Zentralverband des Deutschen Handwerks Handwerk wirbt um Schulabgänger mit Migrationshintergrund

Im Kampf gegen drohenden Fachkräftemangel und auf der Suche nach Lehrlingen will das deutsche Handwerk gezielt junge Ausländer ansprechen.

Handwerk wirbt um Schulabgänger mit Migrationshintergrund

Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Otto Kentzler, sagte der "Bild"-Zeitung: "Wir wollen auch verstärkt um Schulabgänger mit Migrationshintergrund werben. Die müssten gezielter in der Schule gefördert und an die Berufswelt herangeführt werden. Dann werden sie ihre Ausbildungschancen auch besser nutzen können."

Kentzler sagte weiter, 2009 werde das Handwerk etwa so viele Lehrlinge ausbilden wie 2008. Der ZDH-Präsident fügte hinzu: "In manchen Berufen finden wir nicht mal genug junge Leute. Viele wissen nicht, dass es im Handwerk rund 100 verschiedene Berufe gibt." Da müssten Schule und Handwerk noch viel mehr Aufklärung bieten.

Außerdem übte Kentzler massive Kritik am Verhalten der Banken bei der Kreditvergab: "Wir haben keine Kreditklemme, aber viele unserer Leute sind trotzdem sauer auf die Banken." Die Europäische Zentralbank habe 460 Milliarden Euro für ein Prozent Zinsen an die Banken ausgereicht, damit sie die Wirtschaft günstig mit Krediten versorgen, sagte der ZDH-Chef. Doch viele Banken "knöpfen den Betrieben jetzt neun bis zehn Prozent Zinsen ab" und verlangten oft noch Risikozuschläge und zusätzliche Sicherheiten. Vor allem Privatbanken sollten "aufpassen, dass sie nicht aus reiner Profitgier Betriebe in die Knie zwingen und Arbeitsplätze vernichten", sagte Kentzler.

Mit Blick auf die Wirtschaftsentwicklung zeigte sich der Verbandspräsident angesichts der jüngsten Konjunkturdaten zuversichtlich: "In der Tat ist der Tiefpunkt der Krise erreicht, es geht wieder aufwärts", sagte Kentzler.

Laut einer aktuellen Studie droht fast einem Viertel aller mittelständischen Autozulieferer in Deutschland das Geld auszugehen. "23 Prozent aller Zulieferer in Deutschland sind derzeit von Insolvenz bedroht", sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer dem "Hamburger Abendblatt". Gründe für die Gefährdung seien zu 16 Prozent der Absatzeinbruch auf den Fahrzeugmärkten, zu 12 Prozent Managementfehler und zu 8 Prozent die Zurückhaltung der Banken, sagte der Professor an der Universität Duisburg-Essen.

ddp