Kritische null Millimeter Hautpilz: So verhindern Friseure und Barber die Ausbreitung

Ein neuer Haarschnitt führte zuletzt in einigen Fällen zu einer Infektion mit dem Hautpilz "Trichophyton tonsurans". Weder Friseure noch Barber wollen Pilzinfektionen unter ihren Kunden verbreiten. Worauf sie deshalb bei der Hygiene achten müssen.

Friseurmeister Mike Hecker
Friseur Mike Hecker desinfiziert seine Maschinen nach jedem Kunden. - © privat

Erst sind es kleine rote Stellen, an Kopf, Nacken oder im Bartbereich, die jucken. Im Lauf der Zeit werden sie dicker, es entstehen Knötchen, die sich mit Wasser oder Eiter füllen. Später kommt es zu kreisrundem Haarausfall. Schuld daran ist der Hautpilz "Trichophyton tonsurans". Seit einigen Jahren breitet er sich in Deutschland immer stärker aus und häufig waren die Betroffenen vorher beim Barber.

Bis zum Jahr 2020 fand Pietro Nenoff in seinem auf Pilzerkrankungen spezialisierten Labor den Erreger "Trichophyton tonsurans" höchstens alle sechs bis acht Wochen einmal. "Und jetzt weisen wir ihn bald täglich zum Teil mehrfach nach", sagt der Professor und Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Hautkrankheiten.

In früheren Jahren hatten sich vor allem Kampfsportler mit dem Hautpilz "Trichophyton tonsurans" angesteckt, weil er über Matten und Körperkontakt übertragen wurde. Doch jetzt scheine der Pilz mit Billig-Barbershops eine neue Nische gefunden zu haben, vermutet Nenoff.

Mikroverletzungen bei Rasur

Dass Barbershops so gefährdet sind, liegt zunächst an den Arbeitstechniken dort. "Bei Rasur und Haarschnitten, die auf null Millimeter gehen (Fade Cuts), ist das Risiko von Mikroverletzungen der Haut hoch", erklärt Mediziner Nenoff. Sind die verwendeten Geräte und Materialien einmal mit dem Pilz kontaminiert und werden vor der Verwendung beim nächsten Kunden nicht ausreichend desinfiziert, dann kann der Erreger durch kleine Risse in der Oberhaut übertragen werden.

In der Friseurausbildung lerne man das, betont Mike Hecker. Der Obermeister der Friseurinnung Kelheim und Bezirksobermeister Oberpfalz erklärt: "Gerade beim Fade Cut berührt der Scherkopf die Haut. Da muss man mit Hautverletzungen rechnen. Es ist also unabdingbar, dass die Sachen vor dem nächsten Kunden desinfiziert werden." Der Meister müsse seine Mitarbeiter immer wieder unterweisen und auch kontrollieren, ob die Hygienemaßnahmen eingehalten werden.

Reinigung und Desinfektion

Den Rahmen für die Hygiene bei Friseurdienstleistungen geben der Reinigungs- und Desinfektionsplan der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) sowie die Hygieneverordnung des jeweiligen Landes vor. Die BGW und der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks haben eine kostenlose Broschüre zur Hygiene im Friseursalon erstellt, verweisen aber auf die teils noch strengeren Anforderungen einzelner Bundesländer.

Grundsätzlich gilt: Mehrfach verwendbare Geräte, bei deren Anwendung es zu Verletzungen der Haut kommen kann, müssen nach jeder Anwendung gereinigt und desinfiziert werden. Dies gilt für:

  • Rasiermesser
  • Maniküre- und Pedikürescheren
  • spitze Pinzetten

Für Rasuren empfiehlt die BG Einmalrasierklingen, die nach Gebrauch sicher entsorgt werden.

Unabhängig vom Verletzungsrisiko müssen alle Arbeitsmaterialien inklusive Scheren und Scherköpfen immer dann desinfiziert werden, wenn sie sichtbar mit Blut oder Sekreten kontaminiert sind. Das kann schon passieren, wenn ein Pickel abrasiert oder das Gerät auf krankhaft veränderter Haut angewendet wurde. Friseurmeister Hecker verwendet deswegen für seine Maschinen ein Desinfektionsmittel zum Sprühen, das gleichzeitig auch säubert und die Maschine etwas schmiert.

Waschen bei 60 Grad Celsius

Handtücher müssen nach jedem Kunden gewechselt und bei 60 Grad Celsius gewaschen werden. Sollte ein Handtuch mit Blut kontaminiert sein, müssen die Mitarbeiter ein desinfizierendes Waschmittel nutzen.

Auch Umhänge müssen sie täglich waschen und zusätzlich dann, wenn diese sichtbar verschmutzt sind. Ist Blut an einen Umhang gekommen, muss er mit einem desinfizierenden Waschmittel behandelt werden. Umhänge sollen ausschließlich mit einer Halskrause aus Einwegkrepppapier verwendet werden.

Kontaktflächen wie Stühle. Arbeitsflächen und der Sanitärbereich müssen mindestens einmal täglich gründlich gereinigt werden. Blut oder Körpersekrete auf Flächen müssen die Mitarbeiter sofort satt mit Desinfektionsmittel benetzen, es trocknen lassen und Verschmutzungen anschließend entfernen.

Handschuhe gegen Ansteckung mit dem Hautpilz

Die Gefahr, dass sich Friseure und Barber an infizierten Kunden selbst anstecken, hält Mediziner Nenoff für gering. "Wer einen intakten Säureschutzmantel hat und seine Haut gut pflegt, hat ein geringes Risiko", sagt er. Die BGW allerdings empfiehlt Handschuhe zu tragen, wenn ein Kunde sichtbar unter einer Hauterkrankung leidet. Geeignete Handschuhe sind flüssigkeitsdicht und reißfest und erfüllen die Norm DIN EN 374.

Eine Meldepflicht für den Pilz gibt es bisher nicht und auch kein Verbot, mit dem Pilz infizierte Kunden zu bedienen. Nenoff rät Friseuren und Barbern, genau auf Symptome ihrer Kunden zu achten wie Rötungen, Entzündungen, Schuppungen, kreisrunden Haarausfall oder im Extrem auch Krusten und Eiter. In solch einem Fall sollten sie den Kunden darauf hinweisen und einen Besuch beim Hautarzt empfehlen. "Aber man kann nicht alles erkennen, und deswegen ist es wichtig, die Geräte immer zu wechseln und zu desinfizieren", betont Obermeister Hecker.