Innovativer Instrumentenbau Hessische Tübchen für den schwedischen König

Die Garde des schwedischen Königs Carl XVI. Gustaf spielt auf eigens kreierten F-Tübchen des Instrumentenbaumeisters Bernd Jestädt aus Bimbach.

Melanie Höhn

Dank Jestädt spielt das berittene Musikkorps der Garde des schwedischen Königs auf kleinen F-Tübchen mit einem Stimmzug-Trigger und zusätzlichen Halterungen. - © Foto: Lotta Ekman

Es war ein ganz besonderer Auftrag für Bernd Jestädt: Das berittene Musikkorps der Garde des schwedischen Königs bestellte bei ihm zwei F-Tübchen – eine Eigenkreation des Metallblasinstrumentenbaumeister aus Bimbach. Das Tübchen in F, eine kleinere Form der Tuba, wurde von Jestädt speziell für den Einsatz hoch zu Ross entwickelt. Denn die "mounted band of the swedish royal guards" ist eines der wenigen Orchester der Welt, die auf Pferden musizieren.

Der Instrumentenbauer entwarf dafür einen Stimmzug-Trigger, damit die Tubisten mit dem linken Daumen Töne ausgleichen können. Durch das geringe Gewicht ist es möglich, das Instrument mit nur einer Hand zu spielen. So kann die andere Hand am Zügel des Pferdes bleiben. An der Rückseite der Instrumente wurden zusätzliche Halterungen angebracht, um das F-Tübchen anschnallen zu können. Es wiegt mit 4,2 kg nur halb so viel wie eine normale Tuba, klingt aber genauso wie ihre große Schwester.

Bisherige Instrumente zu groß

"Bisher waren die Instrumente für dieses Orchester zu groß", erzählt Jestädt. "Wenn dann das Pferd einen Ausfallschritt macht, fällt der Musiker herunter. Die Schwierigkeit liegt darin, das Instrument ruhig zu halten. Aber ein Pferd kann man nicht immer einschätzen". Nach der Bestellung durch das schwedische Königshaus Anfang März 2014 hatte der kleine Betrieb nur einen Monat Zeit, um die beiden Instrumente zu bauen, die anschließend versilbert wurden.

Doch 80 Stunden sind nötig, um ein Tübchen herzustellen. Dafür kaufte und bog Jestädt die Rohteile, polierte sie und baute sie zusammen. "Für diesen Auftrag hatten wir gut zu tun", resümiert er. Doch seine beiden Mitarbeiter und er schafften es pünktlich zum ersten Wachwechsel vor dem schwedischen Königshaus in Stockholm Anfang April. Der Listenpreis für das versilberte F-Tübchen liegt bei 5.500 Euro, nicht versilbert ist es etwa 1000 Euro günstiger.

Der Kontakt zu diesem außergewöhnlichen Orchester fand auf der Musikmesse in Frankfurt statt, auf der Bernd Jestädt seit Jahren seine selbst hergestellten Instrumente ausstellt. Die Tubisten des schwedischen Königs waren auf der Suche nach einer Tuba, die voll klingt, aber auch leicht und handlich ist, da die Instrumente auf einem Pferd gespielt werden. Nach ausgiebigem Test vieler Instrumente überzeugte die Musiker das Tübchen in F des innovativen Handwerkers aus dem Fuldaer Land. Besonders das geringe Gewicht und die herausragend gute Intonation und Klangfülle wurden von den Tubisten gelobt.

Jestädt tüftelt seit Jahren

Der 47-Jährige tüftelt schon seit Jahren an neuen Instrumenten in seinem "Haus der Musik", das er mit Ehefrau Ilona führt. Für Kinder und Musikschulen baut er regelmäßig verkleinerte Instrumente, die alle in seiner 120 Quadratmeter großen Werkstatt in Bimbach hergestellt werden. Auch die F-Tübchen wurden schon an verschiedene Musiker verkauft. Die Aufträge laufen das ganze Jahr über, hauptsächlich im Bereich der Musikschulen. Vor allem mit Sonderanfertigungen hat sich Bernd Jestädt einen Namen gemacht.

"Wir entwickeln jedes Jahr ein neues Instrument", betont er. So kreierte er auch schon ein kleines Tenorhorn, ein Hörnchen oder eine Flüpete, eine Mischung aus Flügelhorn und Trompete. Im Laufe der Jahre sind bereits acht neue Jestädt-Instrumente entstanden. Durch die stetig wachsenden Nachfragen wurde die Palette der neuen Instrumente stets größer. Jestädt: "Wenn die Kunden eine besondere Stimmung wünschen, entwickele ich das passende Instrument". Ursprünglich lernte der Hobby-Dirigent Trompete, kann aber alle von ihm hergestellten Instrumente spielen. Jedes wird von ihm getestet, bevor es verkauft wird.

Der Handwerksmeister hofft, dass seine eigens kreierten F-Tübchen auch unter anderen Musikern Anklang finden. "Man muss abwarten, wie es ankommt und bekannt wird", sagt er. "Vielleicht zeigt noch die eine oder andere Musikschule Interesse". Durch diesen königlichen Auftrag könnten aber auch andere Adelshäuser auf den hessischen Instrumentenbauer aufmerksam werden. "In England gibt es auch eine berittene Garde", fügt Jestädt hinzu.