Nach den sich zuletzt mehrenden Anzeichen für einen moderater als erwartet ausfallenden Konjunktureinbruch in diesem Jahr, werden führende Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten ihre ursprünglichen Prognosen offenbar anheben.
Herbstgutachten erwartet wachsende Konjunkturerholung
Laut Medienberichten werde nicht nur der Absturz der Wirtschaft im laufenden Jahr glimpflicher ausfallen, sondern das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2010 auch stärker anziehen. Die "Financial Times Deutschland" schreibt, dass die Institute in dem Herbstgutachten ein BIP-Wachstum von etwa 1,3 für 2010 Prozent vorhersagen. Die Bundesregierung rechnet bislang offiziell noch mit einem Plus von 0,5 Prozent, will ihre Vorhersage aber schon am Freitag ebenfalls nach oben korrigieren.
Das Onlineportal des "Handelsblatts" berichtet unter Berufung auf Regierungskreise, dass die Institute 2010 mit einem BIP-Plus von 1,2 Prozent rechneten. Im laufenden Jahr werde die Konjunktur dagegen um 5,0 Prozent einbrechen.
Mit Blick auf die Arbeitslosenzahlen berichtet die "Rheinische Post", dass die Bundesregierung für das laufende Jahr durchschnittlich 3,46 Millionen Erwerbslose erwarte. Das wären rund 190.000 mehr als 2008. Ursprünglich sei ein Plus von 450.000 geschätzt worden. Im kommenden Jahr werde dann mit einem Anstieg der Zahl auf durchschnittlich 4,1 Millionen gerechnet, hieß es unter Berufung auf Regierungskreise weiter.
Unterdessen hat auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) seine Konjunkturerwartungen revidiert. "Die Konjunktur kommt schneller voran als gedacht", heißt es in der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage. Demnach werde die deutsche Wirtschaft 2010 wieder um 2,0 Prozent wachsen, nach einem Rückgang um 4,8 Prozent im laufenden Jahr. Im Juni hatte der Verband noch mit einem BIP-Minus von 6,0 Prozent für 2009 gerechnet. Es bestehe die Chancen "auf einen guten, endlich wieder normalen Erholungspfad einzubiegen". Allerdings stamme ein Teil des konjunkturellen Schwungs von Konjunkturpaketen. Zudem stehe er unter dem Vorbehalt der ausreichenden Finanzierung. Wachstumstreiber der deutschen Volkswirtschaft sei nach wie vor der Export, hieß es. Für die Ausfuhren prognostizierte der DIHK nach einem zweistelligen Einbruch in diesem Jahr, 2010 einen Anstieg um 5,5 Prozent. Mit Blick auf die Arbeitslosigkeit rechnet der DHIK für 2009 mit durchschnittlich 3,45 Millionen Erwerbslosen und mit im Schnitt 3,9 Millionen 2010. Die relative Stabilität des Arbeitsmarkts habe ein flächendeckendes Überschwappen der Krise auf die anderen Branchen verhindert, sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.
Unterdessen kommen weiter positive Signale auch von der Industrieproduktion in der Eurozone. Nach Angaben der EU-Statistikbehörde Eurostat legte die Produktion im August gegenüber dem Vormonat um saisonbereinigt 0,9 Prozent zu und lag damit aber um 15,4 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats.
Jürgen Wutschke/ddp
