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Corona-Umfrage Handwerk fordert realistische Öffnungsperspektive

Umsätze und Auftragspolster sinken, Hilfen kommen nur zögerlich an, heißt es in der jüngsten ZDH-Konjunkturumfrage. Welche Bereiche am meisten betroffen sind.

Durch die Verschärfung des Lockdowns haben sich die negativen Auswirkungen der Pandemie auf das Handwerk deutlich verschärft. "Aktuell berichten 58 Prozent der Betriebe von Umsatzeinbußen in den vergangenen vier Wochen, nachdem es im Dezember 2020 noch vor der Verschärfung des Lockdowns 42 Prozent waren", heißt es in der jüngsten ZDH-Betriebsbefragung vom 27. bis 31. Januar 2021 unter rund 2550 Handwerksunternehmen. "Was die Betriebe brauchen, ist eine wirkliche Perspektive", heißt es weiter. Dies gelte für die oft noch ausstehenden Hilfsgelder genauso wie für eine "realistische Öffnungsperspektive" zur Planung des Neustarts.

Persönliche Dienstleister und Kfz-Handwerk spürt Umsatzrückgang besonders

Besonders betroffen von den Umsatzrückgängen waren die persönlichen Dienstleister wie Friseure. Hier verbuchten 90 Prozent der befragten Betriebe Umsatzeinbußen, die oft fast 90 Prozent ausmachten. Stark bemerkbar machte sich der Lockdown mit den geschlossenen Verkaufsräumen auch im Kfz-Handwerk. Hier setzten 76 Prozent der befragten Betriebe weniger um. Deutliche Einbußen hatten nach der Umfrage auch die Gesundheitshandwerke, da Patienten oft nur noch in Notfällen ihre Ärzte aufsuchten und diese in der Folge weniger Medizinprodukte verordneten. Umsatzzuwächse gab es dagegen vor allem im Lebensmittelhandwerk. So konnten Fleischer und Bäcker zumindest einen Teil ihres weggefallenen Café- und Cateringgeschäftes ausgleichen. Zulegen im Vergleich zum Vorjahr konnte zudem das Ausbauhandwerk.

Unterbrochene Lieferketten bereiten Probleme

So unterschiedlich die einzelnen Gewerke von den Umsatzrückgängen betroffen sind, so verschieden sieht es auch bei den Auftragsbeständen aus. Während das Bau- und Ausbauhandwerk noch Auftragszuwächse verbuchte, zeigt sich eine deutliche Abnahme bei den persönlichen Dienstleistern und den Kfz-Handwerken. Darüber hinaus berichteten rund 40 Prozent (Dezember: 42 Prozent) der befragten Betriebe von Problemen mit der Beschaffung von Materialien und Vorprodukten. Dies galt zuletzt besonders für die Ausbaubetriebe, für Betriebe des gewerblichen Bedarfs sowie für Kfz-Gewerke.

November- und Dezemberhilfen kommen nur sehr langsam an

Angesichts der sich hinziehenden Pandemie verschärfen sich die wirtschaftlichen Probleme der Unternehmen. "In vielen Betrieben fehlen nach beinahe einem Jahr Corona-Pandemie und wiederholten Lockdown-Maßnahmen die Rücklagen, um die aktuellen Einnahmeausfälle aufzufangen", heißt es in der Umfrage weiter. Es sei deshalb überlebensnotwendig, dass die versprochenen Hilfsgelder schnellstmöglich bei den Betrieben ankämen. Die Verfahren müssten "deutlich beschleunigt und die Abschlagszahlungen erhöht werden". Insgesamt habe rund ein Drittel der befragten Betriebe die November- oder Dezemberhilfe in Anspruch genommen, wobei allerdings nur ein geringer Teil der Betriebe bis zum Schluss des Befragungszeitraumes Ende Januar eine Abschlagszahlung erhalten oder gar die vollständige Novemberhilfe ausbezahlt bekommen habe. bir

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