Während die Politik noch ihre Rolle in der Energiewende sucht, steckt das Handwerk schon mittendrin. Doch nur mit den richtigen Rahmenbedingungen wird dieses Jahrhundertprojekt ein wirklicher Erfolg.
Burkhard Riering
Burkhard RieringEs ist ein Jahr her, dass in Japan die Erde bebte. Dieses Erdbeben hat einen Tsunami ausgelöst, der das Kernkraftwerk im Küstenort Fukushima zerstörte. Diese Katastrophe, obwohl geografisch so weit weg von uns, hat nur einen Tag danach auch in Deutschland alles auf den Kopf gestellt. Die Bundesregierung machte prompt eine, nun ja, recht mutige Kehrtwende und beschloss den Atomausstieg sowie die Hinwendung zu erneuerbaren Energien per Dekret. Es ist das größte planwirtschaftliche Unternehmen, das die Bundesrepublik seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gesehen hat. Ein Jahrhundertprojekt.
Nun gilt es, das Projekt Energiewende auch wirklich zu einem Erfolg zu machen. Denn ein Zurück gibt es nicht mehr und darf es auch nicht geben. Die Vehemenz dieses Unternehmens zeigt sich darin, dass es nur noch zehn Jahre sind bis zum kompletten Atomausstieg, die Zeit drängt entsprechend. Die Versorgungssicherheit darf in all der Zeit dabei nie gefährdet sein.
Indes ist die Energiewende keine Erfindung dieser Regierung. Deutschland war auch schon vor dem schwarz-gelben Startschuss zur Energiewende nicht faul.
Millionen Häuser mit Solarzellen
Ein Blick ins Land zeigt: Im Allgäu säumen sich Solarmodule kilometerlang auf Feldern und Wiesen entlang von Autobahnen. Im flachen sächsischen Land rotieren die Flügel riesiger Windkraftanlagen fast pausenlos. Millionen Häuser haben Solarzellen auf dem Dach und Geothermie im Keller. Die Menschen beschäftigen sich seit Jahren mit Energieeffizienz und dezentraler Versorgung.
Das Handwerk nimmt dabei mit mehr als 30 zuständigen Gewerken eine zentrale Rolle ein als „offizieller Ausrüster der Energiewende“, wie das Motto auf der Internationalen Handwerksmesse heißt. Das Handwerk das sind diejenigen, die die Energiewende meistern, die zimmern, installieren und dämmen, damit die Wende Wirklichkeit wird. Hier liegt auch eine Verantwortung des Handwerks, die Energiemaßnahmen mit guter Beratung, Qualifizierung und der Umsetzung der Projekte zu stemmen.
Auch die deutsche Wirtschaft im Ganzen hat hier die einmalige Chance, eine neue wichtige Technologie weltweit anzuführen. Dieser Wert ist unschätzbar. Wie vor 125 Jahren in Deutschland die Autoindustrie erfunden wurde und hiesige Hersteller heute noch spitze sind, so könnte auf dem Zukunftsfeld der Energie das Gleiche passieren. Dazu müssen aber die politischen Rahmenbedingungen stimmen. Und dies scheint gerade ungleich schwerer zu sein.
Politik ist Lenker und Investor
Der Staat muss nun seine Rolle finden, nachdem die Wende im vergangenen Jahr so flott beschlossen wurde. Bislang ist es aber mehr ein Stolpern durch die Kulissen der Energiewende. Die Politik muss Lenker und Investor und sich einig sein.
Was nicht geht: Dass die Kleinen die Zeche bezahlen. Bürger und Kleinbetriebe sind nur überzeugt, wenn auch Gerechtigkeit herrscht. Dass jeder seinen Beitrag zu zahlen hat, ist unbenommen.
Es gibt Visionen, dass in der Zukunft alle Energie von Quellen kommt, die nichts kosten und nichts zerstören. Schöne, neue Welt - wenn sie denn wahr werden sollte.
