Hermann-Schmidt-Preis Handwerker für soziale Kompetenz geehrt

Beim diesjährigen Hermann-Schmidt-Preis wurden Projekte geehrt, die soziale Kompetenzen bei Aus- und Weiterbildung fördern. Den Hauptpreis sicherte sich der Verein "Geselle trifft Gazelle" aus Mainz.

Alle Preisträger des "Hermann-Schmidt-Preises 2015". Der Hauptpreis ging an den Mainzer Verein "Geselle trifft Gazelle." - © Foto: BIBB

"Innovative betriebliche Modelle zur Förderung sozialer Kompetenzen in der Aus- und Weiterbildung" lautete in diesem Jahr das Thema bei der Verleihung des Hermann-Schmidt-Preises, der vom Verein "Innovative Berufsbildung" vergeben wird. 22 Initiativen hatten an dem Wettbewerb teilgenommen und vier Projekte durften sich letztendlich über eine Ehrung freuen. Den Hauptpreis sicherte sich der Verein " Geselle trifft Gazelle e.V" aus Mainz.

Malergesellen renovieren Gebäude in Ruanda

Bei der Initiative "Geselle trifft Gazelle – Farben verbinden Kulturen", reisen junge Malergesellen und Auszubildende einmal jährlich für zehn Tage nach Ruanda, um dort an einem sozialen Projekt teilzunehmen. In Zusammenarbeit mit einem Zentrum für körperlich behinderte Kinder sowie einer Berufsschule renovieren die Handwerker vor Ort Klassen- und Schlafräume sowie Kantinen und Krankensäle. Hierfür nutzen die deutschen Maler heimische Materialien und Farben aus Ruanda.

"Die Bedeutung der sogenannten ´Soft Skills´ in der beruflichen Bildung nimmt zu. Über die fachliche Kompetenz hinaus ist soziale Kompetenz zu einem mitentscheidenden Faktor für den beruflichen Erfolg geworden und das zwischenmenschliche Können in der betrieblichen Praxis wird immer wichtiger", heißt es beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), das die Preisverleihung unterstützt. Das beispielhafteste Modell zu diesem Thema entwickelt und nachweislich umgesetzt hatte der Verein aus Mainz.

Ausweitung geplant

So werden nach Auffassung der Jury Empathie und Motivation sowie soziale, interkulturelle und fachliche Kompetenzen der Teilnehmenden nachhaltig gefördert.
Dotiert ist der Hermann-Schmidt-Preis mit 3.000 Euro, die nun in weitere Projekte investiert werden können.

Der gemeinnützige Verein plant aktuell eine Ausweitung des Projekts auf andere Regionen in Deutschland. sowie eine Einbindung von Teilnehmenden aus Frankreich.

Malermeister bekommt Sonderpreis


Malermeister Michael Kiwall aus Herdecke erhielt für sein Projekt "Azubi-Akademie" den Sonderpreis (1.000 Euro). Die "Azubi-Akademie" legt neben der fachlich-praktischen und der schulisch-theoretischen Ausbildung ganz bewusst einen Schwerpunkt auf die Persönlichkeits(aus)bildung der Jugendlichen.

Mittels einer Potenzialanalyse werden bereits vor Beginn der Ausbildung die sozialen Kompetenzen der Jugendlichen gemessen, zum Beispiel Motivation, Eigenverantwortlichkeit und Kritikfähigkeit. Daraus abgeleitete individuelle Förder- und Coaching-Empfehlungen werden während der Ausbildung regelmäßig überprüft. Zudem sind Intensivkurse zum Thema "Kundenbegeisterung", realitätsnahe Prüfungssimulationen durch einen "Azubi-Battle" sowie eine spezielle Förderung der Fähigkeit zur Selbstreflexion mittels einer kontinuierlich eingesetzten App fester Bestandteil des Projekts.

Einen weiteren Sonderpreis erhielt das Chemie- und Pharmaunternehmen Merck aus Darmstadt für das Projekt "Erlebnis Ausbildung bei Merck". Hier werden die Sozialkompetenzen der Azubis umfassend und während der gesamten Ausbildungszeit gezielt gefördert.

Gesellschaftliches Engagement seit 2003

Der Sonderpreis des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ging an die Initiative "Michael Grübel – Helfende Hände" . Das firmeneigene, gemeinnützige Projekt des Bielefelder Trocknungsfachbetriebes, existiert bereits seit 2003. Es fördert umfassend die sozialen, persönlichen und die fachlichen Kompetenzen der Auszubildenden.

Bestandteile für Unterprojekte während der Ausbildung wie beispielsweise "Zeit im Alter" (Unterhaltung und Präsentationen im Seniorenwohnheim), "Stadtglück" (Internethandel mit Schülerkunst) sowie "DRY Art - wir trocknen schöner" (Kombination von Kunst und Bauhandwerk). Die Jury würdigte das hohe gesellschaftliche Engagement der jeweiligen Unterprojekte und honorierte zudem den Vorbildcharakter des Projekts sowie seine beispielhafte regionale Einbindung.

Preis soll zur Nachahmung anregen

Ziel des jährlich verliehenen Preises ist es, auf innovative Ansätze in der Berufsbildungspraxis aufmerksam zu machen und diese als gute Beispiele zur Nachahmung zu empfehlen. Namensgeber ist der frühere Präsident des BIBB, Prof. Dr. Hermann Schmidt, der das Institut von 1977 bis 1997 leitete. dhz