Bezahlung im Handwerk "Handwerker können finanziell mithalten"

Die Vergütung spielt eine wesentliche Rolle bei der Fachkräftesuche. Andrea Greilinger erforscht, wie das Handwerk bezahlt und wie sich das auswirkt.

Geldscheine- und -münzen liegen auf einer Gehaltsabrechnung
Kann das Handwerk finanziell mit anderen Branchen mithalten? Eine Studie zeigt, wie Betriebe ihre Mitarbeiter bezahlen. - © Cirquedesprit – stock-adobe.com

DHZ: Frau Greilinger, lange hieß es, den Menschen sei Geld weniger wichtig als das Betriebsklima. Bestätigt das ihre Befragung?

Andrea Greilinger: Durch den Arbeitnehmermarkt, der seit Jahren herrscht, sind die Ansprüche der Arbeitnehmer gewachsen. Zwar zeigen Studien nach wie vor, dass den Menschen am wichtigsten ist, sich mit ihren Kollegen und ihrem Chef gut zu verstehen. Aber inzwischen wird dieser Punkt immer wieder durch die Bezahlung ausgestochen.

DHZ: Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen der Beliebtheit von Berufen, Fachkräftemangel und der Höhe der Vergütung?

Es fällt zumindest auf, dass Friseure und die Kfz-Branche auch in unserer Befragung am unteren Ende der Vergütungshöhen rangieren, also zwei nach wie vor sehr beliebte Ausbildungsberufe. In anderen, stärker vom Fachkräftemangel betroffenen Branchen wie dem Lebensmittelhandwerk, haben wir dagegen Maximalvergütungen von bis zu 1.400 Euro im ersten Lehrjahr gefunden. Dort ist angekommen, dass der Beruf auch über die Entlohnung attraktiver wird.

Sie haben in Ihrer Auswertung nicht nur durchschnittliche Vergütungshöhen angegeben, sondern immer auch das Minimum und das Maximum in den einzelnen Branchen und Qualifikationsstufen. Warum?

Die Botschaft soll sein, was möglich ist im Handwerk und die Spannen sind breit, sowohl innerhalb eines Gewerks als auch zwischen den Gewerken. Wir haben verglichen, wie der jeweils zuletzt eingestellte Azubi, Geselle, Meister oder die kaufmännische Kraft bezahlt wurde. Was wir bisher nicht herauslesen können ist allerdings, wie sich die Gehälter langjähriger Mitarbeiter entwickeln.

Dr. Andrea Greilinger
Andrea Greilinger erforscht am Ludwig-Fröhler Institut für Handwerkswissenschaften, wie das Handwerk bezahlt. - © Ludwig-Fröhler-Institut

Aber sie haben den Unterschied zwischen Gesellen und Meistern erhoben. Wie wirkt sich der Meisterbrief finanziell aus?

Hier sieht man ganz klar den Vergütungsaufschlag für die Meister. Sie verdienen im Schnitt zwischen 4.000 und 5.000 Euro, wobei auch hier die Unterschiede nach Branchen sehr groß sind. Unsere Befragung beweist, dass Handwerker auf dem beruflichen Bildungsweg finanziell mithalten können mit einem Bachelor, vor allem bei entsprechender Berufserfahrung oder wenn sie Führungsaufgaben übernehmen.

Gibt es neben der Vergütungshöhe auch größere Unterschiede bei der Vergütungsart?

Ja, sowohl nach Qualifikation als auch nach Gewerbegruppen. Meister und kaufmännische Kräfte beziehen überwiegend ein Festgehalt, während Gesellen häufiger variabel bezahlt werden nach geleisteten Arbeitsstunden. Das Baugewerbe nutzt fast ausschließlich solch variable Vergütungsmodelle, Gesundheitsgewerbe, Kfz- und Lebensmittelgewerbe eher eine fixe Vergütung. Je größer die Betriebe, desto eher tendieren sie zu komplexeren Vergütungssystemen, die individuell auf die Beschäftigten zugeschnitten sind.

Und womit locken Handwerks­chefs übers Gehalt hinaus?

74 Prozent stellen ihren Mitarbeitern die Berufskleidung, sie nannten aber auch Betriebsveranstaltungen, vermögenswirksame Leistungen, eine Inflationsausgleichprämie oder Weihnachtsgeld.

Die Daten aus Ihrer Befragung stammen bisher ausschließlich aus Ostbayern. Ist das auf andere Regionen in Deutschland übertragbar?

Das wissen wir aktuell noch nicht, aber wir machen diese Umfrage als nächstes in allen baden-württembergischen Handwerkskammern und in Mittelfranken. Auch andere Regionen haben ihr Interesse bereits angemeldet. Unser Ziel ist es, eine Vergütungslandkarte für das Handwerk zu erstellen.

So zahlt das Handwerk

Handwerksbetriebe haben große Schwierigkeiten, Auszubildende, Gesellen oder Meister für ihre Unternehmen zu gewinnen oder zu halten. Liegt dies unter anderem am Thema Entlohnung? Unterschiedliche Studien zeigen, dass eine hohe Vergütung als Attraktivitäts- und Differen­zierungs­merkmal von Arbeitgebern bei Jobsuchenden an Bedeutung gewinnt. Bisher gab es aber keine umfassenden Daten zum Entlohnungsniveau im Handwerk. Im Auftrag der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz hat Andrea Greilinger Daten gesammelt zu Vergütungsmodellen, Vergütungshöhen und monetären Anreizen, mit denen Handwerker bisher arbeiten.

Zentrale Ergebnisse sind:

  • Attraktive Vergütung reduziert Stress bei der Mitarbeitersuche: Höhere Stundenlöhne führen zu kürzeren Vakanzzeiten bei Gesellen.
  • Je nach Betrieb und Branche lässt sich im Handwerk gutes Geld verdienen: Bis zu 1.800 Euro brutto als Bäckerazubi im 3. Lehrjahr, bis zu 4.600 Euro brutto als Kfz-Technikergeselle und bis zu 8.500 Euro brutto als Maurer- und Betonbaumeister.
  • Im Durchschnitt der Vergütungen muss sich das Handwerk nicht hinter anderen Branchen verstecken, das Entgeltniveau kann mithalten.
  • Als zusätzliche Incentives bietet fast jeder befragte Betrieb Arbeitskleidung, Betriebsveranstaltungen oder kostenlose Parkplätze. Aber auch Tankgutscheine, Jobrad oder Snackverpflegung haben die Befragten regelmäßig genannt.
  • Neben der Bezahlung ist es für Betriebsinhaber am wichtigsten, einen guten Draht zu ihren Beschäftigten zu haben und ein Betriebsklima zu bieten, für das man gerne bleibt.

    Weitere Informationen hierzu auf der Webseite des Deutschen Handwerks Instituts. Hier lässt sich die Studie mit Zahlen zu Vergütungshöhen herunterladen.