Aufträge über Online-Plattform Handwerker verurteilt: Abbruchabfälle in 15 Fällen in Natur entsorgt

Jahrelang nutzte ein Mann das Handwerker-Portal MyHammer für seine Masche: Er nahm Abriss-Aufträge an, kassierte für die fachgerechte Entsorgung und kippte den Sondermüll in die Natur. Nun stand er vor Gericht.

Im Kampf gegen illegale Entsorgung (Symbolbild) konnten Ermittler in Brandenburg einen Umweltsünder überführen. - © Animaflora PicsStock - stock.adobe.com

Es war der 13. Mai 2022, als der Auftrag einging. 1.700 Euro für den Abriss von zwei Bungalows – und die Entsorgung des anfallenden Sondermülls. Rund einen Monat später war alles erledigt. Sogar Nachweise für eine fachgerechte Entsorgung von Asbest und Teerpappe lagen vor. Doch die waren gefälscht, wie sich später herausstellen sollte. All das ist einem Strafbefehl vom vergangenen Jahr zu entnehmen, der der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ) vorliegt. Darin verurteilt das Amtsgericht Potsdam einen Mann wegen Fälschung von Dokumenten und illegaler Müllentsorgung.

Mindestens 15 Fälle illegaler Sondermüllentsorgung

Statt fachgerecht zu entsorgen, hat der Verurteilte zum Teil gefährlichen Abfall zu einem Grundstück im Landkreis Potsdam-Mittelmark verfrachtet, teils dort vergraben oder sich seiner schon auf dem Weg dorthin in Wäldern und auf Feldern entledigt. Seit mindestens Anfang 2019 ging das so. Bis das Landeskriminalamt Brandenburg ihm auf die Schliche kam. Insgesamt 15 Vergehen konnten die Ermittler ihm nachweisen. Das Urteil: ein Jahr Freiheitsentzug, ausgesetzt zur Bewährung. Das Gericht ordnete außerdem den Einzug des kriminellen Gewinns in Höhe von rund 13.000 Euro an.

Im Dunkeln bleibt, wer dem verurteilten Umweltsünder geholfen hat. Die bei der Potsdamer Staatsanwaltschaft angesiedelte Abteilung für "Schwere Umweltkriminalität" ermittelte zwar gegen weitere Personen. Das bestätigte eine Sprecherin der Strafverfolgungsbehörde auf Anfrage der DHZ. Doch diese Verfahren seien mangels Beweise eingestellt worden.

Aufträge über MyHammer akquiriert

Den Müll für seine schmutzigen Geschäfte hatte der Verurteilte über die Internetplattform "MyHammer" akquiriert. Das Portal ist nach eigenen Angaben "der zuverlässige Weg, einen Handwerker zu beauftragen". Mehr als 35 Gewerke und knapp 60.000 Handwerker sind laut Homepage dort vertreten, darunter offenbar auch Schwarze Schafe. Dem Strafbefehl des Amtsgerichts Potsdam zufolge war der verurteilte Mann bereits seit Januar 2015 auf "MyHammer" aktiv und hat seitdem rund 300 Aufträge erhalten.

"MyHammer" teilt auf Anfrage unserer Redaktion mit, dass man einen "mehrschichtigen Ansatz" verfolge, um Missbrauch der Plattform zu verhindern. "Alle neuen Auftragnehmer durchlaufen unsere Checks in Bezug auf ihre Identität und ihr Unternehmen", heißt es etwa. Beschwerden und Unregelmäßigkeiten gehe man nach. Der überführte Umweltsünder ist den Plattformbetreibern dennoch nicht aufgefallen, wie "MyHammer" einräumt. Auch andere Fälle dieser Art seien nicht bekannt.