Die gesamtwirtschaftliche Erholung ist ins Stocken geraten. Doch ungeachtet wachsender Konjunkturrisiken bleiben die Handwerksunternehmer gelassen: 87 Prozent einer Umfrage unter 4.400 Betrieben rechnen mit einem zumindest befriedigenden Geschäftsverlauf zwischen Juli und September. Damit ist die Prognose ähnlich gut wie im vergangenen Jahr (89 Prozent).

Im Produktionsverbindungshandel, welcher der Industrieproduktion vorausläuft, bleiben die realen Umsätze seit März hinter den Vorjahreswerten zurück. Auch die Importe sind rückläufig. Offenkundig disponieren die heimischen Unternehmer vorsichtiger, weil sie damit rechnen, dass die Turbulenzen in der Euro-Zone das Wachstum dämpfen. Außerdem ist die Gefahr massiver Energiepreissteigerungen längst nicht gebannt, zumal die Stromnetzentgelte neu kalkuliert werden und die Ökostrom-Umlage weiter rasch zunimmt.
Umsatzplus von vier Prozent erwartet
Doch die Handwerksunternehmer bleiben gelassen. Das Baugewerbe wird noch länger von der Flucht in die Sachwerte profitieren. Allerdings wird es immer schwieriger, reales Wachstum zu erzielen. Im Zeitraum Januar bis Mai ist die Zahl der genehmigten Wohnungen kaum noch gestiegen. Probleme zeichnen sich vor allem im öffentlichen Bau ab. Es besteht jedoch die Hoffnung, dass die Kommunen die letztjährigen Steuereinnahmen für Investitionen einsetzen. Unterm Strich rechnet der Zentralverband Deutsches Baugewerbe für 2012 mit einem Umsatzplus von vier Prozent.
Im Handwerk für gewerblichen Bedarf dürfte es vorerst nicht zu gravierenden Absatzeinbußen kommen, Sorgenfalten sind aber angebracht. Bei einem der wichtigsten Auftraggeber, der Investitionsgüterindustrie, hat sich die Nachfrage auffallend abgeschwächt. Dieser Trend schlägt irgendwann auf die Zulieferer durch.
Am Automarkt fehlen Impulse. Der Handel mit Privatkäufern ist schwach, hochwertige Gebrauchte lassen sich besser absetzen als Neuwagen. Gewerbliche Kunden dürften Investitionen in den Fuhrpark vorerst zurückstellen.
Die Handwerke für privaten Bedarf gehen zuversichtlich durch den Sommer, denn die Konsumenten werden kaufkräftiger. Nach Einschätzung der Wirtschaftsforscher soll sich die Inflationsrate in der zweiten Jahreshälfte unter zwei Prozent bewegen, gleichzeitig steigen die verfügbaren Einkommen um drei Prozent. we/los