Die Aussichten trüben sich jedoch ein. Verbände unterstützen Merkels Stabilisierungskurs.
Handwerk stützt Wirtschaft
Auch die Unternehmen im deutschen Handwerk spüren die Auswirkungen der Wirtschaftskrise. So meldet der Verband der Vereine Creditreform, dass die konjunkturelle Lage bei Umsätzen, Personal und Geschäftslage rückläufig ist. Gleichwohl ist die Situation im Handwerk immer noch stabiler als in anderen Wirtschaftsbereichen. Mehr noch: Handwerk und Mittelstand stützen die deutsche Wirtschaft trotz der zum Teil schwierigen und rückläufigen Kreditvergabe der Banken an die Unternehmen und trotz der schlechter werdenden gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Der Erfolg der eben zu Ende gegangenen 61. Internationalen Handwerksmesse (IHM) in München passt ins Bild: Mit 170.000 Besuchern verbuchte der Messeverbund Internationale Handwerksmesse, Garten München und metall München mit seinen 1.500 Ausstellern ein Besucherplus (2008: 159.000). Für Messechef Dieter Dohr ist dies ein klares Zeichen, dass Menschen gerade jetzt auf handwerkliche Qualitätsprodukte setzen.
Kanzlerin lehnt Konjunkturpaket III ab
Eine Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Gelszus bestätigt Dohrs Einschätzung: So hätte die Mehrzahl der Besucher nach technischen Innovationen und allgemeinen Neuheiten Ausschau gehalten. Für 91 Prozent der Besucher, so das Ergebnis von Gelszus, habe sich dieser Wunsch erfüllt.
Beim Spitzengespräch der Deutschen Wirtschaft auf der Internationalen Handwerksmesse traditionell die wichtigste Dialogplattform zwischen Handwerk und Politik forderte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Otto Kentzler, erneut die Reduzierung der Mehrwertsteuersätze für beschäftigungsintensive (Handwerks-)Branchen, begrüßte zugleich jedoch auch die Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die Union plane eine große Steuerreform, die das Steuersystem vereinfache und mittelfristig weitere Entlastungen bringe. Merkel verwies auf die Maßnahmen der Bundesregierung zur Überwindung der Wirtschaftskrise und betonte, dass Deutschland mit den Konjunkturpaketen I und II wichtige Leistungen bereitstelle, die nun Wirkung entfalten müssten. Ein Konjunkturpaket III lehnte sie nachdrücklich ab. Deutschland wende in den kommenden Jahren 4,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Maßnahmen gegen die Krise auf. Damit befinde sich das Land im europäischen Spitzenfeld und könne deshalb sehr selbstbewusst auftreten.
Fingerspitzengefühl bei Finanzhilfen
Beim Spitzengespräch überreichte Kentzler der Bundeskanzlerin im Namen seiner Kollegen Dieter Hundt (BDA), Ludwig Georg Braun (DIHK) und Hans-Peter Keitel (BDI) die "Münchener Erklärung". Darin fordern die Verbände die Bundesregierung dazu auf, ihren ordnungspolitischen Kurs beizubehalten. Ausdrücklich begrüßen die Autoren der "Münchener Erklärung" die Vorschläge Merkels für eine nachhaltige Stabilisierung der Finanzmärkte. Fingerspitzengefühl fordert die Wirtschaft bei der Entscheidung für staatliche Beihilfen für finanzklamme Unternehmen. $(LC3421172:Diese Unterstützungsleistungen des Staates sollten ausschließlich zeitlich befristet, in sehr speziell gelagerten Ausnahmefällen und bei begründeter Aussicht auf die Rückgewinnung der eigenständigen Existenzsicherung gewährt werden.|_top)$
Eine weitere zentrale Forderung der Spitzenverbände betrifft den Bankensektor. So konstatieren sie, dass der Kreditfluss zur Wirtschaft wieder reibungslos gewährleistet werden müsse. Dabei dürften die Kreditinstitute nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden. Wichtiger als staatliche Rettungsmaßnahmen für einzelne Unternehmen sei es jetzt, Investitionen sowie Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der deutschen Wirtschaft mit Kreditmitteln zu flankieren und nicht zu blockieren.
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