Heiko, Sandra und Tom-Lewis Geffers haben mit "eezee Silicone" in der Höhle der Löwen das geschafft, wovon Gründer träumen: Alle fünf Löwen wollten investieren. Auf wen die Wahl am Ende fiel.

Silikonfugen im Bad sind ein Dauerärgernis. Sie schimmeln, werden spröde und sehen schnell nicht mehr schön aus. Kaum ein Handwerker zieht sie gerne, und die meisten Kunden sind mit dem Ergebnis unzufrieden. Genau hier setzt eezee Silicone an: vorgefertigte Dichtungsringe und Meterware aus Silikonkautschuk, die sich in Sekunden anbringen lassen – ganz ohne Kartusche, Trocknungszeit oder Fachpersonal. Am Montagabend stellte das Gründer-Ehepaar aus Freiburg sein Produkt in der VOX-Sendung "Die Höhle der Löwen" vor – mit einem Ergebnis, das selbst die Gründer überraschte.
Sechs Angebote, ein Löwe: Was in der Sendung geschah
Heiko und Sandra Geffers gingen mit einem klaren Angebot in die Sendung: 100.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile. Was dann passierte, hatten sie nicht erwartet: Alle fünf Löwen wollten einsteigen – am Ende lagen sogar sechs Angebote auf dem Tisch, darunter ein Kombiangebot.
Die Entscheidung musste direkt im Studio fallen. Nur wenige Minuten und ein Telefonjoker blieben dem Ehepaar. "Das war wirklich schwer", sagt Geffers. Am Ende entschieden sie sich aus dem Bauch heraus für Ralf Dümmel – ihren Wunschpartner von Anfang an. Denn den Gründern ging es nicht nur um Kapital, sondern vor allem um einen starken Vertriebspartner. "Wir kommen aus dem Handwerk, nicht aus dem Vertrieb. Wir brauchten jemanden, der das kann."
Die Zusammenarbeit mit Dümmels Team bestätigt die Wahl. "Das ist ein tolles Team. Die stecken einen an, die haben Spaß an der Arbeit. Ralf ist auch nah an uns dran." Besonders schätzen die Gründer, dass Dümmel ihr Konzept mitträgt – den parallelen Vertrieb über den Fachgroßhandel und direkt an Endkunden. Mit dem neuen Partner ist "eezee Silicone" ab sofort auch bei Netto und QVC erhältlich.
Vom Handwerksbetrieb zur Produktidee
Heiko Geffers hat Gas- und Wasserinstallateur gelernt, den Techniker für Heizung, Sanitär und Lüftung gemacht und 2002 eine ausführende Firma mit zuletzt rund 50 Mitarbeitern übernommen. Seine Frau Sandra kümmerte sich im Unternehmen unter anderem um die Reklamationsbearbeitung – und genau dort lag der Ursprung von "eezee".
"Kein Mitarbeiter hat gern Silikonfugen gezogen", erzählt Geffers. Besonders an Ecken und hinter Armaturen fielen die Fugen oft unsauber aus. Die Folge: Kundenbeschwerden, Nacharbeit, frustrierte Mitarbeiter. Von zehn Fachhandwerkern beherrschten es laut Geffers höchstens zwei wirklich gut. Dazu kamen halb volle Kartuschen, die eintrockneten und weggeworfen werden mussten, Raumsperrzeiten und Extra-Anfahrten für den Fliesenleger. Bereits 2007 hatte Geffers' Frau die ersten Gedanken: Es muss eine standardisierte Lösung geben – vor allem für Porzellane wie WC, Waschbecken und Urinal.
"eezee": Mit Knete und Cellophan zum Patent
Richtig los ging die Entwicklung während der Corona-Zeit. "Wir haben wirklich mit Knete angefangen", sagt Geffers. Sie drückten Knetmasse hinter Sanitärporzellane, um zu verstehen, wie eine Silikonfuge von hinten aussieht. Geffers klemmte Cellophan hinter ein Sanitärporzellan, zog eine Silikonfuge darüber, ließ sie aushärten und nahm sie ab. So hatte er im Grunde schon den fertigen Ring.
Parallel prüften Patentanwälte, ob es so ein Produkt bereits gab – Ergebnis: nichts auf dem Markt. Also reichten sie Patentschriften ein und suchten sich danach einen Hersteller. Dieser wusste anfangs nicht einmal, wofür die Teile gedacht waren. "Dem haben wir es erst gezeigt, nachdem er uns den ersten Ring gebracht hat." Die Reaktion: "Wow."
Die Entwicklung verlief in vielen Schleifen. Die Ringe mussten sehr dehnbar sein. Bis die richtige Größe für den kleinen Ring (800er, für Waschbecken bis 60 cm und Standard-WCs) und den großen Ring (1100er, für große Waschbecken und Urinale) gefunden waren, brauchte es zahlreiche Praxistests. Anfangs wurden die Ringe geklebt, doch Geffers kannte seine Handwerker: "Die haben die Naht gesucht und so lange gezogen, bis sie es auseinandergerissen haben." Also musste es ein nahtloser Ring werden. Die Meterware kam als dritte Variante dazu, weil sich Ringe nicht über Eckventile schieben lassen.
Schnullermaterial statt Flüssigsilikon
Die Ringe und die Meterware bestehen aus Silikonkautschuk – dem gleichen Grundstoff, aus dem Babyschnuller hergestellt werden. Das Material stammt vom Chemiehersteller Wacker und ist fertig vernetzt. Es kann nicht schimmeln, ist UV-beständig und verliert seine Elastizität nicht.
Herkömmliches Flüssigsilikon wird dagegen irgendwann spröde – selbst die besten Produkte. Bei "eezee" entfällt das. Die Ringe halten Temperaturen von minus 40 bis plus 120 Grad aus, lassen sich bei 60 Grad in der Waschmaschine reinigen und sind wiederverwendbar. "Das Problem ist, das Produkt hält einfach zu lange", sagt Geffers mit einem Schmunzeln.
Warum "eezee" gerade für Handwerksbetriebe interessant ist
Für Handwerksbetriebe löst "eezee" gleich mehrere Probleme. Der Fachkräftemangel trifft die Branche hart, qualifiziertes Personal ist teuer. Wenn jeder Azubi eine Silikonfuge sauber anbringen kann, spart das Zeit und Geld. Der Meister kann das Produkt beim Beratungstermin in der Tasche haben und direkt eine Kundendienstrechnung stellen.
Geffers sieht darin auch eine Chance für den Kundendienst: "Der Fachhandwerker kann bei einer Wartung sagen: Soll ich dir die Silikonfuge auch gleich neu machen?" Bisher musste dafür oft ein Fliesenleger extra anfahren. Auch im Neubau gibt es einen Vorteil: Normalerweise muss der Fliesenleger für die Fugen an WC und Waschbecken noch einmal extra kommen. Mit "eezee" erledigt der Sanitärinstallateur das direkt beim Einbau.
Die Produkte sind bereits bei großen Fachgroßhändlern gelistet: GC-Gruppe, Zander, Heinrich Schmidt, Korsing und Holter in Österreich. In den Abholmärkten stehen hochwertige Thekenaufsteller aus Holz – hergestellt von der Familie Faller aus Gütenbach im Schwarzwald. Handwerker kaufen die Ringe in Zehner-Tüten und verstauen den Rest im Transporter. Jedes Detail ist auf den Handwerkeralltag abgestimmt.
Familienbetrieb mit internationalem Potenzial
"eezee" ist ein echtes Familienprojekt. Den Handwerksbetrieb mit 50 Mitarbeitern hat Heiko Geffers Ende 2024 verkauft, war dort zunächst noch als angestellter Geschäftsführer tätig und widmet sich jetzt hauptsächlich "eezee". Sein Planungsbüro für Haustechnik betreibt er weiterhin nebenbei – die Technik lässt den gelernten Handwerker nicht los. Sandra Geffers bringt ihre jahrzehntelange Erfahrung aus der Betriebsführung ein, die Söhne stehen auf Messen und helfen bei Entwicklung und Vertrieb. Produziert wird in Deutschland und teilweise über einen deutschen Hersteller in Polen. International denken die Gründer bereits mit: Der Markenname funktioniert auch im Ausland, und in Spanien, Italien oder den USA gibt es dieselben Probleme mit Silikonfugen. Für Dusch- und Wannenbereich gibt es bereits Weiterentwicklungen, die getestet werden.
Was hat die Familie aus dem ganzen Weg gelernt? "Man sollte nicht locker lassen, wenn man eine gute Idee hat", sagt Sandra Geffers. "Aber man muss sich ganz viele externe Meinungen holen." Die Gründer haben ihr Produkt nicht nur im eigenen Betrieb getestet, sondern mit Fremden, auf Messen, im Urlaub im Ausland. "Wir haben nicht nur auf unseren eigenen Kosmos gehört." Genau das hat "eezee" dahin gebracht, wo es heute steht: auf die große Bühne von "Die Höhle der Löwen".
Fertigsilikonfuge "eezee" bei DHDL auf der großen Bühne
Im vergangenen Jahr erzielte "eezee" rund 100.000 Euro Umsatz. Für ein Start-up ein solider Start, aber den Gründern geht es um mehr. Sie wollen schnell skalieren – B2B über den Fachgroßhandel und B2C direkt an Endkunden. "Wir kommen ja alleine nur langsam vorwärts", erklärt Geffers. Die Bewerbung bei der Höhle der Löwen war eine bewusste Entscheidung: Reichweite schaffen, bevor jemand das Konzept kopiert. "Bei so einem simplen Produkt muss man trotz Patenten schnell eine Reichweite schaffen."
