Abbruchquote bei Auszubildenden soll gesenkt werden - NRW-Arbeitsminister fordert mehr Lehrstellen Handwerk und Arbeitsagentur suchen Paten für Azubis

Anlässlich des Tages des Ausbildungsplatzes haben sich Politiker und Wirtschaftsvertreter am Mittwoch für eine bessere Unterstützung von Auszubildenden und die Schaffung von zusätzlichen Lehrstellen ausgesprochen.

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Handwerk und Arbeitsagentur suchen Paten für Azubis

Damit soll die Abbruchquote bei den Jugendlichen und Heranwachsenden verringert werden. Mehr als jeder vierte Ausbildungsvertrag im Handwerk wird den Angaben zufolge derzeit wieder aufgelöst.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, sei auch die sogenannte Einstiegsqualifizierung von großer Bedeutung, sagte ZDH-Präsident Otto Kentzler. Bei diesem Modell handelt es sich um ein Praktikum, bei dem der Jugendliche sich und seine Fähigkeiten erproben kann. Zudem können der potenzielle Auszubildende und der mögliche Lehrbetrieb ausloten, ob eine Zusammenarbeit grundsätzlich funktionieren kann. "Es handelt sich um eine Probezeit vor Beginn der Ausbildung, die bei der Übernahme auch angerechnet wird", erläuterte Heinrich Alt von der Bundesagentur für Arbeit.

Kentzler erklärte, das Handwerk befinde sich auf einem guten Weg. Die Beschäftigungszahlen seien stabil. "Bis Ende April 2011 hat das Handwerk bundesweit schon über 28.000 Ausbildungsverträge geschlossen", sagte der ZDH-Präsident. Das sei ein Plus von 13,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Dennoch machten der demografische Wandel und der Imageverlust der Branche in der vergangenen Zeit dem Handwerk zu schaffen. So ging die Zahl der Auszubildenden in den insgesamt 130 Ausbildungsberufen merklich zurück. Dennoch gebe es nach wie vor mehr registrierte Bewerber als Angebote. In NRW sind dabei die rechnerischen Chancen auf einen Platz schlechter als im Bundesdurchschnitt: Auf 100 gemeldete Ausbildungsstellen kamen 2009/2010 137 gemeldete Bewerber.

NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) appellierte in diesem Zusammenhang an die Unternehmen, mehr Ausbildungsplätze bereitzustellen. Nach Berechnungen des Prognos-Instituts fehlten in Nordrhein-Westfalen in den nächsten zehn Jahren rund 600.000 Fachkräfte, wenn sich nichts ändere, sagte Schneider in Köln bei der zentralen Auftaktveranstaltung der Bundesagentur für Arbeit zum Tag des Ausbildungsplatzes. "Die Unternehmen selbst haben es in der Hand, diese Entwicklung zu stoppen", fügte der Minister hinzu.

Den Angaben zufolge wird Nordrhein-Westfalen als erstes Flächenland in Deutschland den Übergang von der Schule in den Beruf neu regeln. Unter anderem durch eine frühzeitige Beratung in allen Schulen spätestens ab der 8. Klasse sollen persönliche Berufsvorstellungen der jungen Leute besser erfasst und der Übergang effizienter gestaltet werden. "Wir wollen erreichen, dass jeder Jugendliche entsprechend seinen Fähigkeiten und Wünschen ein Ausbildungsangebot erhält", sagte der Minister.

Mehr politische Unterstützung für den Job suchenden Nachwuchs fordert die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Dazu müsse der Förderbedarf jedes einzelnen Jugendlichen ermittelt und ein entsprechendes Leistungsangebot durch die Bundesagentur bereitgestellt werden. "Wir brauchen solche ausbildungsbegleitenden Hilfen als ein Regelangebot für Betriebe", sagte der für Bildungspolitik zuständige IG-BAU-Bundesvorstand Andreas Steppuhn.

dapd