Frisuren sind das Aushängeschild eines Menschen. Das finden zumindest die "Helden der Haare", die mit einem Video über die "Anonymen Friseurlosen" eine Diskussion über die Qualität der Friseur-Branche anstoßen wollen. Doch was steckt dahinter?
Christoph Ledder

"Hallo, ich bin Tina und ich bin friseurlos." Tina schluckt. "Also ich traue mich jetzt seit acht Monaten nicht mehr zum Friseur, weil mein letzter mir so eine hässliche Frisur geschnitten hat, dass ich mich ewig geschämt habe." So beginnt der Video-Sketch auf YouTube , der die Selbsthilfegruppe der "Anonymen Friseurlosen" mit ihren Frisurproblemen zeigt.
"Helden der Haare" mit 60 Betriebsstätten
Tina trifft auf die exzentrische Frau von Pützenreuther und andere Leidensgenossen. Moderiert wird die Gruppe von einem Glatzköpfigen, der als Hobbypsychologe die Probleme der Gruppenteilnehmer mit ihren Frisuren und Friseuren analysiert. Produziert wurde das satirische Video im Auftrag von 21 Friseurbetrieben aus ganz Deutschland , die sich zur Gruppe "Helden der Haare – Team aktiver Friseure" zusammengeschlossen haben.
Die "Helden der Haare", die insgesamt 60 Friseursalons betreiben, tauschen sich aktiv in einem Online-Forum über Erfahrungen aus und treffen sich regelmäßig persönlich an unterschiedlichen Orten. Mit dem Video über die "Anonymen Friseurlosen" möchte die Gruppe verdeutlichen, dass es zu viele schlechte Frisuren gibt, die nichts mit dem Qualitätsanspruch der Branche zu tun haben.
"Helden der Haare" für Qualität
Unternehmensberater Peter Rust ist Organisator der Gruppe und beschreibt das Ziel der aktuellen Kampagne: "Wir wollen mit dem Video vor allem zeigen, dass ein Friseurbesuch in erster Linie mit Vertrauen verbunden ist und dass es noch Friseure gibt, die mit Kreativität und Leidenschaft bei der Sache sind, ihre Kunden kompetent beraten und sehr viel Wert auf Qualität legen."
Laut Rust ist das Problem, dass es mit Blick auf den Mindestlohn "viele schwarze Schafe in der Branche gibt." Laut dem Unternehmensberater zahlen die "Helden der Haare"-Salons einen Mindestlohn von 15 Euro pro Stunde . Das sei laut Rust überdurchschnittlich. Es sei höchste Zeit, die Betriebe der Branche zu bestrafen, die ihre Mitarbeiter ausbeuten, "schwarz bezahlen" oder die Sozialversicherungspflicht außer Kraft setzen. Auf ihrer Webseite fordern sie deshalb stärkere Kontrollen und deutlichere Konsequenzen , da diese Betriebe nicht nur den Arbeitnehmern, sondern auch dem Ansehen der Branche schadeten.
Neukunden gewinnen, Nachwuchs ansprechen
Die "Helden der Haare" nutzen den filmischen Ansatz, um Neukunden zu gewinnen und künftige Azubis anzusprechen. "Die Unternehmen, die zur Gruppe gehören, legen sehr viel Wert auf die Ausbildung des Nachwuchses", sagt Rust. Die Gruppe selbst gibt es seit 1994. Azubis, die bei einem "Helden der Haare"-Friseur lernen, sollen spätestens im letzten Ausbildungszeitraum einen eigenen Kundenstamm aufbauen. Nach Ansicht der Gruppe sollen sie so routinierter im Beruf werden und ein leistungsorientiertes Gehalt bekommen.
Neben der persönlichen Förderung und dem leistungsbezogenen Gehalt stehen die "Helden der Haare" außerdem für individuelle Arbeitszeiten, menschliche Wertschätzung und Anerkennung sowie einen angenehmen Umgang untereinander. Damit wollen sie sich gegenüber anderen Betrieben in der Branche abgrenzen.
Casting für "Helden der Haare"
Allerdings ist es für einen Friseurbetrieb nicht so leicht, in die Gruppe aufgenommen zu werden. "Hier kommt nicht jeder rein. Über die Aufnahme des Kandidaten wird bei einem persönlichen Treffen von allen Betrieben entschieden", erläutert Rust. In dem Casting werden die Kandidaten auch dazu befragt, wie sie in ihrem Betrieb die Ausbildung gestalten und wie sie den hohen Qualitätsanspruch der Gruppe erfüllen wollen.
Laut Rust möchten die "Helden der Haare" auf maximal 30 Mitgliedsbetriebe ansteigen, um den "familiären Charakter zu wahren". Der derzeit größte Betrieb befindet sich in Schwerin, der kleinste im münsterländischen Bocholt.
Film im Kino
Für 2015 planen sie, mit diesem und anderen kleinen Kurzfilmen in die Kinos zu gehen. Die bisherigen Reaktionen auf die Kurzfilme sind positiv. Vom Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks war bislang noch keine Stellungnahme zu bekommen.