Hartgekochte Weicheier
Wer Karl-Theodor zu Guttenberg, beschützt von Stahlhelm und schusssicherer Weste, an der Seite der Bundeswehrsoldaten im Sommer sicheren Schrittes durch Kundus in Afghanistan marschieren sah, der kann sich gut vorstellen, wie der Verteidigungsminister in früheren Jahren bei seinem Wehrdienst als Gebirgsjäger in Mittenwald furchtlos durch das Karwendel kletterte. In Unterhose auf den langen Fluren eines Kreiswehrersatzamtes, darauf wartend, gemessen und gewogen zu werden, in einen Becher zu pinkeln und abschließend von einem Militärarzt befummelt zu werden - so kann man sich den selbstsicheren Minister aber beim besten Willen nicht vorstellen. Kein Wunder also, dass erst Herr zu Guttenberg als Verteidigungsminister die Befehlsgewalt über die Bundeswehr bekommen musste, damit die Musterung ausgemustert wird - jenes Initialisierungsritual, ohne das junge Männer nicht als solche prahlen durften. Aber vielleicht hat die Sache ja auch einen anderen Hintergrund: Laut einer Studie sind nämlich zwischen 1995 und 2005 rund 40Prozent aller Rekruten beim Fitnesstest durchgefallen.
Die Freude des einen oder anderen Handwerkmeisters über die Aussetzung der Musterung und in deren Gefolge der Wehrpflicht, könnte also getrübt werden. Zwar müssen Gesellen nicht mehr zum Bund einrücken, dafür müssen die Lehrmeister künftig selbst all die Weicheier hartkochen, damit sie später an der Werkbank ihren Mann stehen.ste