Noch spürt das Handwerk nichts vom Abflauen der Konjunktur. Für das Gesamtjahr rechnet der Verband weiter mit einem Umsatzplus von zwei Prozent. Etwas anderes bereitet dem Verband jedoch mehr Sorgen.
Karin Birk

Die gute Binnennachfrage beflügelt nach wie vor das Handwerk. "Die Schlagzahl der Handwerkskonjunktur bleibt unverändert hoch", sagte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke mit Blick auf die Entwicklung im dritten Quartal am Rande einer Konferenz des Deutschen Handwerkskammertages in Magdeburg. Hauptimpulse für die gute Handwerkskonjunktur lieferten vor allem die gewachsene Konsumnachfrage im Inland sowie der Wohnungsbau. Problematisch sei allerdings, dass in diesem Jahr voraussichtlich 18.000 Lehrstellen im Handwerk nicht besetzt werden könnten. Bisher war der Verband noch von 15.000 Stellen ausgegangen. "Das ist eine fatale Entwicklung", sagte er weiter. Bislang seien in diesem Jahr knapp 140.000 Ausbildungsplätze besetzt worden.
Für 2015 erwartet das Handwerk eine "weiterhin positive Geschäftsentwicklung", wie Schwannecke ergänzte. Allerdings werde die derzeit schwächelnde gesamtwirtschaftliche Konjunktur "wohl nicht völlig spurlos am Gesamthandwerk vorbeigehen", fügte er hinzu. Insgesamt rechnet der Verband mit einem Umsatzplus von zwei Prozent im kommenden Jahr. Von der Politik forderte er eine Stärkung des Investitionsklimas über das von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in Aussicht gestellte Investitionspaket in Höhe von zehn Milliarden Euro hinaus.
Binnenkonjunktur sorgt für gute Umsätze im Handwerk
Begünstigt wird die derzeit gute Binnennachfrage nach den Worten Schwanneckes von einer stabilen Beschäftigung, niedrigen Zinsen und steigenden Einkommen. Profitiert hätten davon nicht nur die Lebensmittelhandwerke, sondern auch "die persönlichen Dienstleister". Erfreulicherweise sei auch bei den Zulieferbetrieben und den Dienstleistern des gewerblichen Bedarfs mit nach wie vor guten Auftragsreichweiten noch nichts von der schwächeren Gesamtwirtschaft zu spüren. Stabilisiert habe sich auch die Lage im Kfz-Handwerk – allerdings auf niedrigem Niveau. Insgesamt liege der Auftragseingang im Handwerk mit 6,6 Wochen gleichauf mit dem Vorjahresquartal. Insgesamt werde das Handwerk so im laufenden Jahr wie erwartet rund 25.000 neue Stellen schaffen.
Handwerk will weniger investieren
Sorgen bereitet Schwannecke allerdings das unzureichende Investitionsklima, das sich auch in der Investitionsneigung der Handwerksbetriebe widerspiegelt. "Trotz guter Konjunktur und niedriger Zinsen melden nur rund 20 Prozent der Handwerksbetriebe gestiegene Investitionen", mahnte der ZDH-Generalsekretär. Künftig wollten sogar nur noch 14 Prozent der Betriebe mehr investieren, wohingegen knapp 60 Prozent alles beim Alten belassen wollten.
Von der Politik forderte er deutlichere Signale zur Stärkung des Investitionsklimas und der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe. Neben weiteren öffentlichen Investitionen - etwa für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur oder der digitalen Infrastruktur - seien nicht nur beim Thema Energieeffizienz mehr private Investitionen nötig, sagte er und forderte entsprechende steuerliche Anreize. Wichtig sei außerdem, neben der Senkung der Beiträge zur Rentenversicherung jede Chance zu nutzen, Abgaben auf Arbeit zu senken und Mitarbeiter – etwa über eine flexible Teilrente – länger in Arbeit zu halten. Auch dürfe Abbau der kalten Progression nicht weiter aufgeschoben werden.