Die IG Metall fordert von der neuen Bundesregierung zielgerichtete Investitionen für das Handwerk. Die Arbeitnehmervertreter wünschen sich, dass der Zukunftsdialog zwischen Politik, Arbeitgebern und Gewerkschaften fortgesetzt wird.

Die IG Metall hat auf ihrer Bundeshandwerkskonferenz in Frankfurt Erwartungen an die künftige schwarz-rote Bundesregierung formuliert. Für die zwei Millionen Handwerks-Beschäftigten im Bereich der Gewerkschaft steht ein zielgerichteter Einsatz des beschlossenen Investitionspakets im Mittelpunkt der Forderungen.
"Es gilt, die Zukunftsfähigkeit von Handwerksbetrieben zu sichern, Fachkräfte zu begeistern und sie im Handwerk zu halten. Die Politik muss jetzt verlässliche Rahmenbedingungen schaffen", heißt es in einer Resolution, die am 30. März 2025 in Frankfurt beschlossen wurde.
Unterstützung für Sondervermögen
Die 140 Teilnehmer der Bundeshandwerkskonferenz und die IG Metall-Arbeitnehmervizepräsidenten der Handwerkskammern betonten, dass eine verbesserte Infrastruktur sowohl der Industrie als auch dem Handwerk nutze. Als zentrale Themen nannten sie die Energiewende, nachhaltiges Wirtschaften, Digitalisierung, Mitbestimmung, Tarifbindung und Fachkräftesicherung.
Nadine Boguslawski, Tarif- und Handwerks-Vorständin der IG Metall, unterstrich die Bedeutung des von der künftigen Bundesregierung vereinbarten Sondervermögens. "Wichtig ist, dass die 500 Milliarden Euro zielgenau und tarifgebunden investiert werden. Das Land braucht eine Grundsanierung und einen genauen Weg in moderne, bezahlbare und ökologische Energien, Lade- und Netz-Infrastruktur und Elektromobilität."
Die Gewerkschafterin sieht Vorteile für verschiedene Handwerksbranchen: "Von einem Ausbau der industriellen Infrastruktur profitiert auch das Handwerk: vom Zulieferer über den Elektrohandwerksbetrieb bis hin zu Tischlereien und Schlossereien. Politik und Arbeitgeber müssen die Zukunftsfähigkeit von Handwerksbetrieben und ihrer Beschäftigten sichern."
Tarifbindung als Schlüssel zur Fachkräftesicherung
Die Forderungen der IG Metall stehen im Kontext ihrer grundsätzlichen Position zum Handwerk. Bereits in einem früheren Positionspapier hatte die Gewerkschaft einen "neuen Ordnungsrahmen für das Handwerk" gefordert.
Ein zentrales Anliegen der Gewerkschaft ist die Stärkung der Tarifbindung. Nach Angaben der IG Metall werden nur noch etwa 30 Prozent der Beschäftigten im Handwerk nach Tarif entlohnt. Die Lohndifferenz zu anderen Branchen betrage 20 Prozent. Dies führe dazu, dass etwa zwei Drittel der jungen Gesellen in andere Branchen abwandern.
Boguslawski hatte die Bedeutung der Tarifbindung bereits früher betont: "Mit Tarifbindung ist ein Unternehmen attraktiver für die Beschäftigten, sie ist eine Art Gütesiegel. In den Branchen, für die wir als IG Metall zuständig sind, besteht eine höhere Sicherheit für die Beschäftigten – und sie sind zufriedener."
Abwanderung als Problem
Die IG Metall sieht in der Tarifbindung auch einen wesentlichen Faktor zur Lösung des Fachkräftemangels: "Unser größtes Problem besteht doch darin: 60 Prozent der jungen Menschen, die im Handwerk teilweise eine tolle Ausbildung gemacht haben, werden von anderen Branchen abgegriffen und wandern ab – auch weil es an Attraktivität in einigen Handwerksberufen mangelt."
Für die Umsetzung ihrer Forderungen schlägt die Gewerkschaft einen neuen Zukunftsdialog zwischen Bundesregierung, Arbeitgebern und Gewerkschaften vor. "Für einen fortgesetzten Zukunftsdialog für einen gelingenden Wandel und gute Arbeitsbedingungen stehen wir bereit", erklärte Boguslawski zum Abschluss der Bundeshandwerkskonferenz. str