Der 31. Bundesligaspieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Hannover 96: Zugreisende im Gegentorhagel

Ein Glück, dass die Bundesligaprofis von Hannover 96 am Samstag nicht einem ihrer liebsten Hobbys nachgegangen sind, nämlich dem Erzielen von Eigentoren. Sonst hätte das Debakel von München vielleicht historische Züge angenommen, meint Stefan Galler in der DHZ-Bundesligakolumne.

Hannover 96: Zugreisende im Gegentorhagel

Meisterbetrieb: Robben, Tore und Spektakel

Ein Glück, dass die Bundesligaprofis von Hannover 96 am Samstag nicht einem ihrer liebsten Hobbys nachgegangen sind, nämlich dem Erzielen von Eigentoren. Sonst hätte das Debakel von München vielleicht historische Züge angenommen. Nun gut, auch ein 0:7 ist nicht wirklich alltäglich, genauso wenig wie die Tatsache, dass Hannovers Spieler wegen der Vulkanwolke und dem Flugverbot über Deutschland mit dem Zug aus Niedersachsen nach Bayern reisten und einige Spieler die Fahrt wegen der gnadenlosen Überbuchungen beim Bahnverkehr stehend verbrachten. Eine ähnliche Position nahmen die 96-Profis auch während der Spiels ein, denn in Sachen Laufarbeit war vom Abstiegskandidaten nicht viel zu sehen.

Ganz im Gegensatz zu den Bayern, die selbst beim Stand von 5:0 noch rannten, als sei Jürgen Klinsmann hinter ihnen her. Dabei steht doch am Mittwoch das Champions-League-Halbfinalhinspiel gegen Lyon auf dem Programm. Selbst der hyper-empfindliche Arjen Robben ließ es sich nicht nehmen, 90 Minuten Vollgas zu geben, er erzielte drei Treffer, verschliss ebenso viele Gegenspieler und freute sich hinterher, dass seine Mannschaft endlich mal nicht mit einem soliden Vorsprung im Rücken aufgehört hatte, Fußball zu spielen. Für einen wie Robben geht es nur um Fußball, um Tore und Spektakel. Deshalb kann er auch ganz und gar nicht verstehen, dass sein artverwandter Kollege Franck Ribéry in diesen so entscheidenden Tagen an seine persönliche Zukunft denkt, während der Woche gab der Niederländer dem Franzosen einen entsprechenden Rüffel mit. Vielleicht ja der wahre Grund dafür, dass Ribéry bei seiner Auswechslung so stinkig war. Aber seine Laune war natürlich noch nichts im Vergleich zu jener der Gäste, deren Fans in Scharen schon vorzeitig die Münchner Arena verließen.

Bleibt die Frage, wie die Bayern den Sturmlauf kräftemäßig weggesteckt haben. Champions-League-Gegner Lyon hat sich ja vorsorglich fürs kommende Wochenende schon mal freigenommen, um sich nun voll und ganz auf die Bayern-Vergleiche konzentrieren zu können. Ähnliches wäre in Deutschland undenkbar, weshalb van Gaal tobt. Tipp an den FCB: Einfach am Mittwoch ein ähnliches Schützenfest veranstalten wie gegen 96, dann kann Lyon bis zum Rückspiel machen, was es will. Gerne auch faulenzen.

Gesellenstück: Trampelnder Schleicher

Der Bayern-Triumphzug überstrahlte am Wochenende alles, da bleibt für die Konkurrenz nur der ein oder andere Seitenblick. So etwa auf die einzig verbliebenen Bayern-Jäger aus Schalke, die so große Hoffnungen darauf gesetzt hatten, ihr früherer Trainer Mirko Slomka würde den Bayern ein Bein stellen. Die Erfüllung dieses Wunsches wurde – sagen wir so – knapp verfehlt. Wenigstens hatten die Königsblauen zuvor selbst ihre Hausaufgaben gegen Gladbach gemacht: 3:1 siegte S04, Coach Magath träumt offensiv wie nie von der Meisterschaft und hat nebenbei noch den Nerv, einem weiteren Youngster namens Gavranovic zu seinem Bundesligadebüt zu verhelfen. Der holte den entscheidenden Elfer gegen die Borussia heraus, der die Knappen weiterhin träumen lässt vom Ende der tristen titellosen Zeit. Nun hofft man auf Schalke vor allem darauf, dass die Bayern im Champions-League-Halbfinale ganz viele Körner lassen und in der Liga noch einmal ausrutschen. Dann wäre der Meister-Schleicher Magath bestimmt so frei und würde herzhaft zur Schale greifen, schließlich sieht er sie nach drei Triumphen in den letzten vier Jahren vermutlich ohnehin bereits als sein persönliches Eigentum an.

Erstes Lehrjahr: Frohnaturen und Miesepeter

Noch vergangene Woche machte Jürgen Klopp trotz seiner verkorksten Rückkehr in die alte Mainzer Heimat gute Miene zum bösen Spiel – in der Heimpartie seiner Dortmunder Borussia gegen Hoffenheim lief jedoch so viel schief, dass selbst Frohnatur Kloppo nichts mehr zu lachen hatte. Sahin und Zidan verletzt, ein reguläres Tor nicht anerkannt und dann auch noch in der letzten Minute den 1:1-Ausgleich kassiert, wer sich da nicht ärgert, der habe laut Klopp "nicht alle Latten am Zaun". Zumal jetzt, im Endspurt im Kampf um die Champions League Plätze. Und da gibt es neben dem BVB noch mindestens zwei Bewerber: Den früheren Langzeit-Tabellenführer Bayer Leverkusen, der zuletzt völlig den Faden verloren hat und Werder Bremen, das von allen Spitzenteams am befreitesten aufspielen kann, weil zumindest die Europa League durch das Erreichen des Pokalfinals schon mal fix ist. Dass die Bremer nun schon Dritter sind, liegt auch an ihrer perfekten inneren Balance. Kein Wunder, hat Werder doch sowohl den best-, wie auch den übelstgelaunten Profi der Liga in seinen Reihen. Grinsekuchen Claudio Pizarro, der Sorge, Missmut und Ärger definitiv nicht im Repertoire hat, wird vermutlich noch vor Saisonschluss Giovane Elbers Bestmarke als treffsicherster Bundesliga-Ausländer aller Zeiten überflügeln. Auf der anderen Seite des Stimmungsszenarios steht Dauer-Grantler Torsten Frings, der traditionell zum Lachen in den Keller geht und sich auch ständig von irgendjemandem verfolgt fühlt.

Derzeit ist Jogi Löw der persönliche Feind des Mittelfeldrackerers, weil der ihn nicht mehr als Nationalspieler sieht. Und Frings, der zugegebenermaßen beim 4:2 gegen Wolfsburg richtig stark gekickt hat, gibt das trotzige Kind, dem man sein Lieblingsspielzeug weggenommen hat. Mal sehen, ob sich Frings wenigstens nach dem 34. Spieltag stimmungsmäßig Kumpel Pizarro angleicht – wenn Bremen die Champions-League-Quali erreicht hat.

Zwei linke Hände: Böse Tante besucht alte Dame

Es ist wie beim längst angekündigten Besuch der ungeliebten Tante: Man ist ziemlich sicher, dass sie irgendwann aufkreuzt, hofft insgeheim, dass sie doch noch absagt und einen anderen Neffen heimsucht. Irgendwann klingelt es dann und sie steht vor der Tür. Für die Profis von Hertha BSC ist die querulantische Verwandte niemand anderes als der Abstieg in die Zweite Liga, am Sonntagnachmittag nun stellte das böse Weib schon mal seine Koffer in den Flur. Nur Berlins Trainer Friedhelm Funkel will weiterhin nicht wahrhaben, dass es für die schon seit Monaten dem sportlichen Ableben geweihten Hauptstädter nun kein Entrinnen mehr gibt. Er träumt angesichts eines Restprogramms mit Spielen gegen Schalke, Leverkusen und Bayern immer noch Klassenerhalt, spricht weiterhin davon, dass am letzten Spieltag abgerechnet wird und betont bei jeder Gelegenheit, um wie viel besser die Berliner spielen, seit er die Verantwortung für das Team hat. Da spätestens wird dann allen Hertha-Fans klar, dass nicht der Bundesligaabstieg die böse Tante der alten Dame ist, sondern Friedhelm Funkel.