In Zeiten des Fachkräftemangels wirbt die Bundesagentur für Arbeit dafür, mehr Hartz-IV-Empfänger in den Betrieb zu holen. Im Handwerk zählt vor allem die Qualifikation der Mitarbeiter. Das trennt die Spreu vom Weizen.
Burkhard Riering

Auf dem deutschen Jobmarkt ist es übersichtlich geworden. Kaum noch arbeitslose Fachkräfte, kaum noch unversorgte Arbeiter, kaum noch genügend Nachwuchs. Den Unternehmern macht es immer mehr zu schaffen, dass sie keine geeigneten Mitarbeiter mehr finden für die viele Arbeit.
Auf eine Chance, an Arbeitskräfte zu kommen, weist die Bundesagentur für Arbeit dieser Tage mit einer Kampagne hin. In Werbeanzeigen werden Hartz-IV-Empfänger in den Fokus gerückt. "Ich bin gut", lautet der Werbeslogan.
Gute Noten
Doch sind sie wirklich "gut"? Erstmals wurde jetzt in einer Studie untersucht, welche Erfahrungen Arbeitgeber mit ehemaligen Hartz-IV-Empfängern in Deutschland gemacht haben. Befragt wurden Unternehmer aus dem Handwerk sowie aus den Bereichen Pflege und Gastronomie. Das Ergebnis ist positiv: Zwei Drittel sind zufrieden mit den einstigen Arbeitslosen. "Die Befragung bestätigt, was mir die meisten Arbeitgeber auch in persönlichen Gesprächen berichten", sagt Heinrich Alt, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit. Sie seien "motiviert und engagiert, auch wenn ihre Biografien oft Ecken und Kanten haben".
Heinrich AltIm Handwerk waren die Erfahrungen allerdings etwas schlechter als in der Pflege und Gastronomie; die Zahlen können sich dennoch sehen lassen:- 60 Prozent der Arbeitgeber aus dem Handwerk, die im eigenen Betrieb Hartz-IV-Empfänger angestellt haben oder hatten, fällen ein positives Urteil. Jeder fünfte Arbeitgeber ist sogar "sehr zugfrieden" mit dieser Beschäftigtengruppe.
- Die Mehrheit der Betriebe sieht die einstigen Hartz-IV-Empfänger als pünktlich und teamfähig an.
- 41 Prozent der Befragten sehen die Arbeit der ehemaligen Hartz-IV-Empfänger indes als "schlechter" an, 42 Prozent erkennen dagegen kaum Unterschiede.
Qualifikation ist entscheidend
Alt räumt ein, dass die Qualifikation im Handwerk eine große Rolle spielt. Daher sollen nun intensive Gespräche mit den Handwerksorganisationen geführt werden, wie man die Hartz-IV-Empfänger besser fürs Handwerk qualifizieren könne. Alt: "Jedes Talent wird gebraucht." Für die Studie hat das Marktforschungsinstitut Allensbach im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit insgesamt 306 Betriebe befragt, die einstige Hartz-IV-Empfänger angestellt haben.
Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung
Teil der Fachkräfteoffensive der Bundesregierung ist das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung. Es unterstützt vor allem kleine und mittlere Unternehmen mit Informationen und praxisnahen Hilfen zur Fachkräftesicherung. Die Information erfolgt dabei über verschiedene Wege: das Internetportal kompetenzzentrum-fachkraeftesicherung. de, regionale Veranstaltungen und Unternehmenswerkstätten. In Praxisbeispielen werden Erfolge anderer Unternehmen bei der Fachkräftesicherung illustriert. Handlungsempfehlungen zeigen, welche Möglichkeiten die Unternehmen schon jetzt haben, ihre Potenziale zu nutzen. Nutzer erfahren, welche weiteren Initiativen es auch auf regionaler Ebene gibt.
