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Das sagt das Gesetz zur Arbeitsschutzmaßnahme Helmpflicht auf dem Bau: Wann Schutzhelme getragen werden müssen

Mehr als 100.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle pro Jahr – das ist die traurige Unfallstatistik der Bauwirtschaft. Die Arbeit auf der Baustelle ist gefährlich, entsprechender Arbeitsschutz – vor allem für den Kopf – unabdingbar. Wann Helmpflicht auf dem Bau besteht und welche Ausnahmen das Gesetz bietet.

Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) verzeichnete allein im Jahr 2013 mehr als 5.400 meldepflichtige Arbeitsunfälle mit Kopfverletzungen. Als meldepflichtig gelten Unfälle, die Arbeitnehmer für mehr als drei Tage von der Arbeit fernhalten. In einigen Fällen hätte ein Schutzhelm Schlimmeres verhindern können. An manchen Unfallorten bestand sogar Helmpflicht.

Gerade auf Baustellen droht oftmals die Gefahr vor herabfallenden, pendelnden oder umfallenden Gegenständen. Ein Schutzhelm vermindert die Wucht eines Aufpralls und kann so Leben retten. Ebenso schützt er vor unliebsamen Verletzungen, wenn sich Arbeitnehmer den Kopf an harten oder scharfkantigen Gegenständen stoßen.

Wann Helmpflicht auf dem Bau besteht: Das sagt das Gesetz

Häufig sind Schutzhelme auf der Baustelle Pflicht, eine generelle Verordnung gibt es aber nicht. Wann Helmpflicht auf der Baustelle besteht, legt letztendlich der Arbeitgeber fest. Dieser muss im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung nach §§4 und 5 Arbeitsschutzgesetz mögliche Gefahren ermitteln und entsprechende Schutzmaßnahmen umsetzen.

Zunächst können Arbeitgeber überprüfen, ob identifizierte Gefährdungen durch technische oder organisatorische Maßnahmen vermieden werden können. Ist dies nicht der Fall, muss der Arbeitgeber eine entsprechende Schutzausrüstung für seine Mitarbeiter zur Verfügung stellen. In den berufsgenossenschaftlichen Regeln GUV-R 193 "Benutzung von Kopfschutz" wird darauf hingewiesen, dass bei der Gefährdungsbeurteilung folgende Punkte berücksichtigt werden sollten:

Besteht Gefahr durch...

  • herabfallende Gegenstände,
  • Anstoßen an Gegenständen,
  • pendelnde Gegenstände,
  • umfallende Gegenstände oder
  • wegfallende Gegenstände?

Entsprechende Gefährdungen finden sich auf zahlreichen Baustellen, so zum Beispiel in der Nähe von Kränen und Baugerüsten oder auch bei Abbruch- und Umbauarbeiten. Das Fazit des Arbeitgebers wird also häufig so ausfallen, dass Helmpflicht auf der Baustelle gilt. Ein geeigneter Schutzhelm für den Bau muss allen an der Baustelle mitwirkenden Mitarbeitern kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Die Beschäftigten sind nach § 15 Absatz 2 des ArbSchG verpflichtet, die persönliche Schutzausrüstung bestimmungsgemäß zu verwenden.

Helmpflicht: Welcher Schutzhelm für die Baustelle?

Sobald Helmpflicht für eine Baustelle ausgerufen wurde, muss der Arbeitgeber dafür sorgen, dass jeder dort beschäftigte Mitarbeiter einen Schutzhelm besitzt. Die Arbeitnehmer müssen der Helmpflicht nachkommen. Doch welcher Schutzhelm ist für den Bau am besten geeignet beziehungsweise vorgeschrieben?

Zwei Arten von Schutzhelmen kommen für Arbeiten auf der Baustelle in Betracht. Dies sind Schutzhelme nach DIN EN 397 und EN 14052, wobei Industrieschutzhelme nach DIN EN 397 zu den gängigsten auf dem Bau zählen. Welcher Schutzhelm auf der Baustelle getragen werden muss, geht aus der Gefährdungsbeurteilung nach §§4 und 5 Arbeitsschutzgesetz vor.

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Helmpflicht auf dem Bau: Wann Sie Schutzhelme austauschen müssen

Schutzhelme müssen regelmäßig ausgetauscht werden. Die "Haltbarkeit" eines Kopfschutzes aus thermoplastischen Kunststoffen beträgt vier Jahre. Ob der Helm aus einem solchen Material beschaffen ist, lässt sich an der Kennzeichnung an der Unterseite des Helmschilds erkennen: Die Buchstaben PE, PC, ABS, HDPE oder PP, PP-GF, PC-GF stehen für thermoplastisches Material.

Schutzhelme aus duroplastischem Kunststoff sind mit PF-SF und UP-GF gekennzeichnet und müssen bei regelmäßiger Nutzung nach acht Jahren ausgetauscht werden. Wann der Schutzhelm hergestellt wurde, steht unter dem Helmschild.

Generell gilt: Nach einem harten Schlag oder bei sichtbaren Schäden sollte der Helm sofort ausgetauscht werden. Eine grobe Einschätzung über den Zustand des Helmes kann zudem der so genannte Knacktest liefern. Dabei muss die Helmschale mit den Händen seitlich leicht eingedrückt werden. Alternativ kann auch der Schirm leicht verbogen werden. Nimmt man bei aufgelegtem Ohr Knister- oder Knackgeräusche wahr, sollte der Helm nicht mehr benutzt werden.

Doch wer muss den Zustand des Schutzhelmes überprüfen? Der Gesetzgeber hat im § 15 Arbeitsschutzgesetz festgelegt, dass Versicherte ihren Kopfschutz regelmäßig auf ordnungsgemäßen Zustand überprüfen müssen. Arbeitnehmer müssen ihre Helme also selbst auf Haarrisse und sonstige Schäden überprüfen.

Schutzhelm für Baustelle: Arbeitgeber muss seine Mitarbeiter unterweisen

Der Arbeitgeber muss seine Mitarbeiter vor der ersten Benutzung unterweisen, wie sie Schäden erkennen können. Ebenso muss die Unterweisung Informationen darüber enthalten, wie Arbeitnehmer ihren Schutzhelm richtig tragen, anpassen und aufbewahren. Die Informationsbroschüre des Herstellers sollte hierbei berücksichtigt und gegebenenfalls ausgehändigt werden.

Wenn der Schutzhelm Kopfschmerzen verursacht: Ausnahmen von der Helmpflicht

Eigentlich soll die Helmpflicht auf Baustellen ja Kopfverletzungen vermeiden. Bei manchen Arbeitnehmern sorgt jedoch gerade der Schutzhelm für Kopfschmerzen. Grund: Ein schlecht oder eng sitzender Schutzhelm. Trotz der Kopfschmerzen gelten für betroffene Mitarbeiter keine Ausnahmen bei der Helmpflicht. Arbeitnehmer können sich kein Attest gegen die Helmpflicht ausstellen lassen.

Schutzhelm für Gerüstbauer & Co.: Auf die Ergonomie kommt es an

Betroffene Arbeitnehmer sollten sich deshalb besser an ihren Chef wenden und um einen ergonomisch besser geeigneten Bauhelm bitten. Dabei kommt es vor allem auf eine gute Passform, ein möglichst geringes Helmgewicht und eine gute Verstellbarkeit der Innenausstattung an.

Ein Verstellmechanismus mit Drehverschluss besitzt im Gegensatz zu einem einrastendem Verschluss den Vorteil, dass die Innenausstattung stufenlos angepasst werden kann. Der Schutzhelm sollte so eingestellt werden, dass das Kopfband am Kopf anliegt, aber nicht drückt. Ein Schweißleder erlaubt eine verhältnismäßig lockere Einstellung des Kopfbandes, ohne dass der feste Sitz dabei beeinträchtigt wird.

Arbeitsschutz: Wer überprüft die Einhaltung?

Ob Betriebe Arbeitsschutzmaßnahmen wie die Helmpflicht einhalten, wird in Deutschland dual kontrolliert. Neben Mitarbeitern der BG Bau sind auch Vertreter der Landesämter für Arbeitsschutz auf den Baustellen unterwegs. Die Kontrolleure kommen unangekündigt in die Betriebe sowie auf die Baustellen. Werden sie fündig, drohen dem Betrieb Bußgelder in Höhe von mehreren tausend Euro.

Helmpflicht auf dem Bau: Das sagt die Helmfarbe über den Träger aus

Wer sich auf größeren Baustellen umsieht, stellt hin und wieder fest, dass die Arbeiter Helme in unterschiedlichen Farben tragen. Zwar gibt keine Vorschrift darüber, wer welche Helmfarbe tragen darf, dennoch haben die Farben oftmals eine gewisse Aussagekraft über die Funktion des jeweiligen Trägers.

So tragen Architekten, Bauleiter und Poliere häufig weiße Schutzhelme. Die Helmfarbe sagt in diesem Fall aus, dass der jeweilige Träger nicht dauerhaft vor Ort ist. Ein weißer Kopfschutz wird deshalb meist auch an Besucher ausgehändigt. Der Klassiker in Gelb ist bei Bauarbeitern und Maurern weit verbreitet. Vorarbeiter und Elektriker kennzeichnen sich mit einem roten Schutzhelm. Handwerker aus der Sanitärbranche sowie Schlosser tragen blaue Helme. Zimmermänner sind an grünen, Stahlbetonbauer an orangen Helmen zu erkennen. fre

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