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Rückgang der Ausbildung aufgrund der Corona-Krise Wie sich die Corona-Krise auf die Ausbildung auswirkt

Die Corona-Krise schlägt sich auch auf die Ausbildung nieder: Ein Viertel der Lehrbetriebe will weniger ausbilden, fast 12.000 Lehrgänge mussten aufgrund der Corona-Beschränkungen bundesweit ausfallen. Das Handwerk fordert nun staatliche Zuschüsse.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Keine Hochzeiten, keine Firmenjubiläen, keine Kommunion. Die Konditorei Schenk in Augsburg hat den Shutdown deutlich zu spüren bekommen. "Derzeit stehen nur noch mein Bruder und die zwei Lehrlinge in der Backstube, alle anderen sind in Kurzarbeit", sagt Gerhard Schenk, der gemeinsam mit seinem Bruder die Konditorei betreibt. Ihr Ziel: Das Geschäft am Laufen halten und die Ausbildung durchziehen.

Und weil er nicht weiß, wann das Geschäft wieder anzieht, wird er im Herbst wohl keinen neuen Lehrling einstellen. Seinen Kollegen gehe es zumeist ähnlich, erzählt Schenk, der sich als Präsident des Deutschen Konditorenbunds oft mit ihnen kurzschließt. Freuen würde er sich, wenn der Staat gerade jetzt die Ausbildungsleistung der Betriebe mit einem Zuschuss honorieren würde.

"Klare Handlungsaufforderung an die Politik"

Mehr Unterstützung für die Ausbildung fordert auch der Präsident des Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer: "In der gegenwärtigen Krise müssen wir alles tun, um Ausbildungsbetriebe über Wasser zu halten, damit sie als Ausbildungsorte nicht verloren gehen", betonte er. "Wenn laut unserer Umfrage jetzt jeder vierte Betrieb seine Ausbildungsengagement in der Krisensituation verringern will, dann ist das eine klare Handlungsaufforderung an die Politik", fügte er mit Blick auf die jüngste ZDH-Konjunkturumfrage hinzu. Ausbildungsbetriebe sollten deshalb durch einen einmaligen Zuschuss unterstützt werden. "Dieser Ausbildungszuschuss sollte sich an 75 Prozent einer durchschnittlichen tariflichen oder Mindestausbildungsvergütung über einen Zeitraum von drei Monaten orientieren", sagte er.

Katharina Schütz, Bildungsexpertin bei der Handwerkskammer Region Stuttgart kennt Fälle, in denen Ausbildungsverhältnisse etwa im Friseurhandwerk wegen der Corona-Krise gekündigt wurden. "Ich habe aber auch Betriebe, die sich melden und Azubis jetzt übernehmen würden, die anderswo ihre Stelle verloren haben", erzählt sie. Mit Blick auf das neue Lehrjahr 2020/21 lässt sich in Stuttgart noch kein Trend ausmachen.

Anders sieht es in Ostsachsen aus: Bis zum 29. April haben dort 435 junge Menschen einen neuen Ausbildungsvertrag abgeschlossen, das sind 15 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. "Der Rückgang der neu abgeschlossenen Lehrverträge ist ein erstes Zeichen für die Auswirkungen der Corona-Krise auf das Handwerk", sagt Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden. Auftragsrückgänge machten viele Betriebe vorsichtiger.

Interesse an Thema Ausbildung lässt nach

Zudem hätten Schulschließungen und coronabedingte Absagen von Veranstaltungen zur Berufsorientierung das Thema Ausbildung in den Hintergrund rücken lassen. "Es ist sowohl im Interesse der Unternehmen als auch im Interesse der Schulabgänger wieder aktiver aufeinander zuzugehen", betont Hauptgeschäftsführer Brzezinski.

Die Verunsicherung und Zurückhaltung auf dem Ausbildungsmarkt zeigen auch die jüngsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA). Danach meldeten sich über alle Branchen hinweg von Oktober 2019 bis April 2020 384.000 Interessenten für eine Ausbildungsstelle bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern. Das waren rund acht Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. 241.000 von ihnen waren auch im April noch auf der Suche. Gleichzeitig waren 455.000 Ausbildungsstellen gemeldet, 39.000 oder knapp acht Prozent weniger als im Vorjahr, wobei hier bis April noch 274.000 Stellen unbesetzt waren. Wie es bei der BA weiter heißt, ist es für eine fundierte Bewertung noch zu früh. Derzeit sei der Ausbildungsmarkt noch sehr in Bewegung.

Fast 12.000 Lehrgänge ausgefallen

Mit Blick auf die zukünftige Fachkräftesicherung sei es wichtig, dass die bewährte Bildungsstätten-Infrastruktur des Handwerks die Krise gut übersteht. Schon jetzt hätten bundesweit wegen der Corona-Beschränkungen fast 12.000 Lehrgänge ausfallen müssen, sagte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke. Und auch der wieder beginnende Lehrbetrieb werde wegen des notwendigen Gesundheitsschutzes nur eingeschränkt möglich sein. Bund und Länder müssten daher die handwerklichen Einrichtungen der beruflichen Bildung finanziell unterstützen und absichern.

Neues Ausbildungsjahr: So viele Azubis planen die Betriebe einzustellen

Laut einer aktuellen Umfrage des ZDH zum Thema betriebliche Ausbildung im neuen Ausbildungsjahr planen

  • 25 Prozent der teilnehmenden Betriebe weniger neue Auszubildene einzustellen,
  • 38 Prozent wollen genau so viele Azubis einstellen,
  • und 5 Prozent wollen sogar mehr Azubis einzustellen.
  • 30 Prozent der teilnehmenden Betriebe haben angegeben, dass sie kein Ausbildungsbetrieb sind. 2 Prozent haben zu diesem Thema keine Angaben gemacht.

Quelle: ZDH-Betriebsbefragung zu den Auswirkungen von Corona, KW 17, 2020

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