Im Gespräch mit der Deutschen Handwerks Zeitung erklärt Torben L. Brodersen, Geschäftsführer des Deutschen Franchise-Verbandes, warum sich das Geschäftsmodell auch für Handwerksbetriebe eignet und welche Einstiegshürden zu nehmen sind.
Steffen Guthardt
DHZ: Herr Brodersen, Franchise-Unternehmen wie McDonald’s oder TUI agieren in Deutschland sehr erfolgreich. Aber Franchise und Handwerk, passt das auch zusammen?
Brodersen: Ja, natürlich. Bereits heute kommen über zehn Prozent der Franchise-Betriebe aus dem Handwerk, darunter bekannte Firmen wie Portas oder Pirtek. Und es gibt auch durchaus Handwerksunternehmen, die Pionierarbeit im Franchise geleistet haben.
DHZ: Wieso soll sich ein Handwerker mit Franchise auseinandersetzen?
Brodersen: Ich denke, dass sich Handwerksbetriebe mittelfristig um ihre unternehmerische Zukunft Gedanken machen sollten und hinterfragen müssen, ob ihr Geschäftsmodell in zehn oder zwanzig Jahren noch funktionieren kann. Dabei werden sie nicht umhin kommen, auch über das Thema Franchise nachzudenken, da sie zum Beispiel beim Wareneinkauf deutliche Preisvorteile bekommen.
DHZ: Der einzige Vorteil?
Brodersen: Wenn Sie in einem Netzwerk agieren, schafft das Win-win-win-Situationen. Die Betriebe können sich auf ihr Tagesgeschäft konzentrieren und sich mit voller Energie ihren Kunden widmen. Alle organisatorischen und betriebswirtschaftlichen Belange des Franchise-Verbundes werden über die Zentrale des Verbundes abgewickelt, die stets einen Überblick über die wirtschaftliche Gesamtsituation hat. Und nicht zuletzt profitieren die Kunden, weil in einem durchdachten Betriebsnetzwerk mehr Zeit bleibt, um im Geschäft mit dem Endkunden die Qualität zu steigern.
DHZ: Dann sollte es am besten nur noch Franchise-Betriebe geben?
Brodersen: So weit will ich gar nicht gehen. Aber ich denke, dass Betriebe schon bei der Existenzgründung darüber nachdenken sollten, sich in einem Franchise-Verbund zu organisieren. Aber natürlich hängt das auch immer davon ab, ob ein Geschäftsführer bereit ist, in einem Netzwerk Einfluss abzugeben und im Team zu agieren oder lieber die komplette Verantwortung auf seinen Schultern trägt.
DHZ: Und davon, ob sein Betrieb ohne Franchise nicht genauso erfolgreich ist.
Brodersen: Wer ein erfolgreiches Geschäftskonzept hat, sollte daran interessiert sein, seine Kundenreichweite zu steigern und Gewinne zu multiplizieren, wie es im Netzwerk möglich ist.
DHZ: Andererseits könnten sich krisengeschüttelte Unternehmen ins Franchise flüchten, um die Probleme auf andere Schultern abzuwälzen.
Brodersen: Das kann natürlich nicht funktionieren. Wer ins Franchise einsteigen will, braucht ein gesundes Fundament. Unsere Vollmitglieder haben erfolgreich den so genannten DFV-System-Check, ein Qualitätssiegel, das von einem unabhängigen Institut vergeben wird, absolviert. Diese Überprüfung wird alle drei Jahre wiederholt. Darüber hinaus sollte sich jeder Interessent vorab umfassend über das von ihm ausgewählte System informieren und unter anderem bestehende Partner nach ihren Erfahrungen befragen.
DHZ: Und welche finanziellen Mittel muss ein Betrieb vorweisen können?
Brodersen: Natürlich bedarf es eines gewissen Eigenkapitals. Die Spanne ist je nach Franchisegeber aber sehr groß und kann zwischen ein paar tausend und ein paar Millionen Euro liegen. Schließlich müssen die Franchise-Geber auch in Krisenzeiten die Sicherheit haben, dass der Lizenznehmer überlebensfähig ist.
DHZ: Wofür wird das Kapital dann benötigt?
Brodersen: Franchise funktioniert nach dem Prinzip "ich gebe etwas ab, damit ich etwas bekomme". Der Franchise-Nehmer muss eine einmalige Einstiegsgebühr und eine laufende Gebühr zahlen und bekommt im Gegenzug das komplette Know-how des Franchisegebers übertragen. Der Franchise-Nehmer erhält auch die Markenrechte und Unterstützung bei einer Standortanalyse sowie Hilfe bei Businessplänen. Das Geld fließt auch in die ständige Optimierung des Netzwerks seitens des Lizenzgebers – zum Beispiel über Marketing-Aktivitäten.
DHZ: Der Franchise-Nehmer muss also jeden Monat Geld investieren?
Brodersen: Die Gebühren belaufen sich monatlich auf bis zu zehn Prozent der Einstiegssumme, in seltenen Fällen auch bis zu 15 Prozent.
DHZ: Das sind einige Kosten. Was passiert, wenn der Franchisenehmer die Gebühr nicht mehr aufbringen kann?
Brodersen: In der Regel ist der Franchisegeber sehr kulant, da er daran interessiert ist, dass das Netzwerk weiter funktioniert. Möglich sind eine Stundung der Gebühren oder im Einzelfall sogar ein vorübergehender Erlass. Einen gesetzlichen Anspruch darauf gibt es aber natürlich nicht.
