Steinmeier wirbt für Spenderausweis - 12.000 Deutsche warten auf Spenderorgan Herzenssache Organspende

Im vergangenen Jahr hat er seine Ehefrau eine Niere gespendet, nun wirbt Frank-Walter Steinmeier bundesweit für Organspenden. Zum Tag der Organspende am Samstag rief der SPD-Fraktionsvorsitzende die Bürger auf, sich einen Organspendeausweis zuzulegen. Rund 12.000 Menschen warten auf ein Spenderorgan.

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Herzenssache Organspende

Frankfurt/Main (dapd). Im vergangenen Jahr hat er seine Ehefrau eine Niere gespendet, nun wirbt Frank-Walter Steinmeier bundesweit für Organspenden. Zum Tag der Organspende am Samstag rief der SPD-Fraktionsvorsitzende die Bürger auf, sich einen Organspendeausweis zuzulegen. Rund 12.000 Menschen warten auf ein Spenderorgan.

Steinmeier hatte im August 2010 seiner Frau Elke Büdenbender eine Niere gespendet und eine mehrwöchige Auszeit von der Politik genommen. Die Aktion hatte für viel Aufmerksamkeit gesorgt, parteiübergreifend bis zur Kanzlerin hatten Politiker dem Ehepaar alles Gute gewünscht. Für ihn sei Organspende "Herzenssache", sagte der SPD-Politiker am Samstag in Frankfurt am Main bei der zentralen Veranstaltung zum Organspendetag.

Viele Menschen müssten leiden oder sterben, weil es nicht genügend Spenderorgane gibt. "Wir müssen etwas unternehmen, damit sich das ändert", forderte der SPD-Politiker. Jeder sollte sich über die Situation Gedanken machen "und sich entscheiden", sagte Steinmeier mit Blick auf die Möglichkeit, einen Organspendeausweis zu führen.

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation stehen rund 12.000 Patienten auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Täglich würden drei Menschen sterben, weil nicht rechtzeitig ein passendes Spenderorgan zur Verfügung steht. Die Stiftung hatte den Tag der Organspende unter das Motto "Richtig. Wichtig. Lebenswichtig!" gestellt.

Debatte über Transplantationsgesetz

Der Tag der Organspende hat die Diskussion über das seit 1997 geltende Transplantationsgesetz neu entfacht. Steinmeier hatte sich bereits am Freitag zuversichtlich gezeigt, dass noch in diesem Jahr ein neues Transplantationsgesetz verabschiedet werden kann. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz (CDU), forderte am Samstag: "Wir müssen das Thema weiter voranbringen."

Die Details eine Lösung sind jedoch umstritten. Unions-Bundestagsfraktionschef Volker Kauder machte sich auf "Spiegel Online" für die sogenannte Entscheidungslösung stark, die auch von Steinmeier befürwortet wird. Das Verfahren basiere auf dem Gedanken, dass jeder Mensch einmal in seinem Leben mit der Frage der Organspende konfrontiert wird, sagte Kauder. Gelegenheiten zur Stellungnahme seien Führerscheinerteilung oder die Ausstellung eines Ausweises.

Länder für Widerspruchsregelung

Als derzeitiger Vorsitzender der Länder-Gesundheitskonferenz hatte dagegen der hessische Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) am Freitag eine Initiative für eine Widerspruchsregelung angekündigt. Danach kann jeder Organspender werden, der sich vor seinem Tod nicht ausdrücklich dagegen ausgesprochen hat. Der Deutsche Ethikrat hatte bereits 2007 vorgeschlagen, das Transplantationsgesetz abzuändern und die Widerspruchsregelung einzuführen. Am Freitag hatte auch Steinmeier erklärt, dass er mit dieser Widerspruchslösung leben könnte, wie sie beispielsweise in Österreich gilt.

dapd