Hunderttausende Menschen sind mittlerweile aus der Ukraine nach Deutschland geflohen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sprach sich jetzt für eine schnellere Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse aus.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will Geflüchteten eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt verschaffen. Er gehe davon aus, dass viele länger da blieben, sagte er nach einem Spitzentreffen mit Arbeitgebern, Gewerkschaften, der Bundesagentur für Arbeit und den Ländern. Die Arbeitsmarktintegration sei "eine große gemeinschaftliche Kraftanstrengung", fügte er hinzu. Deshalb gehe es jetzt darum, Kinderbetreuung, Sprachkurse und die schnelle Anerkennung von Berufsabschlüssen zu organisieren.
Geflüchtete bekommen nach Registrierung Arbeitserlaubnis
Heil machte klar, dass er die Geflüchteten nicht in erster Linie als Arbeitskräfte, sondern als schutzbedürftige Menschen ansieht. Es sei aber auch eine Frage der Vernunft, dass man den Zugang zum Arbeitsmarkt ermögliche. Jeder Geflüchtete bekomme nach der Registrierung einen Aufenthaltstitel und eine Arbeitserlaubnis.
Da in den vergangenen Wochen vor allem Frauen und Kinder sowie ältere Menschen aus der Ukraine geflüchtet sind, geht es nach den Worten des Ministers zuerst einmal um deren Unterbringung und um die Kinderbetreuung. Daneben sollte der Zugang zu Sprachkursen schnell ermöglicht werden. Viele der Geflüchteten sind nach den Worten Heils gut qualifiziert, allerdings seien die Abschlüsse nicht immer vergleichbar. Damit die Ukrainer nicht dauerhaft nur in Hilfsjobs arbeiten müssten, gehe es jetzt auch darum, die Anerkennung von Berufsabschlüssen zu beschleunigen.
Handwerk steht bereit
Generell können Geflüchtete aus der Ukraine ohne Probleme im Handwerk angestellt werden. Zu unterscheiden ist dabei immer, ob man angestellt in einem Betrieb oder selbstständig arbeiten möchte. Für eine Tätigkeit als Bäckerin oder Friseurin in einem Handwerksbetrieb braucht es kein Anerkennungsverfahren. "Anders verhält es sich, wenn man sich selbstständig machen möchte", sagt Claudia Meimbresse, Abteilungsleiterin Prüfungswesen und Anerkennungsverfahren bei der Handwerksammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. "Hier empfiehlt sich eine Beratung durch die Handwerkskammer, denn für viele Berufe ist eine Anerkennung notwendig", fügt sie hinzu.
Wie bei früheren Flüchtlingskrisen stehe das Handwerk jetzt bereit, unterstrich Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Damit die Integration gelinge, seien Sprachkurse, Integrationskurse und berufsvorbereitende Förderklassen unerlässlich. Gerade für kleine Betriebe sei die Beschäftigung ausländischer Mitarbeiter mit größerem Aufwand verbunden. Nötig sei deshalb für kleine und mittlere Betriebe ein bundesweites Netzwerk von Integrationsbegleitern.