Handwerk erleichtert das "Sehen" Handwerkskunst: Schmuck für blinde Menschen

In der Goldschmiede Meusser wird seit über 35 Jahren individueller Schmuck für Blinde angefertigt, zum Beispiel ein Trauring mit einer Widmung in Blindenschrift. Im Handwerk gibt es einige Gewerke, die sehbehinderten oder gar blinden Menschen mit ihrem Know-how den Alltag erleichtern und verschönern.

In der Goldschmiede Meusser werden Trauringe mit Blindenschrift angefertigt. - © ZDH

Über eine Million Menschen in Deutschland sind sehbehindert. Das heißt ihnen stehen weniger als 30 Prozent ihres Sehvermögens zur Verfügung, um ihre Umwelt in ihrer visuellen Vielfalt wahr-zunehmen.

Damit sehschwache und blinde Menschen ihr Berufs- und Alltagsleben dennoch so uneingeschränkt wie möglich gestalten können, gibt es zahlreiche Handwerker, die mit Know-how und viel Herz innovative Produkte entwickeln.

Allen voran die Augenoptiker, die mit Brillen und Kontaktlinsen das Sehvermögen ihrer Kunden verbessern. Aber auch Elektrotechniker, die akustische Übersetzungsmedien für Blinde herstellen, und Siebdrucker, die Buchstaben mittels einer speziellen Braille-Drucktechnik erfühlbar werden lassen.

Präzise Instrumente für die Augenchirurgie

Seit der Gründung vor über 60 Jahren verfolgt beispielsweise die Geuder AG aus Heidelberg das Ziel, Augenkrankheiten zu heilen und Blindheit abzuwenden. Ihre präzisen Instrumente, Gerätesysteme und biokompatiblen Flüssigkeiten für die Augenchirurgie sind weltweit aus den Operationssälen nicht mehr wegzudenken. "Wir verbinden handwerkliche Maßarbeit mit richtungsweisenden Innovationen", so Volker Geuder, Vorstand des mittelständischen Unternehmens.

Die Entwicklung neuer Produkte findet im engen Austausch mit Augenärzten statt. "Unsere Instrumente und Systeme sind dadurch optimal auf die Bedürfnisse der Mediziner abgestimmt", erklärt der ausgebildete Chirurgie-Mechaniker. Mit über 3.000 verschiedenen Präzisionsinstrumenten, die es in mittlerweile über 90 Länder exportiert, gehört sein Unternehmen zu den führenden Herstellern in der Medizintechnik.

Und auch die augenmedizinische Betreuung von Menschen in Schwellenländern liegt Geuder am Herzen. "Wir unterstützen seit Jahrzehnten nationale und internationale Hilfsprojekte", so der Heidelberger. "Wichtig ist uns dabei vor allem die Nachhaltigkeit der Projekte."

Die Projekte reichen von gemeinsamen Kletterveranstaltungen mit blinden und sehenden Schülern über den Aufbau eines augenmedizinischen Schulungszentrums in Indien bis hin zur Eröffnung einer Augenklinik in der peruanischen Andenmetropole Cusco. Für den Augenoptikermeister Peter Meyer ist soziales Engagement ebenfalls selbstverständlich.

Seit nunmehr 25 Jahren sammelt der Osnabrücker gebrauchte Brillen für die Bewohner der afrikanischen Stadt Arusha. In Afrika stellt eine Brille den Gegenwert von sechs bis acht Monatslöhnen dar und wäre ohne die Hilfe von Meyer für die meisten der dort lebenden Menschen unerschwinglich.

Zum Start des Hilfsprojekts brachte der 46-jährige die Spenden persönlich nach Tansania und bildete vor Ort eine Massai zur Augenoptikerin aus. "An das Lächeln der Menschen, nachdem wir für sie Brillen mit der passenden Sehstärke ausgewählt hatten, erinnere ich mich noch heute", berichtet Meyer.

Für ihn ist die Verbindung von Handwerk, Medizin und Mode eine Herzensangelegenheit – "Egal, ob das in Osnabrück oder in Tansania ist", so der Augenoptiker. Auch in der niedersächsischen Heimat findet Meyer mit seinem Team das passende Modell für jeden Kunden.

Trauringe mit Widmung in Blindenschrift

Auch für die besonderen Momente im Leben gibt es Profis im Handwerk, auf die sich blinde Menschen verlassen können. In der Marburger Goldschmiede Meusser wird seit über 35 Jahren individueller Schmuck angefertigt.

Zu seinem Sortiment gehören auch Trauringe mit persönlicher Widmung in Blindenschrift – wie dem Namen des Partners oder dem Hochzeitsdatum. Dazu werden Löcher in den Ring gebohrt, in die dann Goldstifte gelötet werden. Anschließend werden sie von Meisterhand rund gefeilt.

"Das Schöne am Beruf des Goldschmieds ist der enge Kundenkontakt. Die Schmuckstücke werden nicht nur für, sondern auch mit dem Kunden erarbeitet", so Inhaber Thomas Graumann. "Es macht mir Spaß, hochwertige Schmuckarbeiten und persönliche Geschichten miteinander zu verbinden." Dank seiner Arbeit wird der schönste Tag des Lebens auch für Blinde in einem handwerklichen Meisterwerk festgehalten. dhz