Ein spontaner Grillabend, eine Wasserpistole voller Bier und der Mut, einfach zu machen – so beginnt die Geschichte eines Handwerkers, der heute mit seiner Erfindung, dem "Flavourizer" auf die große TV-Bühne der "Höhle der Löwe" tritt.

Bastian Schacht aus Wilhelmshaven ist Elektriker, Handwerksunternehmer – und seit Kurzem: Erfinder. Die Geschichte seines "Flavourizers" liest sich wie ein Sommerabendmärchen. Im Garten eines Freundes beobachtet er, wie dieser Bier über den Grill kippt, um das Fleisch saftiger zu machen. Schacht greift kurzerhand zur Wasserpistole seines Sohnes, füllt sie mit Bier und sprüht drauflos. Das Ergebnis: saftiges Grillgut, begeisterte Esser – und eine Serviette mit dem ersten Entwurf.
"Ich wollte nicht einer von denen sein, die 20 Jahre später sagen: 'Die Idee hatte ich auch mal'", sagt Schacht. Gescheitert ist er bisher nicht. Im Gegenteil.
Tüfteln, drehen, testen: Vom Prototyp zum Serienmodell
Was folgte, war klassisches Handwerk: Basteln, testen, verwerfen. Schacht und sein Freund Lars Kliefoth experimentierten mit Gartenspritzen, Schläuchen und Düsen. Auf der Drehbank entstanden erste funktionale Modelle. Doch der Weg zur Serienfertigung war steinig. Zehn deutsche Unternehmen lehnten die Produktion ab oder antworteten erst gar nicht – zwei chinesische Firmen hingegen reagierten prompt. Heute arbeitet er mit einem aufgesplitteten Herstellernetzwerk in China, damit keine Einzelpartei das gesamte Produkt kennt oder eigenständig nachbauen kann.
Die erste Lieferung: Nach Überweisung der ersten Rechnung nach Asien bekamen sie nach acht Wochen bangem Warten 1.000 Stück ausgeliefert.
Wie der "Flavourizer" funktioniert – und was drin ist
Der "Flavourizer" wird an der Rotisserie-Aufhänge an der Seite des Grills befestigt. Über eine spezielle Düse wird während des Grillens ein feiner Nebel aus Bier, Weißwein, Whisky oder Kräutersud auf das Grillgut gesprüht.
Der Anwendung sind kaum Grenzen gesetzt. "Bratapfelaroma auf Nackensteak" war eine der verrücktesten Ideen, die überraschend gut funktionierte. Wichtig: keine künstlichen Aromen. Die verheißen Plastikgeschmack – echte Zutaten sorgen für echten Geschmack, so Schacht.
Was der Handwerker kann – und was ihm geholfen hat
Schacht bringt nicht nur handwerkliches Know-how mit, sondern auch Unternehmergeist. Er betreibt einen Elektrobetrieb und eine Malerfirma, die er gemeinsam mit seinem Cousin aufgebaut hat. Seine beste Investition? "Der Betriebswirt des Handwerks", wie er sagt. "Der hilft dir bei allem: Gründung, Kalkulation, Einkauf, Vertrieb."
Zudem ist Schacht ein "Macher". Einer, der lieber alles selbst auseinandernimmt und wieder zusammensetzt, bevor er etwas dem Zufall überlässt. Das erklärt auch die hohe Detailtiefe bei der Produktentwicklung: unterschiedliche Düsenwinkel, hitzebeständige Materialien, Zoll- und metrische Gewinde – und das alles in Kombination mit Google Translate und technischem Sachverstand.
Vom Innovationspreis zur Primetime in die "Höhle der Löwen"
Bevor Bastian Schacht überhaupt ans Fernsehen dachte, nahm er mit seiner Erfindung am ersten Innovationspreis in Wilhelmshaven teil. Dort kam das Team mit dem "Flavourizer" bis in die Endrunde – auch wenn es am Ende nicht für den Sieg reichte. Der echte Gewinn kam ein paar Tage später: Die Redaktion von "Die Höhle der Löwen" meldete sich.
"Die kamen direkt auf uns zu", erzählt Schacht. "Wir mussten dann unsere Unterlagen einreichen, wurden eingeladen und haben gemerkt: Das ist richtig professionell." Was folgte, war eine intensive Vorbereitungsphase. Pitchtexte wurden geschrieben und überarbeitet, Marktanalysen überarbeitet und ergänzt, Preislisten geprüft. "Die Redaktion schaut ganz genau hin. Die wollen, dass da Qualität auf dem Tisch landet – keine Spinnerei."
Der eigentliche Pitch? Fand vor laufender Kamera und ohne Vorwissen der Investoren statt. "Die Löwen sehen einen wirklich erst, wenn man durch diesen Tunnel in das Studio läuft. Dann zählt jede Antwort."
Und was, wenn’s jetzt durch die Decke geht?
Was passiert, wenn der "Flavourizer" ein Verkaufsschlager wird? "Dann bricht hoffentlich die Website zusammen – weil wir ausverkauft sind", lacht der Handwerksunternehmer. Doch eines ist sicher: Seinen Handwerksbetrieb würde er keinesfalls aufgeben. "Ich liebe meinen Job. Ich arbeite gern mit meinen Jungs. Das gebe ich nicht auf – egal, wie erfolgreich das Produkt wird."
Heute Abend um 20:15 Uhr stellt sich der "Flavourizer" den Juroren von "Die Höhle der Löwen" auf VOX. Die Erfinder Schacht und Kliefoth erhoffen sich ein Investment von 75.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile. Auf RTL+ ist die Folge schon jetzt zu sehen.
