Zukunft der Kreditversorgung Handwerker sorgen sich um die Sparkassen

Regionalbanken dünnen ihr Filialnetz aus. Das trifft auch das Handwerk. Betriebe bangen um ihre Kreditversorgung.

Steffen Range

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    Banken in Europa stehen unter Aufsicht. EU-Staaten und EU-Parlament einigten sich auf die Einrichtung einer neuen Finanzbehörde.
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    Sparkassen und genossenschaftliche Institute sind die wichtigsten Partner des Handwerks. Bei Krediten ans Handwerk erreichten Sparkassen und Landesbanken im vergangenen Jahr einen Marktanteil von 74,5 Prozent.

Die Sparkassen wappnen sich für harte Zeiten. Filialen werden geschlossen, Gebühren erhöht. Der deutsche Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon brachte unlängst auf dem Sparkassentag sogar Negativzinsen, also Strafgebühren, auf hohe Einlagen ins Spiel. Es besteht kein Zweifel: Den deutschen Sparkassen ging es schon einmal besser.

Professor Bernd Nolte, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft 4P Consulting und einer der besten Kenner der Sparkassen-Organisation, prophezeit Regionalbanken einen "dramatischen Rückgang der Ertragslage“. Verschiedene Studien sagen voraus, dass in den nächsten Jahren 15 bis 40 Prozent der Geschäftsstellen wegfallen. Das betrifft sowohl die Sparkassen als auch die Volks- und Raiffeisenbanken. "Das ist eine Tatsache: Sie ziehen sich aus der Fläche zurück und dünnen ihr Filialnetz aus“, sagt Stefan Rössler, Geschäftsbereichsleiter Unternehmensberatung bei der Handwerkskammer Ulm.

Sparkassen wichtiger Partner fürs Handwerk

Viele Handwerker sind besorgt, dass ihnen mit den Sparkassen und Genossenschaftsbanken ihre bedeutendsten Finanzpartner abhandenkommen könnten. Kleine Betriebe aus der Provinz klagen bereits, sie bekämen keine Kredite mehr. Einige fühlen sich nicht mehr willkommen, manche behaupten, sie würden unter dem Vorwand bürokratischer Vorgaben abgewimmelt.

Tatsächlich sind Sparkassen und genossenschaftliche Institute die wichtigsten Partner des Handwerks. Bei Krediten ans Handwerk erreichten Sparkassen und Landesbanken im vergangenen Jahr einen Marktanteil von 74,5 Prozent. Mehr als 62 Prozent aller Handwerksbetriebe unterhalten eine Geschäftsbeziehung zur Sparkasse. Finanzkonzerne wie die Deutsche Bank spielen im Geschäft mit Kleinunternehmern dagegen "so gut wie keine Rolle“, so Nolte. Die Regionalbanken wüssten um die Stärken ihrer "bodenständigen und treuen“ Kundschaft, sagt Stefan Rössler von der Handwerkskammer Ulm. "Sie verstehen Unternehmen mit einer Betriebsgröße von zehn bis 20 Mitarbeitern mit all ihren Stärken und Schattenseiten“, pflichtet Nolte bei.

Darlehen für kleine Betriebe besonders problematisch

Doch das Geschäftsmodell der kleinen Banken gerät ins Wanken. Sie verdienen mit dem Geldverleih kaum noch etwas, seitdem die Europäische Zentralbank den Zins praktisch abgeschafft hat. Außerdem kommen immer weniger Kunden in die Filialen, gerade auf dem Land lohnt sich der Betrieb vieler Geschäftsstellen nicht mehr. Dazu gesellen sich bürokratische Zwänge aus Brüssel, die die Banken viel Geld kosten und hohen Aufwand bescheren. Jene Vorschriften etwa führen dazu, dass ein Kleinkredit für einen Friseursalon fast ebenso aufwendig auszuhandeln ist wie ein großes Darlehen für einen Metallbauer.

"Die Sparkassen werden künftig selektiver arbeiten“, glaubt Franz Falk. Der Finanzexperte der Handwerkskammer Region Stuttgart mutmaßt, Sparkassen würden es sich künftig zweimal überlegen, ob sie sich auf ein „kleinteiliges Geschäft mit potenziell schwierigen Kunden“ einließen. Kleine Betriebe, die gerade so über die Runden kommen, könnten also Schwierigkeiten bekommen, sich günstig Geld zu beschaffen.

Handwerker arbeiten statistisch gesehen rentabler als Industrieunternehmen, legen aber weniger Geld zurück. Nolte charakterisiert den typischen Kunden aus dem Handwerk als "unternehmerisch kapitalschwach, privat durchaus vermögend“. Handwerker hätten eine gute Ertragslage, "aber keinen so langen Atem wie die Industrie“, sagt Heinz Pumpmeier, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Ravensburg. Dennoch seien sie als Kreditnehmer "sehr gern gesehen“. Das bestätigt auch der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR): "Traditionell sind die Volksbanken und Raiffeisenbanken dem deutschen Handwerk sehr eng verbunden“, so ein Sprecher.

Internetanbieter sollten berücksichtigt werden

In ökonomisch starken Gegenden Bayerns und Baden-Württembergs dürften Betriebe weiterhin leichtes Spiel haben, Darlehen auszuhandeln. In wirtschaftlich schwachen Landstrichen kann es schwieriger werden. Bernd Nolte rät, für kleine Summen auch Internetanbieter in Betracht zu ziehen. Nolte: "Es gibt heute schon interessante Internetbankangebote.“ Er spielt auf die genossenschaftliche MKB an, die sich zunächst auf das Bau- und Ausbaugewerbe konzentrierte, nun aber Kunden aus dem gesamten Handwerk betreut.

Voraussetzung dafür sei es, dass sich die Betriebe für Online-Kontoführung und digitale Medien erwärmten. Unternehmensberater Nolte sieht bei einigen Unternehmern durchaus Nachholbedarf und attestiert ihnen eine "bisweilen mangelnde Fähigkeit, mit modernen Medien clever genug umzugehen“. Eine Einschätzung, die Franz Falk von der Handwerkskammer in Stuttgart teilt. Schuld seien „nicht immer nur die anderen“, wenn Kreditverhandlungen scheiterten. Sein Ulmer Kollege Stefan Rössler sagt: "Es wird viel aneinander vorbei geredet.“ Die Fachleute der Handwerkskammern raten den Betrieben, ständig Kontakt mit dem Finanzberater zu halten, also regelrechte Kontaktpflege zu betreiben, selbst wenn der Kundenberater nicht mehr im selben Dorf sitzt, sondern in der fernen Kreisstadt. "Der Berater wird immer für den Handwerksmeister digital erreichbar sein, aber nicht mehr in der Filiale um die Ecke warten“, sagt der Ravensburger Sparkassenchef Pumpmeier.

Kreditversorgung auch in Zukunft nicht gefährdet

Pumpmeier erwartet, dass die Sparkassen dem Handwerk ihrerseits neue Angebote unterbreiten werden: darunter so genannte Aktivlinien. "Der Betrieb erhält eine Kreditlinie, die er wahlweise für Geschäftskredite, Investitionen oder Gewährleistungsavale (Sicherheiten, d. Red.) in Anspruch nehmen kann.“Das entlaste Handwerksmeister, weil sie nicht ständig aus unterschiedlichen Anlässen Kreditverhandlungen führen müssten – und sei für die Sparkasse wirtschaftlicher. Auch Nolte ist überzeugt, dass die Sparkassen dem Handwerk die Treue halten: "Sie sind im Gewerbe- und Firmenkundengeschäft nahezu unverwechselbar. Wer diesen Vorteil aus der Hand gibt, gräbt sich sein eigenes Grab.“ Finanzexperte Stefan Rössler aus Ulm hält es für ausgeschlossen, dass die Betriebe einmal von der Kreditversorgung abgeschnitten sein könnten: "Geld sucht Profit und Potenzial. Es gibt immer jemanden, der Kredite vergeben wird. So ein Segment verkümmert nicht.“