Interview mit Sparkassendirektor "Handwerker sind als Kreditnehmer gerne gesehen"

Unflexible Kreditvergabe und Filialschließungen: Viele Handwerksbetriebe machen sich Gedanken über die Zukunft der Sparkassen. Welchen Stellenwert das Handwerk noch bei den Sparkassen hat und auf welche Änderungen sich Betriebe einstellen müssen, erklärt Heinz Pumpmeier, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Ravensburg, im Interview.

Steffen Range

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    Auf welche Änderungen sich Betriebe einstellen müssen, erklärt Heinz Pumpmeier, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Ravensburg, im Interview.

Einige kleine Handwerksbetriebe im ländlichen Raum bemängeln, dass sie nur mühsam an Darlehen kommen. Manche Handwerker erleben Banken und Sparkassen als unflexibel bei der Kreditvergabe, wo früher ein Auge zugedrückt wurde. Es sei trotz niedriger Zinsen schwieriger geworden, günstige Kredite auszuhandeln, lautet der Vorwurf. Wieder andere sind besorgt, dass die Sparkassen und Genossenschaftsbanken ihre Filialnetze verkleinern. Ist das Handwerk bei den Sparkassen noch wohlgelitten? Die Deutsche Handwerks Zeitung hat bei einem Sparkassendirektor nachfragt. Mit Heinz Pumpmeier, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Ravensburg, sprach Steffen Range.

DHZ: Wie wichtig nehmen die Sparkassen das Geschäft mit dem Handwerk noch?

Pumpmeier: Mehr als 62 Prozent aller Handwerksbetriebe haben eine Geschäftsbeziehung zur Sparkasse. 71 Prozent aller Handwerksmeister nutzen Investitionsdarlehen und Leasing bei der Sparkasse. 40 Prozent der Betriebe haben Geldanlagen, Wertpapiere, Altersvorsorge bei uns. Das zeigt: Handwerksmeisterbetriebe sind für die Sparkassen sehr wichtig. Sie machen 25 Prozent des gesamten Firmenkundengeschäftes aus. Jeder vierte Arbeitsplatz im Firmenkundengeschäft inklusive Zahlungsverkehrsdienstleistungen ist von der Handwerkskundschaft abhängig.

DHZ: Viele kleine Handwerksbetriebe berichten uns, dass sie überhaupt nicht mehr die Möglichkeit haben, auf dem Land mehrere Vergleichsangebote einzuholen. Bei kleinen Kreditsummen lohne sich der Aufwand einer Kreditbearbeitung nicht mehr, so dass insbesondere kleine Betriebe sich als unwillkommene Kunden fühlen. Wie bewerten Sie das?

Pumpmeier: Handwerksbetriebe haben betriebswirtschaftliche Eckdaten, die von denen der Industrieunternehmen abweichen. Die Umsatzrentabilität beträgt im Handwerk 13,6 Prozent, bei Industrieunternehmen 1,9 Prozent. Die Eigenkapitalausstattung liegt im Handwerk bei 17,2 Prozent, bei Industrieunternehmen erreicht sie 31,5 Prozent laut Mittelstandsstudie des DSGV 2015. Handwerker haben also eine gute Ertragslage, aber keinen so langen Atem wie die Industrie.

DHZ: Was bedeutet das?

Pumpmeier: Handwerksbetriebe sind von konjunkturellen Rückschlägen oft stärker betroffen. Dennoch haben diese Unternehmen eine stabile Kreditwürdigkeit und sind aus Sicht der Sparkassen auch als Kreditnehmer sehr gern gesehen. Hierbei hat auch die hohe Granularität eine kreditbegünstigende Wirkung, will heißen: Im Handwerkskreditportfolio gibt es keine einzelnen großen Klumpenrisiken.

DHZ: Aber dennoch wird es für Sie immer aufwendiger, Kreditanträge zu bearbeiten…

Pumpmeier: Deshalb suchen wir nach schlanken Kreditprozessen, die auch wegen der zunehmenden Regulierung notwendig sind. Denn auch Sparkassen müssen betriebswirtschaftlich erfolgreich sein. Hier ist zum Beispiel die so genannte Aktivlinie eine interessante Lösung. Dabei erhält der Handwerksbetrieb eine Kreditlinie, die er wahlweise für Geschäftskredite, Investitionen oder Gewährleistungsavale (Sicherheiten/Bürgschaften/d. Red.) in Anspruch nehmen kann. Das ist auch eine Erleichterung für den Handwerksmeister, der dann keine permanenten Kreditverhandlungen aus unterschiedlichen Anlässen mehr führen muss - was wiederum auch für die Sparkasse wirtschaftlicher ist.

DHZ: Worauf müssen Sicht Handwerksbetriebe einstellen?

Pumpmeier: Die Digitalisierung wird die Kommunikation auch zu den Handwerksbetrieben verändern - vom elektronischen, papierlosen Kontoauszug bis zur Videoberatung! Das Handwerk ist für diese Kommunikationsformen nach unseren Beobachtungen auch sehr bereit, weil sich das Handwerk selbst im Trend der Digitalisierung erfolgreich gefordert sieht. Das heißt der Berater wird immer für den Handwerksmeister digital erreichbar sein, aber nicht mehr in der Filiale um die Ecke warten. In einer komplexer werdenden Welt ist für den Handwerksbetrieb die Qualität des Beraters wichtig, aber nicht mehr die räumliche Nähe. Diese Veränderung haben die Handwerker als bedeutende Kundengruppe des Firmenkundengeschäftes längst verstanden.

Sparkassen investieren in die Weiterbildung der Beratungsmannschaft.

DHZ: Bleibt die Sparkasse die Bank des Handwerks?

Pumpmeier: Bei den Sparkassen gibt es keine Zurückhaltung bei Krediten an das Handwerk. Sparkassen werden weiterhin für die Marktführerschaft im Geschäft mit dem Handwerk alles geben.