Handwerk muss alle Potenziale ausschöpfen

Zum Auftakt der 14. Bildungskonferenz in Berlin stand das Thema der Fachkräftesicherung im Mittelpunkt. Dabei forderten die Diskutanten unter anderem, mehr Frauen im Handwerk auszubilden und Bewerber mit Migrationshintergrund stärker einzubinden.

Karin Birk

Angesichts des harten Wettbewerbs um künftige Fachkräfte darf das Handwerk bei der Aus- und Weiterbildung keine Chance ungenutzt lassen. "Wir müssen alle Potenziale nutzen", sagte Dirk Palige, Vorstandsvorsitzender der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZVH) und ZDH-Geschäftsführer zum Auftakt der 14. Bildungskonferenz in Berlin. Es gelte nicht nur den Anteil der Frauen im Handwerk zu erhöhen, auch Bewerber mit Migrationshintergrund, Schulabbrecher oder ältere Mitarbeiter müsste noch stärker aus- und weitergebildet werden. Bis zum Jahr 2020 trockne gerade die Ebene der Gesellen regelrecht aus, warnte auch der Präsident des Bundesinstitutes der Beruflichen Bildung (BIBB), Friedrich Hubert Esser.

Insbesondere Frauen müssten noch mehr Chancen am Arbeitsmarkt bekommen, warb die stellvertretende SPD-Vorsitzende und Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig. Wichtig sei deshalb die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter zu verbessern. Auch sei ein weiteres Umdenken der Unternehmen notwendig, wenn es um die Einstellung junger Frauen gehe. Das sieht auch ZDH Generalsekretär Holger Schwannecke so. Zwar sei bei der Frauenförderung im Handwerk schon viel passiert. "Wir haben aber noch viel Luft nach oben", sagte er mit Blick auf einen Frauenanteil von 25 Prozent.

Viele Frauen in Teilzeit

Der Geschäftsführer des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), Hans-Peter Klös, wies darauf hin, dass sich zwar die Erwerbstätigkeit der Frauen in den vergangenen zehn Jahren insgesamt verbessert habe. Noch immer seien aber viele Frauen in Teilzeit beschäftigt. Auch hier müsse sich etwas ändern, wenn man das Arbeitskräftepotenzial erhöhen wolle. Noch immer gibt es im Handwerk und anderswo zu wenige Frauen in naturwissenschaftlich-technischen Berufen. "Wir müssen noch deutlicher zeigen, dass die Zukunft in technischen Berufen liegt", betonte Schwanneke.

Auch ohne Menschen mit Migrationshintergrund wird die Fachkräftelücke nicht mehr zu schließen sein. Wie Schwanecke sagte, will sich das Handwerk dabei zuerst einmal auf die möglichen Bewerber im Inland konzentrieren. Hinzu komme, dass das Interesse aus dem Ausland bisher sehr begrenzt sei. Darüber hinaus will das Handwerk auch Bewerbern ohne Schulabschluss in verstärktem Maße eine Chance geben, wenn Motivation und soziales Verhalten stimmten. Auch nach Ansicht von IW-Geschäftsführer Klös kommt es in den nächsten Jahren darauf an, die weniger qualifizierten Bewerber mitzunehmen. Gleichzeitig müsse es aber auch gelingen, die berufliche und die akademische Ausbildung gut zu verzahnen und sie nicht gegeneinander auszuspielen.