wird das nicht als Gewinnerthema wahrgenommen. Ich habe deutlich gemacht: Hier geht es nicht nur um Klimaschutz, zu dessen Zielen wir uns ohne Zweifel bekennen, sondern auch um eine extrem relevante wirtschaftliche Kraft. Hier geht es um Arbeitsplätze, Milliardenumsätze, 10.000 Kundenkontakte jeden Tag. Auch wenn man beim Heizungsgesetz vorsichtig ist, muss man trotzdem anerkennen, dass es ein wirtschaftlich relevantes Thema ist. Bei den Schwierigkeiten, in denen die deutsche Industrie steckt und bei den Themen, die das Handwerk bewegen, habe ich das Gefühl, dass in der Politik noch nicht angekommen ist, dass es Spitz auf Knopf steht. Wenn nicht bald etwas geschieht, werden wir Kapazitäten abbauen, konkret heißt das: Entlassungen. Im Handwerk zwar weniger als in der Industrie, aber auch im Handwerk trübt sich die Situation massiv ein.
Kann es sein, dass die Politik im Wärmemarkt und in der Energieversorgung so etwas wie einen kleinen Paradigmenwechsel zur Ampel vollzogen hat, wieder zurück zu fossilen Brennstoffen und weg vom Thema Klimaschutz?
Definitiv ist das Klimathema nach hinten gerutscht. Das muss man einfach so feststellen. Das war auch Teil des Wahlkampfes. Anstatt den Kampf gegen den Klimawandel mit den Bürgern weiterzuführen, duckt man sich weg und bremst eher bei dem Thema. Das hat inzwischen eine konjunkturell problematische Komponente. Zusätzlich stellt sich die Frage, ob wir die Ziele überhaupt noch erreichen.
"Diese endlose Hängepartie und dieses Reingequake von populistischer Seite, dass das jetzt alles abgeschafft werden muss, das hilft nicht."
Sie haben ein Forderungspapier an Staatssekretär Stefan Rouenhoff übergeben. Darin steht unter anderem: Klarheit schaffen, Modernisierung beleben, Förderung sichern, Energiepreise stabilisieren und strategische Ausrichtung festlegen. Wie optimistisch sind Sie, dass dieses Forderungspapier die richtigen Personen erreicht und letztendlich auch etwas passiert.
Wir drücken das Papier in Berlin jedem in die Hand, um nochmal deutlich zu machen, wie dringend es ist, dass wir Klarheit brauchen. Es ist für die Branche okay, wenn die Politik Prioritäten festlegt: erst Autogipfel, dann Bürgergeld, dann Investitionsturbo und am Ende Heizungsgesetz. So ein Zeitplan würde ja schon helfen. Aber diese endlose Hängepartie und dieses Reingequake von populistischer Seite, dass das jetzt alles abgeschafft werden muss, das hilft nicht. Das verunsichert die Kundinnen und Kunden, das verunsichert die Unternehmerinnen und Unternehmer und es hilft weder gegen den Klimawandel noch hilft es dem Wirtschaftsstandort Deutschland.
Sie sind seit Anfang September Hauptgeschäftsführer beim ZVSHK. Was muss man über Sie wissen?
Ich bin kurz vor 50, verheiratet, zwei Kinder, lebe in München. Bevor ich Hauptgeschäftsführer des ZVSHK wurde, war ich siebeneinhalb Jahre im Bundestag. Davor war ich selbstständig in der Kommunikationsbranche.
Wie waren die ersten Wochen beim Verband für Sie?
Mit den Themen bin ich durch meine Arbeit im Bundestag vertraut. Es ist interessant zu erleben, wie ausdifferenziert die Branche ist, wie vielschichtig, wie viele Themen es gibt und tatsächlich auch, wie viele Themen und Aufgaben der Zentralverband bearbeitet.
"Was ich wirklich wertschätzen gelernt habe, ist die unaufgeregte, praxisorientierte, pragmatische Art des Zentralverbands."
Als Journalist oder Politiker steht man ja immer ein bisschen im Gegensatz zur Praxis. Was hat Sie denn mit dem SHK-Handwerk überhaupt verbunden?
Ich halte es tatsächlich für ein Problem, dass die Politik sich immer mehr einkapselt. Da muss man konsequent gegenhalten. Ich habe für meine Fraktion die Themen Bauen und Wohnen betreut und dadurch auch die Gebäudeenergie. So ist der Kontakt zum Zentralverband entstanden, zum Beispiel über das epochal gescheiterte Heizungsgesetz, aber auch über die Frage, wie wir unseren Gebäudebestand zukunftssicher und demografiefest machen, Stichwort Pflegebad.
Wie haben Sie den ZVSHK in der Lobbyarbeit wahrgenommen, als Sie noch in der Politik waren?
Was ich wirklich wertschätzen gelernt habe, ist die unaufgeregte, praxisorientierte, pragmatische Art. Der Zentralverband war immer sachlich und immer am Thema orientiert. Der Verband hat auch immer für die Verbraucher und die Kunden gesprochen. Das war tatsächlich sehr angenehm. Als Abgeordneter habe ich verstanden: Die großen Herausforderungen in unserem Land – Kampf gegen den Klimawandel, demografischer Wandel, altersgerechtes Wohnen – werden wir ohne das SHK-Handwerk nicht bewältigen.
Wie möchten Sie Ihre Aufgabe als Hauptgeschäftsführer anlegen?
Zwei Prämissen sind mir wichtig: Die politische Arbeit ist nur ein kleiner Teil meiner Aufgabe beim ZVSHK. Der Zentralverband hat viele Aufgaben – zum Beispiel Berufsbildung, Messe, verschiedene Gewerke, Normung. Und der zweite wichtige Punkt: Ich habe das Gefühl, dass die SHK-Branche vor einem Umbruch steht. Durch den Technologiewechsel in der Heizung, aber auch durch neue Herausforderungen im Sanitärbereich sehen wir tatsächlich eine Konsolidierung und neue Strukturen. Das Wichtigste, was der Verband leisten muss, ist, diesen Strukturwandel zu begleiten. Wir wollen es für Innungsmitglieder einfacher machen, erfolgreicher SHK-Unternehmer zu sein.
"Die Diskussion um das Heizungsgesetz war eine Katastrophe. Inhaltlich war das Gesetz richtig."
Wie würden Sie die wirtschaftliche Lage der Branche einschätzen?
Wenn man sich anschaut, wie viele Heizungen in den letzten Monaten saniert oder verbaut wurden, dann ist es kein gutes Jahr. Vor allem, wenn man nicht nur das Betriebswirtschaftliche betrachtet, sondern auch die große Aufgabe im Kampf gegen den Klimawandel. Wir sind weit davon entfernt, das zu verbauen, was wir bei Heizungssystemen modernisieren müssten. Ähnliches gilt im Sanitärbereich. Der Neubau ist immer noch mau, die Sanierungsquote auf ein epochales Tief gesunken. Die Auftragslage ist nicht gut, aber noch okay. Man sieht, dass große Probleme auf die Branche zukommen. Dazu kommen neue Marktteilnehmer, große Franchise-Systeme, die sich die Rosinen herauspicken.
Wie erklären Sie sich, dass das so eingebrochen ist?
Die Diskussion um das Heizungsgesetz war eine Katastrophe. Inhaltlich war das Gesetz richtig. Aber die Art und Weise, wie man die Leute auf die Palme getrieben hat, dass sich die regierungstragenden Parteien nur noch über die Bild-Zeitung miteinander unterhalten haben – das war eine Katastrophe. Diese ganze Aufregung hat tatsächlich die Bereitschaft, gegen den Klimawandel etwas zu tun, massiv geschwächt. Und das baden wir jetzt aus.
Was wäre Ihr Wunsch?
Mir wäre es am allerliebsten, es äußert sich in der Öffentlichkeit niemand mehr. Wir setzen uns in einen Raum, völlig egal wie lang es dauert – Tage, Wochen, Monate. Und am Ende haben wir ein Gesetz, das das politische Ziel Kampf gegen den Klimawandel erfüllt, das die Bürgerinnen und Bürger nicht überfordert und von dem die Praktiker sagen: Ja, so können wir es machen.
"Es geht ja gar nicht um die Frage, welche Technologie verbaut ist. Es geht um die Frage, wie viel CO₂ in dem Brennstoff ist."
Der Wärmepumpenverband warnt davor, das Gebäudeenergiegesetz radikal zu reformieren, speziell den Paragrafen 71 zu streichen. Wie ist Ihr Standpunkt?
Die Zweifel, ob man das Heizungsgesetz aus juristischer Sicht einfach streichen kann, sind berechtigt. Da würde man wahrscheinlich gegen die europäische Gebäuderichtlinie verstoßen. Der Paragraf 71 ist extrem komplex. Wenn wir unseren Fokus auf die CO₂-Einsparung richten, könnte man das vereinfachen. Das beträfe Maßnahmen an der Hülle, Maßnahmen am Heizgerät, die digitale Steuerung.
Stichwort Technologieoffenheit. Ist es sinnvoll, Gasbrennwert oder Hybridsysteme zu propagieren, wenn man die CO₂-Bilanz auf null fahren will?
Ich glaube, wir müssen mit der Technologie-Debatte aufhören. Wir haben beim Heizungsgesetz gemerkt, dass nur noch über die Wärmepumpe diskutiert wurde und nicht darüber, ob man CO₂ spart oder nicht. Deswegen wäre ein Fokus darauf hilfreich. Es geht ja gar nicht um die Frage, welche Technologie verbaut ist. Es geht um die Frage, wie viel CO₂ in dem Brennstoff ist. Die Debatte um die Technologie verstellt, glaube ich, die Sicht auf das eigentliche Problem. Ich kann nur jeden davon abraten, nochmal neue Öl- oder Gaskessel zu verbauen – das ist meine persönliche Meinung. Ich verstehe jeden Kunden, der sagt: Ich kenne das, es funktioniert, ich will das. Das ist vollkommen legitim. Aber es ist auch die Pflicht der Handwerker, sinnvoll zu beraten. In den nächsten 25 Jahren wird es schwierig mit Gas.
Wie möchten Sie dafür sorgen, dass die Heizungsdebatte nicht mehr so hochgekocht wird?
Wir putzen gerade Klinken, gehen von Tür zu Tür, von Abgeordneten zu Abgeordneten, von Ministerialbeauftragten zu Ministerialbeauftragten und platzieren unsere Punkte. Wir halten uns in der Öffentlichkeit noch zurück. Wenn Medien nach der Meinung des Handwerks fragen, dann bekommen sie diese natürlich. Aber wir gehen jetzt nicht nach draußen und äußern uns über die Politik.
"Wir müssen stärker digitalisieren, Prozesse automatisieren, moderne Prozesskosten aufbauen."
Hersteller verlagern zunehmend ihre Produktionen ins Ausland. Was kann man tun, damit Deutschland als Produktionsstandort wieder attraktiver wird?
Das ist die viel beschworene Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Die Arbeitskosten sind zu hoch, die Bürokratie ist zu groß, die Abgaben sind erdrückend, und bei der Frage nach Forschung und Entwicklung hält sich der Staat sehr zurück. Wir müssen die Wirtschaft aber auch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entlasten. Ich muss eine neue Heizung bezahlen können. Wenn ich nichts in der Tasche habe, weil die Inflation, Steuern, die Sozialversicherungssysteme alles wegfressen, dann fehlt das Geld. Das ist die wichtigste Aufgabe, die die Regierung hat. Es gibt Bereiche in Deutschland, da ist die Wertschöpfung wirklich am Kipppunkt.
Was können die Betriebe selbst noch tun?
Weiterbildung ist immer richtig. Vor 20 Jahren wurden so gut wie keine Wärmepumpen verbaut. Jetzt kann die Breite der SHK-Handwerker auf ganz hohem Niveau Wärmepumpen installieren. Dazwischen stehen intensive Schulungen. Persönlich denke ich, wir müssen stärker digitalisieren, Prozesse automatisieren, moderne Prozessketten aufbauen. Ein Kunde der eine Wärmepumpe, Photovoltaik und einen Speicher will, der möchte das eigentlich nicht mit unterschiedlichen Gewerken koordinieren, der will das aus einer Hand. Das ist eine Aufgabe für unser klassisches SHK-Handwerk.
Welche Strategien hat der Verband gegen den Fachkräftemangel?
Wir haben eine große Kampagne gestartet, wo wir nah an die Auszubildenden rangehen. Und es läuft ganz gut. Die Ausbildungszahlen sind stabil mit einer leichten Tendenz nach oben. Die Fort- und Weiterbildung für den Nachwuchs forcieren wir ebenfalls ganz stark. Zusätzlich haben wir zusammen mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks Projekte initiiert, die in Südamerika oder in Afrika Fachkräften Deutschkurse anbieten und dann versuchen, ihnen in Deutschland Jobangebote zu machen. Das funktioniert momentan nur überschaubar gut. An diesen drei Stellen packen wir an: Auszubildende, Weiterentwicklung des Nachwuchses sowie die Anwerbung von Fachkräften aus nichteuropäischen Ländern.
Mit Blick auf 2026 – sehen Sie einen leichten Aufschwung?
Den sehe ich nur, wenn die Politik die Hausaufgaben macht. Wenn wir Ruhe im Heizungsgesetz bekommen, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland besser werden und wenn vor allem auch die Bürgerinnen und Bürger das Gefühl haben: Wir kommen aus der Krise raus, wir investieren wieder. Die Kapazitäten wären da.
5 zentrale Forderungen
BDH und ZVSHK haben im Rahmen der Deutschen Wärmekonferenz #connectingheat am 15. Oktober in Berlin ein gemeinsames Forderungspapier an Stefan Rouenhoff, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), überreicht. Die beiden Spitzenverbände der Heizungsbranche warnen vor den Folgen der anhaltenden Marktschwäche und fordern von der Politik ein rasches und verlässliches Gegensteuern.
Das von BDH und ZVSHK übergebene Papier formuliert fünf zentrale Forderungen an die Politik:
1. Klarheit schaffen: Die Reform des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) muss zügig konkretisiert und die Vertreter von Industrie, Handel und Handwerk verbindlich eingebunden werden.
2. Modernisierung beleben: Der Einbruch am Wärmemarkt muss gestoppt und der Modernisierungstakt deutlich erhöht werden.
3. Förderung sichern: Förderprogramme müssen dauerhaft, planbar und unbürokratisch gestaltet sein, um Investitionssicherheit zu gewährleisten.
4. Energiepreise stabilisieren: Preisstabilität ist Voraussetzung für Akzeptanz und Investitionsbereitschaft.
5. Strategische Ausrichtung festlegen: Deutschland braucht eine verlässliche, technologieoffene Energieträgerstrategie für den Wärmemarkt, um langfristige Planungssicherheit zu schaffen.
