"Handwerk packt an", lautet das Motto des heute stattfindenden Bundesaktionstags Ausbildung. Die Initiative des Handwerks kommt gerade recht. Denn eine neue Studie ermittelte, dass der Bedarf an Lehrstellen in Deutschland höher ist als eingeschätzt wird. Von P. Choinowski
Handwerk packt die Ausbildung an
Die Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) brachte ein wenig überraschendes Ergebnis zu Tage. Insgesamt seien 1,5 Mio junge Menschen zwischen 20 und 29 Jahren ohne Ausbildung. Im Jahr 2009/2010 werden laut der Studie 566.000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das wären etwa 50.000 Ausbildungsplätze weniger als im vergangenen Jahr. Von dem Rückgang vor allem betroffen sind Industrie und Handel. Das Handwerk bleibt davon weniger berührt. Hier bleiben die abgeschlossenen Verträge ungefähr auf dem Vorjahresniveau.
Die Handwerksbetriebe weisen im Vergleich zu anderen Branchen auch eine positivere Entwicklung zur Ausbildungsbereitschaft auf. Laut der BIBB-Studie wollen nur 21 Prozent der Handwerksunternehmen ihre Ausbildung einschränken, 29 Prozent gaben an, ihre Aktivitäten auszuweiten. Nur ist es für die Betriebe nicht immer einfach, einen geeigneten Auszubildenden zu finden. Entweder fehlt es an der mangelnden Qualifikation oder aber die rückläufigen Schulabgängerzahlen verhindern die Besetzung von freien Lehrstellen.
Kammer-Hotlines erteilen Informationen
Der Bundesaktionstag Handwerk "Handwerk packt an" des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) hat sich zum Ziel gesetzt, für die aufgrund der rückläufigen Schulabgängerzahlen bislang unbesetzten Lehrstellen mehr Jugendliche zu interessieren. "Handwerk ist in der Krise ein wirtschaftlicher Stabilitätsfaktor. Wir müssen mehr herausstellen, dass unsere Berufe Zukunft haben", fordert Handwerkspräsident Otto Kentzler.
Aktionen für Schulabgänger
Die Handwerkskammern und andere Handwerksorganisationen bieten heute und in den kommenden Wochen Aktionen für Schulabgänger an – beispielsweise Berufs- und Karriereberatung, Bewerbungs-Check, Telefon-Hotlines, Vermittlungsbörsen für Betriebe, Eltern und Jugendliche. Beratung gibt es auch für Jugendliche, die für eine erfolgreiche Lehre Unterstützung etwa durch ausbildungsbegleitende Hilfen brauchen. In Ostdeutschland suchen viele Betriebe händeringend nach Nachwuchs, da die Zahl der Schulabgänger dramatisch gesunken ist. "Ausbildung und Arbeit im Handwerk haben Zukunft – unsere Betriebe erweisen sich in der Krise stabiler als die in anderen Wirtschaftszweigen", wirbt Handwerkspräsident Kentzler für die Ausbildung in einem der über 100 Handwerksberufe. Außerdem werben die Kammern im Falle von Kurzarbeit bei Ausbildungsbetrieben für eine Verbundausbildung zwischen Betrieben, damit jeder Jugendliche seine Ausbildung erfolgreich abschließen kann.
Gleiches gilt für Jugendliche, die aufgrund einer Insolvenz ihre Lehrstelle verlieren. Unterstützend will in diesem Fall auch Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) den Lehrlingen beiseite stehen, indem er ihnen eine Ausbildungsgarantie geben möchte. Eine entsprechende Gesetzesänderung habe er beim Ausbildungsbonus auf den Weg gebracht, zitiert die "Rheinische Post" aus einem Brief von Scholz an Bundesministerien, Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften und die Bundesagentur für Arbeit. "Wenn ein Betrieb es jungen Auszubildenden ermöglicht, ihre Ausbildung fortzusetzen, dann soll das künftig mit dem Ausbildungsbonus gefördert werden und zwar unabhängig davon, ob in diesen Fällen der Ausbildungsplatz im Betrieb zusätzlich eingerichtet wird und der Auszubildende nur schwer vermittelbar ist."