Panorama -

Dokumentation „Erde“ zeigt spektakuläres Bauhandwerk Handwerk im Film: Baggern, bohren, Berge versetzen

Auf der Berlinale feierte er seine Weltpremiere. Ab Donnerstag, 4. Juli ,läuft der bildgewaltige Film "Erde" deutschlandweit in den Kinos. Die Dokumentation entführt den Zuschauer auf einige Großbaustellen dieser Welt und kommt als Liebeserklärung an den Beruf des Baugeräteführers daher.

156 Millionen Tonnen Erde bewegen sich Tag für Tag auf unserem Globus – doch nicht etwa durch Wind und Wetter, die Erosion oder andere Launen der Natur, sondern allein durch die Hand des Menschen. Keine andere Spezies verändert das Gesicht unseres Planeten so wie wir.

Genau an diesem Punkt setzt der österreichische Filmemacher Nikolaus Geyrhalter mit seiner Dokumentation "Erde" an, die bei der Berlinale 2019 in der Sektion "Forum" ihre Weltpremiere feierte: In spektakulären Einstellungen, aus spannenden Perspektiven und mit prachtvollen Panoramen nimmt uns der Regisseur mit auf eine Reise zu sieben verschiedenen Baustellen und Abbauprojekten dieser Erde, an denen gigantische Marmorblöcke herausgerissen, tiefe Tunnel gebohrt oder gleich ganze Berge versetzt werden, um neues Bauland zu schaffen.

Jeden Tag eine neue Mondlandung

Dabei lässt Geyrhalter in Interviews die Handwerker zu Wort kommen, die buchstäblich am langen Hebel sitzen: Erfahrene Baugeräteführer aus aller Herren Länder, die unabhängig von ihrem Einsatzort in Kalifornien, Spanien oder Italien die Liebe zu ihrem Beruf miteinander eint – und die sogar von sich behaupten können, im Arbeitsalltag an Orte vorzudringen, an denen noch nie zuvor ein Mensch gewesen ist. Denn es hat schon fast etwas von einer Mondlandung, sich mit 1.000 Metern Stein über dem Kopf durch die Alpen zu bohren und zu entdecken, was sich im Inneren des Berges verbirgt – oder im ungarischen Nirgendwo unter Sand und Geröll einen Zypressenwald freizulegen, der vor Millionen Jahren versteinerte und erstmalig wieder das Licht der Welt erblickt.

Trailer zur Dokumentation "Erde"

Die authentischen Handwerker, Baustellenleiter und weiteren Interviewpartner fängt der Regisseur stets ungeschminkt an ihrem Einsatzort und in voller Arbeitsmontur ein – und wenn die Sonne in der Toskana allzu heiß brennt, dann auch schon mal ohne Oberteil. In der Führerkabine eines Radladers, auf einem mit tonnenschwerer Erde beladenen Transporter oder im Aufzug des Salzbergwerks in Wolfenbüttel dürfen wir bei der Fahrt sogar live mit dabei sein – die rasante Abfahrt von einem sandigen Berg in Kalifornien, bei der der vollbärtige, tätowierte und stark übergewichtige Baugeräteführer mit bemerkenswerter Souveränität blitzschnell zwischen Hebeln und Lenkrad hin-und herwechselt, zählt zu den aufregendsten Sequenzen des gesamten Films.

Der mahnende Zeigefinger

So sehr in diesen Einstellungen die Bewunderung für das handwerkliche Tagesgeschäft der Bauarbeiter durchklingt, so unmissverständlich ist aber auch die ökologiekritische Botschaft der Dokumentation: Gerade im letzten, etwas schwächeren Abschnitt des Films, in dem Geyrhalter neben einem Atommüllendlager auch noch eine Ölsandabbaulandschaft in Kanada besucht, wird das aus den Fugen geratene Verhältnis zwischen Menschen und Natur ganz offen an den Pranger gestellt. Wenn ein amerikanischer Arbeiter stolz vor der Kamera prahlt, mit seinem Job, Berge zu bewegen, in einer Bar noch jede Frau zu beeindrucken, dann mag das ein erfolgreicher Anmachspruch sein – die Kehrseite der Medaille ist aber, dass sich das Gesicht der Welt, in der wir leben, durch die Hand des Menschen drastisch verändert. Oder wie es ein italienischer Bauarbeiter im Film markant formuliert: Wenn wir in diesem Tempo weitermachen, dann ist in 200 Jahren nichts mehr da.

Baugeräteführer S. Babyuk

Ob "Erde" nach seiner Weltpremiere auf der Berlinale auch den Weg in die deutschen Kinos finden würde, war lange Zeit unklar. Nun läuft der Film am 4. Juli deutschlandweit in den Kinos an. Die prachtvollen Bilder haben die große Leinwand unbedingt verdient.

Weitere Informationen zum Film

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