"Außer-Dienst" Helmut Schmidt bilanziert sein politisches Leben

"Außer Dienst" ist wie der Untertitel verrät eine Bilanz. Die Bilanz eines politischen Lebens. Sachlich und unaufgeregt zieht Helmut Schmidt ein Resümee seiner beruflichen und damit auch politischen Laufbahn und analysiert die gegenwärtige Situation. Von Daniela Lorenz

Helmut Schmidt bilanziert in seinem Buch "Außer Dienst" sein politisches Leben. Foto: Lorenz

Helmut Schmidt bilanziert sein politisches Leben

Schmidt selbst schreibt auf dem Buchcover, dass er gegen Ende seines Lebens das aufschreiben wolle, was er glaube, über Jahrzehnte politisch gelernt zu haben.

Und wer dieses Buch liest, kann von ihm lernen. Wer da schreibt, ist ein Politiker mit Über- und Weitblick sowie Klug- und Gelassenheit. Nun könnte man sagen, jenseits des 90. Lebensjahres hat einer leicht reden. Hat er doch im wahrsten Sinne des Wortes nichts zu verlieren. Wohl wahr, aber Helmut Schmidt war schon in seiner aktiven Zeit als Politiker das, was wir heute auf politischer Ebene schmerzlich vermissen.

Die Bilanz ist keine Abrechnung. Helmut Schmidt prangert nicht an, sondern er regt zum Nachdenken an. Er nennt Missstände beim Namen und stellt der heutigen Politikergeneration ein schlechtes Zeugnis aus. Und was dem Buch gut tut: Helmut Schmidt jammert nicht, er hadert nicht mit den Gegebenheiten. Er schlägt nicht in die Miesmacher-Kerbe, dass heute alles schlechter ist.

Er analysiert, bleibt immer sachlich, zeigt mögliche Wege auf, verlangt ein Umdenken, fordert eine Struktur- und Richtungsänderung. Gleichwohl schafft er einen politischen und geschichtlichen Rahmen, in dem er seine Erläuterungen einordnet und erklärt.

Eine gelungene Bilanz, die sich gut liest und niemanden überfordert. Dennoch ist es eine anregende und nachdenklich stimmende Lektüre. Spannend sind die vielen, kleinen Anekdoten und persönlichen Anmerkungen zu Freunden und Weggefährten. Außerdem schenkt das Buch einen sachlichen und grundlegenden Überblick über ein politisches Leben.

Außer Dienst. Eine Bilanz, Helmut Schmidt, 7. Auflage 2008, Siedler Verlag

Bewertung ***** (von fünf möglichen)

Kurzbiographie:
Helmut Schmidt, geboren 1918 in Hamburg, war von 1974 bis 1982 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Davor war der SPD-Politiker Bundesverteidigungs-, -finanz- und -wirtschaftsminister, bevor er Nachfolger von Willy Brandt wurde, der aufgrund der Guillaume-Affäre zurücktrat. In seine Amtszeit fiel der Terror der Roten Armee Fraktion (RAF) und die Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer. Im Oktober 1982 verlor er nach einem konstruktiven Misstrauensvotum im Bundestag sein Amt an Helmut Kohl. Seit dem Ende seiner politischen Karriere ist Helmut Schmidt einer der Herausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit". Helmut Schmidt ist seit über 65 Jahren mit Hannelore ("Loki") verheiratet, die beiden haben eine Tochter.

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