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TV-Kritik "hart aber fair" zur Zukunft des Autos: Um den heißen Brei

Wie sieht sie aus, die Zukunft des Automobils, in Zeiten von Diesel-Gate und Feinstaub-Alarm? Das wollte Frank Plasberg bei "hart aber fair" von seinen Gästen wissen. Ein Österreicher stellte steile Thesen auf, eine Kfz-Mechatronikerin hielt dagegen. Zur Wahrheitsfindung trug all das nicht viel bei, und die wichtigste Frage wurde gar nicht erst gestellt.

In letzter Zeit war es ein wenig ruhig geworden um die Diesel-Affäre, die Stickoxide und die blaue Plakette. Neben Migration und Kohleausstieg fristeten die Themen auch bei den Jamaika-Sondierungen eher ein Schattendasein. Dabei haben es die Konsequenzen, die aufgrund der Betrügereien deutscher Autokonzerne und der jahrelangen Überschreitungen von Grenzwerten im Raum stehen, in sich: Nicht nur Software- sondern auch teure Hardware-Updates an betroffenen Autos - und vor allem Fahrverbote in Städten mit all ihren Auswirkungen etwa für Anwohner, Handwerker und Dienstleister.

Bemerkenswert im positiven Sinne also, dass Frank Plasberg dem Thema unter dem plakativen Titel "Stadtverstopfer, Luftverpester: Muss das Auto an den Pranger?" bei "hart aber fair" überhaupt Aufmerksamkeit schenkte. Bemerkenswert im negativen Sinne unterdessen, dass die Runde in 75 Minuten kaum zu den wichtigen Aspekten vordrang und die Sicht des Mittelstands außer Acht ließ.

"Autofeind" vs. Kfz-Mechatronikerin

Dass es so kam, lag in erster Linie an Werner Schneyder. Der österreichische Kabarettist, von Plasberg als "Autofeind" eingeführt, machte aus seiner Antipathie gegen fast alles, was vier Räder hat, keinen Hehl. Er bezeichnete in einem Einspieler gezeigte SUV-Fahrer als "Schwachköpfe" und verstieg sich zu der Aussage, wenn er im Railjet (eine Art österreichischer ICE; d. Red.) in der Business Klasse säße - er könne sich das leisten - dann denke er, er sei ein zivilisierter Mensch. Angesichts derart moralischer Aufladung des Themas und starker Polarisierung war ein sachliches Gespräch schwierig.

Neben Schneyder saß Lina Van de Mars. Die ist gelernte Kfz-Mechatronikerin, arbeitet aber als Moderatorin und Rennfahrerin. Sie sprach von Fahrrädern, die Städte "vermüllen" und den Autos die Parkplätze wegnähmen - ganz Schneyders Widerpart. Im Verlauf der Debatte warf sie aber auch praxisnahe Argumente ein. So korrigierte sie die Behauptung, in der Motor-Technologie habe sich in den vergangenen Jahrzehnten nichts getan, und verwies darauf, dass mit dem Kfz-Mechatroniker ja gerade aufgrund der Weiterentwicklung ein neuer Beruf eingeführt wurde. Und sie war es - wohl auch aufgrund ihrer Vita - die angesichts drohender Fahrverbote ausrief: "Denken Sie an die Handwerker!"

Politiker bleiben blass

In dieser Beziehung war sich Van der Mars mit Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, einig. Der versuchte immer wieder, die wirtschaftlichen Konsequenzen von Fahrverboten sowie die Auswirkungen der Debatte auf Millionen Arbeitsplätze herauszustellen, und gab sich ansonsten bußfertig nach dem Motto: Wir haben verstanden. Eine Aussage, was die Autoindustrie konkret tun will, um Fahrverbote zu vermeiden, blieb er indes schuldig. Die beiden Politiker in der Runde, Dorothee Bär (CSU), zuletzt Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, und Stefan Wenzel, grüner Noch-Umweltminister in Niedersachsen, blieben relativ blass. Bär rügte immerhin regelmäßig eine allzu "städtische Sicht" und empfahl einen Blick auf das Land, wo das Auto wichtig für die Mobilität sei.

Und so kreiste die Debatte um Themen wie Auto als Lifestyle, Umweltschutz und Carsharing. Kurz wurde es interessant, als es um intelligente Verkehrskonzepte ging, die Staus vermeiden und Innenstädte entlasten könnten, was im Übrigen auch für all diejenigen ein Vorteil wäre, die ihre Kundschaft genau dort aufsuchen müssen. Doch man ging nicht ins Detail, und eine der wichtigsten Fragen wurde überhaupt nicht gestellt: Was es konkret bedeuten würde, wenn die Mehrzahl der Dieselautos die Innenstädte nicht mehr befahren dürfte. Dabei träfe das gerade viele Handwerksbetriebe hart - die Horrorvision nennt sich Blaue Plakette. Und Werkzeug und Gerätschaften mit dem Fahrrad zum Kunden zu fahren, stellt nun mal keine echte Alternative dar. Wie derartigen Härten etwa mit übergangsweise geltenden Bestandsschutz-Regelungen für gelackmeierte Dieselfahrer und Unternehmer begegnet werden und insgesamt dennoch ein Beitrag zur Luftreinhaltung geleistet werden könnte, auf solch schwieriges Terrain wagte sich die Runde zu keinem Zeitpunkt. Wenn die Jamaika-Sondierer die Thematik alsbald wieder aufgreifen, ist ihnen jedenfalls deutlich mehr Analysefähigkeit zu wünschen -im Sinne der Umwelt, der Dieselfahrer und der Unternehmen.

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