Noch ist das Handwerk nicht über dem Berg. Handwerks-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer erwartet für 2010 ein konjunkturell schwieriges Jahr. Trotz der verbesserten Konjunkturaussichten rechnet er auch 2010 mit roten Umsatzzahlen. Von Karin Birk, Berlin
Handwerk kommt nur langsam aus den roten Zahlen
"Wir erwarten ein Minus von einem Prozent", sagte Schleyer bei der Vorstellung des aktuellen Konjunkturberichts des Handwerks. Erst 2011 werde das Handwerk aller Voraussicht nach wieder schwarze Zahlen schreiben.
Trotz der aktuellen Belebung werde das Handwerk auch 2009 die Einbrüche aus dem ersten Halbjahr nicht ausgleichen können. Die bisherige Umsatzprognose von Minus zwei Prozent für 2009 werde "nur schwer" zu halten sein, räumte Schleyer ein. Dennoch setzten die Betriebe alles daran, die Mitarbeiter zu halten. Ingesamt werde deshalb 2009 mit einem Rückgang der Beschäftigung von 40.000 oder 0,8 Prozent gerechnet. 2010 rechnet das Handwerk angesichts der verbesserten Aussichten auf eine stabile oder weitgehend stabile Beschäftigung.
Nach den bisherigen Verbandsprognosen gibt es 2010 zwar in den vom Export abhängigen Problembranchen erste Lichtblicke. Die Erholung werde allerdings von einem sehr niedrigen Niveau einsetzen. Auch werde das Kraftfahrzeuggewerbe nach den Worten Schleyers wegen stark sinkender Zulassungszahlen deutliche Umsatzverluste hinnehmen müssen, was sich auf den Gesamtumsatz im Handwerk "spürbar" auswirken werde. Dagegen profitiere der Bau weiterhin von den im Zuge der Konjunkturpakete vergebenen öffentlichen Aufträgen im Hoch-, Tief- und Straßenbau. Um die Konjunkturpakete voll auszuschöpfen, sprach sich Schleyer dafür aus, dass alle 2009 und 2010 erteilten Aufträge auch noch 2011 fertig gestellt und abgerechnet werden können. Eine über diese "Nachlauffrist" hinausgehende Verlängerung der Konjunkturpakete hält er jedoch für nicht angebracht.
Wie Schleyer weiter sagte, muss die Politik im beginnenden Aufschwung vielmehr für eine hinreichende Unternehmensfinanzierung sorgen. Derzeit sei im Handwerk ein "Besorgnis erregender Rückgang der kurzfristigen Betriebsmittelfinanzierung" zu spüren. Das Kredit- und Bürgschaftsprogramm der Bundesregierung sollte entsprechend überprüft werden. Grundsätzlich gesunde Unternehmen dürften nicht wegen unzureichender Liquidität in ihrer Existenz bedroht werden. Außerdem müsste die Verbriefung von Mittelstandskrediten wieder marktfähig gemacht werden. Nicht jeder verbriefte Kredit sei ein Ramschpapier. Vielmehr ergebe sich durch den Weiterverkauf seriöser Kredite für die Banken ein erneuter Spielraum zur Kreditvergabe.
Weitgehend positiv bewertete Schleyer das auf den Weg gebrachte "Wachstumsbeschleunigungsgesetz". Die Korrekturen bei der Unternehmens- und der Erbschaftsteuer und die Entlastungen bei der Einkommensteuer zum Jahresanfang 2010 seien zu begrüßen. Nichts hält Schleyer von der isolierten Einführung eines ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für das Beherbergungsgewerbe. Positiv sei dagegen, dass sich die Bundeskanzlerin in der Einkommenssteuerdebatte auch für Entlastungen im Jahr 2011 ausgesprochen habe. Entscheidend sei jetzt, dass noch in dieser Legislaturperiode "konzeptionelle Vorarbeiten" für einen einfacheren, niedrigeren und gerechteren Einkommensteuertarif geleistet würden.