Herbstumfrage von ZDH und Inkassounternehmen Handwerk leidet besonders unter schlechter Zahlungsmoral

Noch hat sich das Handwerk in der Finanz- und Wirtschaftskrise tapfer geschlagen. Doch das könnte sich angesichts der zunehmend schlechten Zahlungsmoral vieler Handwerkskunden bald ändern. Von Karin Birk

Handwerk leidet besonders unter schlechter Zahlungsmoral

"Die Zahlungsmoral unserer Kunden hat sich deutlich verschlechtert", warnte Handwerkspräsident Otto Kentzler auf einer Pressekonferenz in Berlin. Dies ergibt auch die gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) vorgelegte Herbstumfrage der Inkassounternehmen. Danach berichten 65 Prozent der befragten Inkassounternehmen, dass das Handwerk besonders Probleme mit dem Zahlungsverhalten seiner Kunden habe, dicht gefolgt von der Dienstleistungsbranche. Gerade weil die Insolvenzgefahr im Handwerk beträchtlich steige, sei jetzt effizientes Forderungsmanagement mit einem professionellem Mahn- und Rechnungswesen gefragt, sagte BDIU-Präsident Wolfgang Spitz.

Auftraggeber häufig überschuldet

Als Grund für die Zahlungsunfähigkeit von Handwerkern nennen 61 Prozent der befragten Inkassounternehmen Forderungsausfälle privater Auftraggeber, wobei vor allem Überschuldung der Auftraggeber, Arbeitslosigkeit oder unberechtigte Mängelrügen als Grund für die Ausfälle genannt werden. Letztere betreffen vor allem Handwerksunternehmen aus den Bau- und Ausbaugewerken. Als weiteren Grund nennen die befragten Unternehmen das Zahlungsverhalten der öffentlichen Hand, die ihre Rechnungen immer später beglichen. Verschärft werden diese Liquiditätsprobleme durch die zunehmenden Schwierigkeiten der Unternehmen, an Kredite zu kommen. "Eine flächendeckende Kreditklemme können wir im Handwerk zwar bislang nicht feststellen", sagte ZDH-Präsident Kentzler. Allerdings bereiteten die deutlich gestiegenen Anforderungen an Bonität, an Kreditsicherheiten gepaart mit Margenerhöhungen und Linienkürzungen und steigenden Bereitstellungsprovisionen Betrieben zunehmend Schwierigkeiten. Dies gelte insbesondere für die Beschaffung von Betriebsmittelkrediten.

Wie Kentzler weiter sagte, ist der Bestand an kurzfristigen Handwerkskrediten im Vorjahresvergleich um mehr als fünf Prozent gesunken. "Diese zunehmende Kreditverknappung kann selbst für gesunde Unternehmen gefährliche Dimensionen annehmen", warnte er. Es könne nicht sein, dass so manche Bank offenbar ihr Mittelstandsgeschäft dazu nutze, vorangegangene Spekulationsverluste zu kompensieren und insgesamt die Margen zu erhöhen. "Die Kreditfinanzierung muss sich rechnen - allerdings für beide Seiten", ermahnte er die Banken.

Als hilfreich für die Liquidität der Unternehmen bezeichnete Kenzler die von der Schwarz-Gelben Bundesregierung vorgesehen raschen Korrekturen bei der Unternehmensbesteuerung. Dies gelte sowohl in Bezug auf die Hinzurechnungsbesteuerung sowie für die Erleichterungen bei der Ist-Besteuerung. Wichtig sei auch die "anstehende große Steuerreform", die für viele mittelständische Personengesellschaften im Handwerk die Spielräume für Investitionen verbessern werde. Hoffnungen setzt Kentzler dabei auch in den neuen Bundeswirtschaftsminister, Rainer Brüderle, der sich als Fürsprecher des Mittelstands sieht.