Das Duisburger Familienunternehmen Haniel will "enkelfähig" werden. Die 255 Jahre alte Traditionsfirma, die bislang einen Großteil ihrer Mittel beim Handelsriesen Metro und dem Pharmahändler Celesio gebunden hat, sucht deshalb derzeit nach neuen, zukunftssicheren Wachstumsfeldern.
Haniel will "enkelfähig" werden
Duisburg (dapd). Das Duisburger Familienunternehmen Haniel will "enkelfähig" werden. Die 255 Jahre alte Traditionsfirma, die bislang einen Großteil ihrer Mittel beim Handelsriesen Metro und dem Pharmahändler Celesio gebunden hat, sucht deshalb derzeit nach neuen, zukunftssicheren Wachstumsfeldern.
Wichtiges Kriterium für das Engagement sei dabei nicht nur das Ertragspotenzial, sondern auch die Nachhaltigkeit des Geschäfts, sagte Konzernchef Jürgen Kluge am Montag in Duisburg. "Wir wollen nicht viel Geld verdienen, weil wir die Umwelt verschmutzen, oder die Angestellten ausbeuten. Wir suchen nach Geschäftsideen, die gut sind für die Umwelt, gut für die Mitarbeiter und bei denen wir profitabel arbeiten können", fügte Kluge hinzu. Das Unternehmen wolle sich für die nächsten 250 Jahre fit machen.
Kluge, der seit knapp 16 Monaten an der Haniel-Spitze steht, will dazu die Abhängigkeit des Konzerns von seinen Großengagements bei Metro und Celesio verringern und das Portfolio auf Dauer deutlich stärker ausbalancieren. Er strebt eine ausgewogene Mischung aus kleineren und größeren Unternehmen an. Außerdem sollen Umsatz und Ergebnis gleichmäßig auf die Wachstumsregionen verteilt werden. Dies soll das Unternehmen widerstandsfähiger gegenüber Krisen machen. 2010 sei hierfür das Jahr der Analyse und Planung gewesen. "2011 wird das Jahr der Umsetzung sein", sagte der Konzernchef.
Als mögliche Wachstumsfelder hatte Kluge erst kürzlich in einem Interview die Bereiche Wasseraufbereitung, Handel mit Medizintechnik oder Bildung in China genannt. Gebremst wird Kluge bei seinen Plänen derzeit allerdings durch die hohe Schuldenlast des Konzerns, die Zukäufen enge Grenzen setzt.
Zwar könnte Haniel, um finanziellen Spielraum zu gewinnen, auch seine Mehrheitsbeteiligung an Celesio oder einen Teil seines Metro-Aktienpakets zum Verkauf stellen, doch wäre dies im Moment wohl finanziell nicht lukrativ. Kluge betonte: "Zu sagen, dass man einen Portfolioumbau über Nacht macht, wäre völlig unverantwortlich." Man müsse kaufen, wenn die Preise günstig seien, und verkaufen, wenn die Preise hoch seien. Haniel stehe hier auch nicht unter Zeitdruck, da das Unternehmen im operativen Geschäft sehr solide aufgestellt und langfristig durchfinanziert sei.
Im vergangenen Jahr profitierte Haniel vom konjunkturellen Rückenwind. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Krisenjahr 2009 um rund 12 Prozent auf 27,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis fiel mit 663 Millionen Euro mehr als doppelt so hoch aus wie im Vorjahr. Der Nettogewinn war mit 454 Millionen Euro sogar mehr als 20-mal so hoch wie 2009.
Die Ausschüttung an die Familienaktionäre bliebt dagegen mit 60 Millionen Euro auf Vorjahreshöhe, so dass das Unternehmen zusätzlichen finanziellen Spielraum bekam. Auch der Start ins neue Jahr verlief gut. "Wir sind deutlich über Vorjahr. Und wir sind über Plan", sagte der Manager.
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