Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Irlands durch die Ratingagentur Moody's hat die Märkte am Mittwoch nicht weiter beunruhigt. Die EU-Kommission kritisierte den Schritt. Die Zinsen für italienische und andere Euro-Staatsanleihen gingen leicht zurück. Die irischen Zinsen jedoch zogen an.
Herabstufung Irlands regt die Märkte nicht weiter auf
Berlin (dapd). Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Irlands durch die Ratingagentur Moody's hat die Märkte am Mittwoch nicht weiter beunruhigt. Die EU-Kommission kritisierte den Schritt. Die Zinsen für italienische und andere Euro-Staatsanleihen gingen leicht zurück. Die irischen Zinsen jedoch zogen an.
Moody's hatte die Kreditwürdigkeit Irlands am Dienstagabend auf Ramschstatus heruntergestuft. Grund für die Entscheidung seien wachsende Bedenken, dass das hoch verschuldete Land ein zweites Rettungspaket benötigen könnte, hieß es. Die Bonität Irlands wurde von Baa3 auf Ba1 gesenkt. Ähnlich hatte Moody's vergangene Woche zu Portugal entschieden.
Ein außerplanmäßiges Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs zur Schuldenkrise am Freitag steht derzeit nach Angaben der Bundesregierung nicht zur Debatte, wie die stellvertretende Regierungssprecherin Sabine Heimbach in Berlin sagte. Die Entscheidung darüber liege allerdings bei Ratspräsident Herman Van Rompuy. Am Dienstag hatte es Spekulationen darüber gegeben, nachdem auch Italien ins Visier der Finanzmärkte geraten war.
Aktien und Euro starten moderat
Der deutsche Aktienmarkt startete am Mittwoch moderat. Der DAX notierte kurz nach Handelsbeginn leicht unter dem Niveau des Vortags, zeigte aber kurz darauf wieder nach oben. Am Nachmittag notierte er knapp unter 7.200 Punkten. Am Dienstag war der Leitindex aus Sorge um die Zukunft Italiens zeitweise unter 7.000 Zähler gerutscht.
Kaum verändert zeigte sich der Euro. Die Gemeinschaftswährung pendelte oberhalb von 1,40 Dollar. Händler sahen darin Zeichen einer Stabilisierung. Ein Händler sagte, der Markt interpretiere Abstufungen von EU-Ländern daher immer mehr als Machtkampf ohne wirklichen Mehrwert für Anleihe-Investoren oder Devisen-Händler.
Die Lage an den italienischen Märkten beruhigte sich nach den Bekenntnissen zu verstärkten Sparanstrengungen der Regierung in Rom. Nach Handelsbeginn legte die Börse in Mailand um 1,4 Prozent auf 18.765 Punkte zu. Der Zins für zehnjährige Anleihen fiel auf 5,45 Prozent, nachdem er tags zuvor auf sechs Prozent gestiegen war.
Schäuble spricht von Erfolgsgeschichte
Trotz der Probleme ist die gemeinsame Währung nach Überzeugung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble eine "Erfolgsgeschichte". "Er hat den schwächeren Ländern wie Griechenland ungeheuer viel Fortschritt in den letzten Jahren gebracht, und den starken Ländern wie Deutschland nutzt er ohnedies", sagte der CDU-Politiker in den ARD-"Tagesthemen".
Commerzbank-Vorstandschef Martin Blessing warb weiter für eine rasche Umschuldung Griechenlands. "Unsicherheit und Misstrauen unter den Anlegern haben sich in den vergangenen Tagen verschärft, deshalb muss eine andere Lösung für Griechenland her, als immer neue Kreditpakete zu schnüren", sagte Blessing der "Bild"-Zeitung. "Griechenland muss einen Teil seiner Schulden abstreifen. Anders kommt das Land nicht auf die Beine."
Bundesbankpräsident Jens Weidmann sagte der "Zeit", Europa müsse auf eine Staatspleite Griechenlands vorbereitet sein. "Die Politik muss einen Plan haben, wie sich bei einem Scheitern des griechischen Programms die drohenden Ansteckungseffekte eindämmen lassen", sagte Weidmann.
Ein Sprecher Schäubles sagte, eine Arbeitsgruppe werde Vorschläge bis Mitte September vorlegen. Dann solle das neue Griechenland-Programm auf den Weg gebracht werden. "Denkverbote" dürfe es nicht geben. Nach dem Instrumentarium des Euro-Rettungsschirms sei es bereits jetzt möglich, dass ein Staat Geld bekomme, um einen Teil seiner Staatsschulden zurückzukaufen.
dapd
