Der neunte Bundesligaspieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Heinos Soundtrack zum Desaster am Rhein

Beim Blick auf die größten Krisenherde der Liga drängt sich einem unweigerlich die Frage auf: Warum spielen sie am Rhein so schlecht? Ein Rätsel, das nur am Rande mit Heinos Schlager "Warum ist es am Rhein so schön?" zu tun hat, klärt Stefan Galler in DHZ-Bundesligakolumne auf.

Heinos Soundtrack zum Desaster am Rhein

Meisterbetrieb: Der letzte bayerische Widerständler

Oftmals hat man nach einem Bundesligaspieltag ob der lauten Jammerei aus allen Ecken der Republik das Gefühl, die ganze Liga habe am Wochenende herbe Niederlagen kassiert. Diesmal wirkt es im Gegenteil eher so, als würden überall große Champions wohnen, sieht man vielleicht von den rheinischen Rivalen Köln und Gladbach einmal ab (dazu später mehr).

Hier überflügelt der Bremer Claudio Pizarro den Rekord von Giovane Elber als treffsicherster Ausländer der Bundesligageschichte und spricht gleich noch davon, dass Werder Meister werde. Dort holt sich Mainz die Tabellenführung durch einen beeindruckenden Erfolg in Leverkusen zurück und ist nun mit einer Wahrscheinlichkeit von 43 Prozent Titelkandidat Nummer eins. Und ganz wo anders, nämlich in Dortmund, rettet die Borussia gegen Hoffenheim mit der letzten Aktion des Spiels wenigstens ein Remis.

Und das gegen alle Widrigkeiten, die BVB-Trainer Klopp vor allem bei Schiedsrichter Wolfgang Stark ausmachte. Stark ist offenbar der letzte Bayer, der Dortmund noch Paroli bietet, nachdem sich die Münchner Fußballer seit der Niederlage im direkten Duell in der Tabelle derart weit von der Borussia fernhalten, als wäre sie eine ansteckende Krankheit. Der Referee traf einige fragwürdige Entscheidungen zuungunsten der Dortmunder, weshalb dem Trainer der Schwarz-Gelben so viele Schimpfwörter durch den Kopf schwirrten, dass er nach eigener Aussage lebenslang gesperrt worden wäre, wenn er sie alle ausgesprochen hätte. Auf alle Fälle ging Klopp am Spielfeldrand wieder mal ab wie ein Zäpfchen, auch dazu hatte er den passenden Spruch auf Lager: "Wenn ich mich nicht mehr aufregen kann, falle ich tot um." Das wollen wir doch nun wirklich nicht hoffen.

Gesellenstück: Waynes kleine World

Ein kleiner Blick zu den Großkopferten, zu den Alphatieren des Weltfußballs. Auch dort hat man so seine Sorgen, auch wenn diese ganz anders geartet sind als in der hiesigen Kickerbranche. Wayne Rooney etwa, der englische Stürmerstar, ist so etwas wie ein Fliehender, der seiner Berufung nicht folgen kann – seinem Drang nach Abnabelung und seiner Gier, die Fremde zu entdecken. Gut, er wollte eigentlich nur von Manchester United zu Manchester City wechseln, vielleicht weil die Luft im City of Manchester Stadium besser ist als im Old Trafford. Doch mit seinem Ansinnen, seine Wahlheimatstadt ein bisschen besser kennenzulernen, biss er beim United-Anhang auf Granit. Rund 40 Fans hatten sich in der Nacht auf Freitag vor seiner Villa versammelt. Aber nicht, um eine Woche vor Halloween um Süßigkeiten zu bitten, sondern mit einem netten Transparent im Gepäck: "Unterschreib bei City und Du bist tot", stand darauf geschrieben.

Der wackere Wayne wurde tags darauf beim United-Vorstand vorstellig und erstritt das stattliche Schmerzensgeld von 203 000 Euro pro Woche dafür, dass er nun doch weiterhin nur eine Hälfte von Manchester kennt.

Erstes Lehrjahr: Bayern bezieht Rumänien-Hilfe

Was ist nur los mit den Bayern? So langsam richtet sich der Branchenführer gemütlich im Liga-Mittelfeld ein – und scheint sich dabei auch noch ganz wohl zu fühlen. Mit dem 0:0 in Hamburg waren sie jedenfalls durch die Bank zufrieden.

Spektakuläre Bayern-Szenen waren Mangelware, sieht man vom Sturzflug des Mario Gomez in eine Fernsehkamera am Spielfeldrand einmal ab. Aber so war der Stürmer wenigstens mal groß im Bild. Am Ende mussten die Münchner froh sein, nicht verloren zu haben, weil Pitroipa kurz vor Schluss den greifbaren Sieg für den HSV leichtfertig verdaddelte und nur den Pfosten traf.

Aber die besten Bayern spielen in diesen Tagen irgendwie sowieso immer in der gegnerischen Mannschaft. Besonders eklatant war das am Dienstag in jenem Champions-League-Match gegen Cluj, das bei den Wett-Ermittlern der UEFA eigentlich alle Alarmglocken schrillen lassen müsste: Der rumänische Meister, offenkundig geschockt von einer zwischenzeitlichen 1:0-Führung, beseitigte diesen überraschenden Zwischenstand durch zwei Eigentore innerhalb von nur fünf Minuten mehr oder weniger elegant. Danach beteiligte man sich vorsichtshalber nicht mehr am Spiel, schließlich war die Gefahr groß, den schwachen Bayern womöglich auch noch das 2:2 einzuschenken.

Um alle Zweifel an der eigenen Niederlage zu zerstreuen, halfen die Cluj-Verteidiger auch beim 1:3 durch Gomez nach Kräften. Danach wurde wieder frank und frei mitgekickt und prompt das 2:3 erzielt. Schon ein wenig merkwürdig, aber vielleicht sind die Transsylvanier einfach nur höfliche Gäste, die endlich mit diesem hässlichen Vampir-Image aufräumen wollen. Okay, jetzt reden alle wieder von Wettbetrug. Aber man kann ja auch nicht an einem Tag alle Klischees über Bord werfen.

Zwei linke Hände: Warum ist es am Rhein so schön?

Beim Blick auf die größten Krisenherde der Liga drängt sich einem unweigerlich die Frage auf: Warum spielen sie am Rhein so schlecht? Ein Rätsel, das nur am Rande mit Heinos Schlager "Warum ist es am Rhein so schön?" zu tun hat. Und doch lohnt es sich angesichts der Krise der Traditionsvereine Köln und Gladbach, den Text des schwülstigen Trinkliedes mal ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn Heino, dieser schlaue Fuchs mit der Optik einer gebleichten Stubenfliege, gibt in jeder der gefühlt 45 Strophen eine Antwort auf die eingangs gestellte Frage. Dabei geht es ihm nur am Rande um ein geregeltes Versmaß oder gar um einen originellen Reim. Irgendwie wollte er halt mit dem Liedchen über die Runden kommen, womit wir schon die erste Parallele zu den mäßig begabten rheinischen Balltretern hätten.

Doch damit nicht genug: Wenn nämlich im Song die Schönheit des Rheinlandes mit der Wörtergruppe "Weil selbst aus den Burgruinen, neuer Hoffnung Triebe grünen" erklärt wird, dann mag das literarisch unter aller Kanone sein, aber eben doch den Kern der Gladbacher Krise treffen: 27 Gegentreffer haben die Fohlen nun in neun Spielen schon eingesteckt, da kann man wahrlich von einer sturmreif geschossenen Festung sprechen. Und grün ist eine der Vereinsfarben der Borussia, wobei dem Texter Heino ja eine eklatante Sehschwäche nachgesagt wird – gut möglich, dass er die Farbe Grün nur aus Erzählungen kennt.

Ein anderes Textbeispiel gefällig? Bitte sehr: "Warum ist es am Rhein so schön, weil am Rhein die Geschichten uns von deutschem Ruhm berichten.“ Da muss man im Falle der beiden fußballerischen Patienten ziemlich staubige Bücher aus dem Schrank holen. Der letzte Meistertitel für den 1. FC Köln liegt immerhin mittlerweile 32 Jahre zurück, bei Gladbach ist es noch ein Jährchen länger her.

Mit der Strophe "Weil uns fesseln ew'ge Bande an die rheinischen Lande“, lag der Sonnenbrillenträger falsch, denn Kölns Trainer Soldo fesselt sei Sonntag nichts mehr an diese Gegend. Bei aller Tristesse bleibt immer noch Hoffnung auf eine angenehme Zukunft. Warum? Schlag nach bei Heino: "Weil der Rhein mit seinen Reben, wird uns frohe Stimmung geben."