Immer mehr Flüchtlinge kommen auf den Arbeitsmarkt, doch die Integration der neuen Arbeitskräfte in Ausbildung und Arbeit bleibt selbst bei einem boomenden Arbeitsmarkt eine Herausforderung. Das hat auch das ZDH-Unternehmerforum zum Arbeitsmarkt deutlich gemacht.
Karin Birk

In den kommenden Wochen und Monaten stehen immer mehr Flüchtlinge dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Mit Blick auf ihre Integration in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt sieht Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) dennoch nicht schwarz: "Das können wir schaffen, aber es wird Zeit brauchen“, sagte sie beim ZDH-Unternehmerforum "Arbeitsmarkt 2016 – Chancen und Herausforderungen“. Nach den Prognosen der Bundesagentur für Arbeit (BA) wird sich die Zahl der anerkannten Flüchtlinge, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen bis zum Jahresende auf bis zu 350.000 erhöhen, wie BA-Vorstandsmitglied Detlef Scheele sagte. Derzeit seien es rund 145.000 und damit 72.000 mehr als vor einem Jahr. Gleichzeitig sei die Zahl der erwerbstätigen Flüchtlinge auf 90.000 gestiegen. Auch weiterhin könnten Flüchtlinge Arbeit finden. "Der Arbeitsmarkt kann das verkraften“, ergänzte er mit Blick auf die gute Beschäftigungslage. Eine wachsende Konkurrenz zu Langzeitarbeitslosen sieht er nicht. Allerdings brauche auch die Integration von Flüchtlingen Zeit.
Nahles würdigt Integrationsanstrengungen des Handwerks
Sowohl Nahles wie Scheele würdigten das Engagement des Handwerks bei der Einbindung von Flüchtlingen. "Das deutsche Handwerk integriert überdurchschnittlich und ist damit auch Schrittmacher für andere“, sagte Nahles. Das Handwerk sei der einzige Wirtschaftszweig gewesen, der ihr handfeste Zahlen genannt habe, sagte sie mit Blick auf das Programm „Wege in die Ausbildung“. Danach will das Handwerk gemeinsam mit der BA und dem Bundesbildungsministerium in den kommenden zwei Jahren bis zu 10.000 Flüchtlinge qualifizieren und an eine Ausbildung heranführen. Wie ZDH Präsident Hans Peter Wollseifer sagte, ist "das Programm mit großem Engagement angelaufen“. Der Handwerkspräsident machte unmissverständlich klar, dass für ihn Integration über Qualifikation, über Kompetenzerfassung und Berufsorientierung erfolge und nicht über "Absenken bewährter Berufsbildungsstandards oder einer Ausbildung „light“.
Lob und Tadel für Integrationsgesetz
Als Erfolg werteten die Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Arbeitsagentur, dass das Integrationsgesetz auf den Weg gebracht wurde und so Betriebe und Auszubildende mehr Sicherheit während der Ausbildung und für zwei Jahre danach bekämen. "Unser Ziel ist, möglichst viele in eine Ausbildung zu bringen“, sagte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Karl Schiewerling. Die arbeitsmarktpolitischen Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer, kritisierte hingegen, dass jedem geduldeten Flüchtling in Ausbildung beim Abbruch der Lehre die Abschiebung drohe und Betriebe diesen Abbruch auch melden müssten, wollten sie keine Strafe riskieren.
Handwerk sieht Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge kritisch
Kritisch äußerte sich Wollseifer gegen die Pläne der Arbeitsministerin 100.000 Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge zu schaffen. Das Handwerk habe schon früher leidvolle Erfahrungen mit Ein-Euro-Jobs gemacht. "Es kann nicht sein, dass die, die sich besonders engagieren, die Leidtragenden sein sollen“, sagte er. Es müsse gewährleistet sein, dass solche Arbeitsangelegenheiten wettbewerbsneutral und zusätzlich seien. Nahles kennt die Bedenken. Sie machte aber auch deutlich, dass Flüchtlinge, die sonst noch nicht arbeiten dürften, nicht zur Untätigkeit verdammt werden dürften. Auch die arbeitsmarkt- und sozialpolitische Sprecherin der SPD, Katja Mast, hält die Arbeitsgelegenheiten für wichtig.
Mehr Sprachkurse im beruflichen Kontext
Wie Nahles und Scheele weiter sagten, soll der Spracherwerb im beruflichen Zusammenhang noch mehr in den Vordergrund gerückt werden. So sollen nach den Worten Scheeles erstmals zum 1. August so genannte Kombi-Kurse nach dem KompAS-Modell starten. Dabei sollen rund 40.000 Flüchtlingen nach einer Kompetenzfeststellung über etwa ein halbes Jahr eine Kombination aus Sprachkurs und beruflicher Aktivierungsmaßnahme angeboten werden. Die Kurse würden derzeit ausgeschrieben. Darüber hinaus erinnerte Nahles daran, dass sie die berufsbezogenen Sprachkurse von derzeit 20.000 auf rund 200.000 im nächsten Jahr verzehnfachen wolle.