Um den Umstieg auf umweltgerechte Antriebe voranzutreiben, kann sich Bundesumweltministerin Barbara Hendricks eine Abwrackprämie für Autos mit Benzin- und Dieselmotoren vorstellen.

Der Klimatschutzplan 2050 sieht vor, dass in spätestens 35 Jahren in Deutschland kein Öl, keine Kohle und kein Gas mehr verbrannt werden. Die Bundesregierung plant deshalb die fast völlige Verbannung aller fossilen Brennstoffe. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte dementsprechend der "Welt" in einem Interview, dass sie sich eine Abwrackprämie für Autos mit Verbrennungsmotor vorstellen könnte. Zwar nicht in dieser Legislaturperiode, aber prinzipiell sei das nicht auszuschließen. Voraussetzung dafür ist aber, dass genügend Strom aus erneuerbaren Energien zur Verfügung steht. In den nächsten zwei bis drei Jahren muss dementsprechend nicht über dieses Thema entschieden werden. Entgegen anderslautender Behauptungen hat Hendricks aber n ie ein Verbot von Verbrennungsmotoren gefordert.
Personennahverkehr muss aufgewertet werden
"Klar ist, dass sich unsere Angebote an Mobilität insgesamt verändern müssen", sagte Hendricks. Dazu gehört vor allem eine Aufwertung des öffentlichen Personennahverkehrs durch gute und günstigere Angebote. Bei der Umstellung auf klimafreundlichere Antriebe spielen Steuern und Abgaben ebenfalls eine Rolle. Das System soll laut Hendricks klimapolitisch überprüft werden. Die Sozialdemokratin kann sich Veränderungen allerdings nur vorstellen, wenn die weniger wohlhabenden Menschen nicht zusätzlich belastetet werden. "Im Grunde geht es darum, unser Steuersystem ökologisch wirksamer und sozial gerechter zu machen", sagte sie. Darüber hinaus wollen die deutschen Hersteller ein flächendeckendes Aufladesystem für E-Autos errichten. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt versucht, die Systeme bis Ende 2017 an den Autobahnraststätten zu etablieren.
China bei Entwicklung der Elektromobilität federführend
Im Interview mit der Welt verwies Hendricks außerdem auf die Rolle des chinesischen Marktes bei der Entwicklung der Elektromobilität. "In Deutschland werden im Jahr etwa drei Millionen Pkw neu zugelassen, in China werden es im Jahr 2030 knapp 40 Millionen sein", sagt sie. Außerdem soll in China demnächst eine Art Quotensystem eingeführt werden, das den Autoherstellern einen Mindestanteil an Elektroautos vorschreibt. Die deutschen Autohersteller gingen, sagt Hendricks, "auch ohne Anreize mittlerweile davon aus, dass 2025 zwischen 15 und 25 Prozent der Neuzulassungen Elektroautos sein werden." dhz