Cloud Computing Handwerker werden zu Netzwerkern

Der Begriff Cloud Computing hat sich mittlerweile etabliert. Gemeint sind damit Anwendungen und Arbeitsabläufe, die sich direkt über das Internet steuern lassen. Wie Handwerksbetriebe konkret davon profitieren können, dieser Aufgabe widmet sich gemeinsam mit den Anwendern das Forschungsprojekt Cloudwerker.

Lothar Lochmaier und Steffen Guthardt

Netzwerke sind wichtig, ob technisch oder als Kommunikationshilfen. Mit Cloud Computing werden sie immer virtueller. - © Foto: Christa Eder/Fotolia

Das Vorhaben wurde im Dezember 2011 gestartet. Zunächst wurden insgesamt 368 Handwerksbetriebe in ganz Deutschland befragt. Auch die Handwerkskammern zeigten reges Interesse.

Deutlich wurde aber auch, dass es vielfach noch an Informationen und Aufklärung mangelt, was sich hinter dem Zauberwort Cloud Computing verbirgt.

Handwerker noch unerfahren

"Da sich noch kein Qualitätsstandard für Cloud-Anwendungen durchgesetzt hat, fällt es Handwerksunternehmern oft schwer, die Angebote zu vergleichen und deren wirklichen Nutzen abzuschätzen", gibt Holger Kett vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) zu bedenken. "Darüber hinaus ist der Wissensstand über Cloud Computing bei den Handwerksbetrieben sehr unterschiedlich."

Deshalb stünden bei den Anwendern zunächst grundlegende Fragen im Vordergrund: Was bedeutet Cloud Computing? Wie sicher und vertrauenswürdig sind cloudbasierte Angebote? Oder: Wie hoch sind der Aufwand und der zu erzielende Nutzen bei der Nutzung von Cloud-Anwendungen?

Auftrag übers Internet

Ein konkretes Szenario verdeutlicht, worum es bei dem Projekt CLOUDwerker geht: Familie L. möchte eine Wand sanieren lassen und erstellt eine Anfrage beim Internet-Portal handwerkerfinden.com. Meister S. vom Maurerbetrieb S. & Söhne beginnt seinen Arbeitstag mit der Sichtung seines Profils auf der CLOUDwerker-Plattform (CWP). Das nun in Gang gesetzte Verfahren läuft fast wie von Geisterhand gesteuert.

Der automatische Abgleich seines Dienstleistungsprofils mit in Frage kommenden Aufträgen in Handwerksportalen beziehungsweise mit Aufträgen der öffentlichen Hand durch das CWP-Auftragsplanungsmodul informiert den Handwerksbetrieb über die Anfrage von Familie L. Um den Auftrag übernehmen zu können, benötigt Meister S. jetzt konkrete Unterstützung bei der Statikprüfung und bei den Malerarbeiten.

Über die Suchfunktion der CWP setzt er direkt im Netz eine gezielte Anfrage nach geeigneten Subunternehmern ab. Den angebotenen Maler sowie den Statiker fragt Meister S. nun über die Online-Plattform an. Nach Sichtung der Anfrage erklären sich beide bereit, die Arbeiten unter der Leitung von Firma S. & Söhne zu erledigen.

Das Auftragsplanungsmodul definiert anschließend den gemeinsamen Arbeitsbereich und verknüpft die vorhandenen Informationen. Es kann losgehen: Herr S. bittet Familie L. um eine Sichtung vor Ort. Die daran beteiligten Unternehmen können bequem mit mobilen Endgeräten auf bereits existierende Daten zugreifen und damit weiterarbeiten. Das soeben beschriebene Szenario von der Auftragsvergabe über die Abwicklung bis hin zur Abrechnung und Buchhaltung ist längst keine Zukunftsmusik mehr.

All dies könnte sich künftig nicht mehr auf fest installierten Programmen im Personal Computer abspielen, sondern direkt im Netz, in der "Wolke". Sprich, der Handwerker hätte Zugriff auf alle Anwendungen von jedem beliebigen Standort aus. Im Fachjargon bezeichnen Experten diesen Trend als Cloud Computing.

Gerade bei den genannten grundlegenden Fragestellungen setzt CLOUDwerker an. Denn die Nutzung moderner Cloud-Technik führt auch zu einer erhöhten Abstraktion der Arbeitsabläufe. „Es ist deshalb wichtig, die Kompetenz, Qualifikation und das Können der Mitarbeiter in den Betrieben auf diese Herausforderung vorzubereiten“, empfiehlt Welf Schröter, Leiter des Forums Soziale Technikgestaltung.

Offene Service-Plattform

"Darauf aufbauend ist das Ziel des Förderprojekts CLOUDwerker- eine vertrauenswürdige, offene und cloudbasierte Service-Plattform für Handwerksunternehmen zu konzipieren und prototypisch umzusetzen, über die Softwareanbieter mittels Internet Handwerkern Softwarefunktionalitäten zur Verfügung stellen können. Das Projekt CLOUDwerker untersucht in diesem Zusammenhang innovative Anwendungsbereiche, in denen Handwerker von Dienstleistungen aus der Wolke profitieren", führt Mark Hefke an, Manager Innovation & Business Design beim IT-Spezialisten CAS Software und Projektleiter des Förderprojekts CLOUDwerker.

Und so geht es im eingangs beschriebenen Praxisbeispiel bis zum Projektabschluss weiter: Meister S. kontrolliert über die Cloudwerker-Plattform (CWP) den aktuellen Baufortschritt. Auch Frau L. die gerade geschäftlich unterwegs ist, kann sich über die CWP-Kunden-App auf ihrem Smartphone über den Stand der Arbeiten informieren. Am Abend bestätigt Meister S., dass die Arbeiten an der Wand erfolgreich fertig gestellt sind.

Moderne Zahlungsabwicklung

Handwerker S. generiert daraufhin über das CWP-Rechnungsmodul (RM) aus allen Teilleistungen eine Rechnung und verschickt diese an Familie L. Nach zwei Wochen informiert das CWP-Forderungsmodul Herrn S. über einen Zahlungsverzug und verschickt eine freundliche Erinnerung. Familie L. überweist kurz darauf den offenen Rechnungsbetrag.

Meister S. gibt über das Rechnungsmodul die Zahlungen an die Subunternehmen frei, bewertet die kooperierenden Unternehmen und archiviert den abgeschlossenen Auftrag. Abschließend bearbeitet S. gemeinsam mit seinem Steuerberater die Schlussbilanz für das aktuelle Kalenderjahr und übermittelt diese per CWP-E-Bilanz an das zuständige Finanzamt.

Weitere Informationen finden Handwerksbetriebe unter www.cloudwerker.de