Berufskrankheiten Nur 60 Prozent aller Arbeitnehmer am Bau verwenden Sonnencreme

Die Gefahr von Hautkrebs ist präsent. Warum viele trotzdem nicht danach handeln und welche Forderungen die BG Bau an die Arbeitgeber hat.

Hand in Arbeitshandschuh verdeckt die Sonne
Heller Hautkrebs bleibt ein unterschätztes Risiko. Viele wissen über die Gefahren Bescheid, schützen sich aber nicht richtig. Arbeitgeber sollten Angestellte am Bau informieren und mit technischen Maßnahmen besser vor Sonneneinstrahlung schützen. - © Benjamin Nickel

Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) hat in Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG) eine Umfrage zum Thema Sonnenschutz abgehalten. Dass zu viel UV-Strahlung nicht gesund für den menschlichen Körper ist, dürfte eine Binsenweisheit sein.

Und die Ergebnisse dieser Studie belegt diese Vorahnung: Von den fast 2.500 Befragten gaben 96 Prozent an, dass sie die gesundheitlichen Gefährdungen von UV-Strahlung kennen. 85 Prozent bekannten demnach, dass sie den Sonnenschutz bei Arbeiten unter freiem Himmel wichtig finden.

Wie kann es also sein, dass weißer Hautkrebs die am häufigsten angezeigte Berufskrankheit ist?

Erst im Frühjahr hatte die BG Bau das bekannt gegeben. Bernhard Arenz, Leiter der Hauptabteilung Prävention der BG Bau, subsumiert also, dass "nicht das Warum, sondern das Wie" des persönlichen Sonnenschutzes heutzutage das Problem sei. Über vier Fünftel der an der Umfrage Teilnehmenden arbeiten mehr als 50 Tage zwischen April bis September im Freien: Ohne geeignete Schutzmaßnahmen sind sie daher besonders gefährdet.

Ein Bewusstsein für die mit der UV-Strahlung einhergehenden Risiken scheint also vorhanden zu sein. Weiterhin belegten die Zahlen, dass dieses Bewusstsein über alle Branchen und Gewerke sowie alle Altersstufen hinweg vorhanden sei, so Arenz.

Aber praktische Probleme, mangelndes Wissen sowie fehlende Routinen verhinderten die konstante Anwendung von Schutzmaßnahmen. 60 Prozent nutzen Sonnencremes und gut 15 Prozent tragen lange Kleidung, sagt Arenz und führt weiter aus, dass bei der Verwendung von Sonnencremes einige die fehlende Zeit zum Eincremen oder den Staub und Dreck, der auf den Hautflächen haften bleibt, beklagen. Und vielen Menschen sei es unter der langen Kleidung einfach zu heiß.

An dieser Stelle ist also noch viel zu tun, um das geschaffene Bewusstsein für die Gefahr auch in ein aktives Handeln zur Vermeidung der Gefahr umzuwandeln.

Sonnensegel hat Vorrang vor Sonnencreme

Grundsätzlich gelte im Arbeitsschutz das "TOP-Prinzip". Das hieße, technische und organisatorische Maßnahmen haben immer Vorrang vor persönlichen Schutzmaßnahmen.

Dazu liefert die Befragung ebenfalls Erkenntnisse. Sonnensegel oder -schirme hätten auf Baustellen noch längst nicht Einzug gehalten. Laut Angaben der Befragten würden nur 21 Prozent der Unternehmen im Sommer Sonnenschirme oder ähnliche Überdachungen zur Verfügung stellen, obwohl ihr Einsatz, beispielsweise für die Pausenzeiten, keinen großen Aufwand bedeute. Die Anschaffungskosten unterstütze die BG BAU finanziell.

Organisatorische Maßnahmen wie wechselnde Arbeiten in der Sonne und im Schatten seien gute Alternativen. Auch sei es wichtig, diese Möglichkeiten aktiv bei Bauarbeiten oder Reinigungstätigkeiten im Freien umzusetzen.

Insgesamt seien beim Thema Schutz vor UV-Strahlung viele passende Lösungen vorhanden. Wie etwa spezielle Funktionsshirts mit UV-Schutz, deren Anschaffung die BG BAU durch die Arbeitsschutzprämien fördere. Sie würden nicht nur vor schädlichen Strahlen schützen, sondern kühlten zugleich auch. Zusätzlich verringerten sie die einzucremenden Hautflächen und sparten so Vorbereitungszeit. rk