Wärmewende Heizungsbestand: So effizient heizt Deutschland

Der Bestand an Gas- und Ölheizungen nimmt in Deutschland langsam ab. Insgesamt wird er etwas effizienter, da Hausbesitzer auf modernere Technik umsteigen. Der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerk hat neue Strukturdaten veröffentlicht und zeigt, wie sich der Heizungsbestand verändert – und wie schnell bzw. langsam es vorangeht.

Heizungsbestand
Der Heizungsbestand in Deutschland ist immer noch von Gas- und Ölheizungen dominiert. - © Ruta Saulyte - stock.adobe.com

An der Gesamtzahl hat sich kaum etwas verändert. Der Heizungsbestand in Deutschland umfasst noch immer rund 33 Millionen Feuerungsanlagen, die die privaten, gewerblichen und öffentlichen Gebäude heizen. Unter diesen Anlagen sind nach Angaben des Bundesverbands des Schornsteinfegerhandwerks nur noch rund 8,2 Millionen Anlagen, die ein Betriebsalter von über 15 Jahren haben. So ist der Heizungsbestand im vergangenen Jahr also insgesamt jünger geworden – und damit auch effizienter.

Der Bundesverband hat seine jährliche Datenanalyse vorgelegt zum Bestand der Feuerungsanlagen in Deutschland und den Veränderungen zum Vorjahr. Er belegt damit, dass einerseits die Zahl der Feuerungsanlagen, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, gesunken ist. Andererseits zeigt er, dass sanierungsbereite Hausbesitzer statt in sogenannte Heizwertanlagen eher in Brennwertanlagen und damit in eine modernere und effizientere Technik investieren.

Heizungsbestand: Ein Prozent mehr Brennwerttechnik

Und damit kommen sie auch den gesetzlichen Pflichten beim Heizungstausch nach. Denn Brennwertkessel ermöglichen eine anteilige Nutzung an erneuerbaren Energien, da man sie beispielsweise mit einer Solarthermie-Anlage und einem Pufferspeicher kombinieren kann. Ähnlich sieht es mit einer gleichzeitigen Nutzung mit einer Wärmepumpe oder fester Biomasse aus. Durch die Kombinationsmöglichkeiten gelten sie als sogenannte Erfüllungsoption für das, was das Gebäudeenergiegesetz (GEG) derzeit beim Einbau neuer Heizungen fordert. Spätestens ab dem Jahr 2045 müssen neue Heizungen allerdings ohne fossile Brennstoffe laufen. Auch Hybridsysteme müssen dann komplett auf klimafreundliche Brennstoffe umgestellt werden.

Der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks geht davon aus, dass in den nächsten Jahren sukzessive weniger Öl- und Gasheizungen neu installiert werden. Dass deren Bestand weiter sinkt, liege an den steigenden Preisen für fossile Brennstoffe – inklusive einer steigenden CO₂-Bepreisung – und an der aktuellen Gesetzeslage.

Auch wenn weniger fossile Brennstoffe genutzt und mehr effiziente Heizungen in Betrieb genommen sind, zeigen die Zahlen allerdings, dass die Entwicklung noch sehr langsam vor sich geht. So läuft der Heizungsbestand in Deutschland noch immer zum absoluten Großteil auf Gas und Öl, mit rund 14 Millionen Gasheizungen bzw. fünf Millionen Anlagen, die mit Öl betrieben werden. Ihr Bestand ist im Jahr 2023 um ein Prozent gesunken. Der Zuwachs an Brennwertfeuerstätten liegt bei 5,4 Prozent.

Heizungsbestand
© Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks

Den Zeitrahmen für die weitere Heizungsumstellung in Deutschland sieht das Schornsteinfegerhandwerk für die Hausbesitzer als umsetzbar an. Ob er für das Erreichen der Klimaziele genügt, bleibt angesichts dieser Zahlen zum Heizungsbestand im Jahr 2023 offen.

Heizungstausch geht voran, aber langsam

So meldete der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) erst kürzlich, dass aktuell die Nachfrage nach neuen Heizungen sinkt. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres habe der Absatz ein Minus von 39 Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum auf 325.000 verbucht. Vor allem bei den Wärmepumpen war der Rückgang heftig. Hier halbierte sich die Anzahl der verkauften Wärmepumpen auf 74.000. Auch Gas- und Pelletheizungen wurden deutlich weniger verkauft. Bei Ölheizungen gab es hingegen ein Plus von einem Viertel auf 47.500 – diese Anlagen machten damit etwa ein Siebtel des Marktes aus. 

Der BDH führt die Gesamtentwicklung auf die Kaufzurückhaltung zurück, die sich aus den Diskussionen um das Heizungsgesetz der Ampel-Koalition im Bund ergeben habe. Zudem sei zu wenig bekannt, welche technischen Lösungen das Gesetz zulasse. Das Ziel der Bundesregierung, dass ab 2024 in Deutschland jährlich 500.000 Wärmepumpen installiert werden, wird dem Verband zufolge vermutlich verfehlt. Er prognostiziert einen Absatz von nur 200.000 Wärmepumpen bis Jahresende.

Heizungsbestand: Mehr Beratung zum Heizen mit Holz gefordert

Kritik, dass es mehr an Aufklärung braucht, schließt sich auch der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks an – allerdings spricht er damit ein anderes Thema an. Dabei geht um das Heizen mit Holz. So gehören zum Heizungsbestand in Deutschland auch über 1,1 Millionen Holzzentralheizungen und rund 11,7 Millionen Einzelraumfeuerstätten

für feste Brennstoffe. Von den Biomassekesseln wurden im Jahr 2023 über fünf Prozent mehr installiert und von den kleineren Einzelraumfeuerstätten rund 1,3 Prozent mehr. Das Schornsteinfegerhandwerk weist darauf hin, dass auch diese Pellet-, Kamin-, Kachelöfen oder Heizeinsätze fossile Wärme teilweise ersetzen können. Das Heizen mit Holz gerät aber immer wieder im Verruf, klimaschädlich zu sein und sehr viel Feinstaub zu verbreiten.

Um zu überprüfen, wie stark die Belastung tatsächlich und unter realen Bedingungen ist, messen Schornsteinfegerbetriebe derzeit die Werte von Holzfeuerungsanlagen im Rahmen eines Forschungsvorhabens des Umweltbundesamts. Die Messdaten sollen aufzeigen, welche Faktoren in der Praxis Einfluss auf die Emissionsbilanz von Holzfeuerstätten haben. Was bis jetzt ganz klar ist, dass das Verbraucherverhalten großen Einfluss auf die Staub- und CO-Emissionen hat.

So plädiert der Verband dafür, dass mehr Beratung direkt am Ofen durch das Schornsteinfegerhandwerk stattfinden und dies in die derzeit angedachte Novellierung der Bundes-Immissionsschutzverordnung (1. BImSchV*) einfließen sollte. Dies könne die Verbrennungsqualität deutlich verbessern und wirke sich damit positiv auf die Emissionen aus. jtw/dpa